Raus aus dem Dornröschenschlaf

Der Füssener Bundesstützpunkt soll wieder attraktiver werden

Eisstadion in Füssen
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Viel Geld muss die Stadt Füssen jedes Jahr ausgeben, um den Bundesstützpunkt (BSP) Eishockey und Curling mit Energie zu versorgen. Nun wird darüber nachgedacht, wie die Eisauslastung erhöht werden kann.
  • vonMatthias Matz
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Füssen – Wo einst die Stars der nationalen und internationalen Eishockey-Szene Schlange auf dem Eis standen, tausende Zuschauer mit ihren Teams fieberten und gefeierte Konzerte stattfanden, herrscht heute Tristesse: während der EV Füssen im Mittelmaß der Oberliga dümpelt, nagt an Arena und Hallen des Bundesstützpunktes der Zahn der Zeit und kostet die Stadt viel Geld. Erst am vergangenen Dienstag und in der Nacht zuvor kam es erneut zu Wasserrohrbrüchen, wie Kämmerer Marcus Eckert am Abend im Zuge der Haushaltsberatungen des Haupt- und Finanzausschusses berichtete. Hinter den Kulissen wird aber bereits daran gearbeitet, dem Stützpunkt zumindest ein wenig des einstigen Glanzes zurückzugeben. 

Neben der schlechten Nachricht über zwei Wasserrohrbrüche in der Nacht zum vergangenen Dienstag und im Laufe des Tages hatte Eckert auch positive Nachrichten aus dem Bundesstützpunkt mit in die Haushaltsberatungen im Schützenhaus Roßmoos gebracht. So sei die Umrüstung auf LED-Beleuchtung mit der förmlichen Abnahme der Arena mittlerweile auch offiziell abgeschlossen. Wegen eines Glimmens der neuen Beleuchtung in der Arena habe die Verwaltung mit dem Hersteller zwar nachverhandeln müssen, das Problem sei mittlerweile aber behoben. Außerdem habe man sich auf eine Verlängerung der Garantie einigen können, berichtete der Kämmerer.

Die Kosten für die LED-Umrüstung belaufen sich demnach auf knapp 1,2 Millionen Euro, die Ertüchtigung der Sicherheitsbeleuchtung kostet weitere knapp 630.000 Euro, so Eckert weiter. Und auch in diesem und im kommenden Jahr wird die Stadt weiter viel Geld in Ertüchtigung und Modernisierung der Eishallen stecken müssen: Laut Haushaltsentwurf 2021 rechnet die Kämmerei allein für das laufende Jahr mit Ausgaben in Höhe von rund 2,1 Millionen Euro. Und für 2022 hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung bereits einem umfangreichen Bedarfsplan über Baumaßnahmen für fast fünf Millionen Euro zugestimmt.

Dass die Stadtverwaltung am Ende dieses Jahres beim Bundesstützpunkt dennoch von einem Plus von über 1,1 Millionen Euro ausgeht, wunderte daher Stadträtin Christine Fröhlich von den Freien Wählern. Dies liege an den Zuschüssen für die Arbeiten im vergangenen Jahr, die erst heuer ausgezahlt werden, erläuterte Eckert. Die Stadt habe diese 2020 zunächst vorfinanziert.

Stadt muss Millionen investieren

Vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Investitionen in den Bundesstützpunkt gibt es im Rathaus Überlegungen, wie die Einnahmen der Eishallen künftig gesteigert werden können. Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) berichtete an dieser Stelle, dass es aktuell Gespräche mit dem EV Füssen und dem Eismeister darüber gegeben habe, wie die Auslastung der Eisflächen erhöht werden könnte.

Dabei habe sich heraus kristallisiert, dass es in der Stadt vor allem an geeigneten Hotels fehle, die im Sommer eine bis zu 40-köpfige Eishockey-Mannschaft beherbergen können. Derzeit werden die Teams teilweise in Nesselwang oder Pfronten untergebracht. „Wir brauchen ein Geschäfts-Hotel“, so Eichstetter. Er erinnerte daran, dass das Eis früher den kompletten Sommer über von Eishockey-Erstliga-Teams oder Junioren-Nationalmannschaften belegt gewesen sei. „Das ist das Ziel, wo wir wieder hinkommen sollten!“ Das Potenzial dafür sei da, betonte er. Die nötigen Kontakte zur nationalen und internationalen Eissport-Szene seien durch den EVF und die Füssener Curlerinnen vorhanden. Was fehle, sei die Vermarktung. „Wenn wir ein so gut wie maßgeschneidertes Konzept haben, könnte das klappen!“

Gespräche mit Hoteliers führen

CSU-Stadtrat Simon Hartung schlug vor, jetzt dahingehende Gespräche mit den Hoteliers zu führen. Schließlich sei der asiatische Markt auf unabsehbare Zeit komplett weggebrochen und die ganze Branche stehe durch die Corona-Krise womöglich vor einem tiefgreifenden Umbruch. Außerdem sei in der Vergangenheit nicht immer alles optimal bei der Vergabe von Eiszeiten gelaufen. „Da ist echt viel Potenzial!“, bestätigte er die Einschätzung Eichstetters.

Stadtrat Niko Schulte (Füssen-Land) erinnerte daran, dass die Stadt das Hotel „Eiskristall“ genau aus diesem Zweck an einen russischen Investor verkauft habe. Dieser habe zugesichert, russische Eishockey-Teams nach Füssen zu holen (der Kreisbote berichtete). Wegen der wirtschaftlichen Entwicklung in Russland sei daraus jedoch nie etwas geworden.

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