Kleine, aber feine Schau

Der Füssener Künstler Robert Wilhelm stellt in der Fachklinik Enzensberg aus

Robert Wilhelm in seinem Atelier im Magnuspark
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Robert Wilhelm in seinem Atelier im Magnuspark, ehemalige Hanfwerke: hier entstehen Werke freier Kunst und künstlerische Auftragsarbeiten.

Füssen – Christine Spengler aus dem Team der Fachklinik Enzensberg in Hopfen hat sich Ende März in den Ruhestand verabschiedet. Unter ihrer Leitung hat in Nachfolge von Brigitte Protschka die Abteilung „Freizeit und Kultur“ weiter an Profil gewonnen. „Ich kann mich mit einer so tollen Ausstellung hier verabschieden“, erklärte Spengler gegenüber dem Kreisboten beim Rundgang durch die Galerie und betont: „Die Galerie an der Fachklinik Enzensberg wird es weiter geben!“ Derzeit stellt sich dort der Füssener Künstler Robert Wilhelms mit einem „Mix aus drei Jahren“ mit neuen Gemälden vor. 

Wieder einmal bietet sich eine Gelegenheit, den abstrakten Gemälden des überregional bekannten Künstlers mit Atelier im Magnuspark zu begegnen. Denn die Werke von Robert Wilhelm sind nun in Hopfen zu sehen. Mit Spraydosen gastierte der Künstler schon in Paris, um eine riesige Mauer umzugestalten. Aufzuzählen, wo Wilhelm mit seiner Graffiti-Kunst schon überall vertreten ist, würde hier den Rahmen sprengen – konzentrieren wir uns folglich allein darauf, was er den Betrachtern in der immer ansprechenden Ausstellungsserie „Kunst in der Klinik“ (KiK) in Hopfen anbietet, um deren Fantasie zu beflügeln.

Christine Spengler hat vor ihrem Ruhestand Robert Wilhelm eingeladen, in der bekannten Galerie in der Hopfener Fachklinik Enzensberg auszustellen.

„Die freundliche Einladung, auf dem Enzensberg in der Galerie auszustellen, hat mich sehr gefreut“, so Wilhelm. Eigens für diese Ausstellung habe er fünf neue Bilder geschaffen. Die Schau ist ziemlich klein, verglichen mit der 2017 präsentierten großen Wilhelm-Ausstellung im Unternehmen Endress+Hauser Wetzer in Nesselwang. Sie kann aber durch die Werkauswahl einen ersten, guten Zugang in Wilhelms Kunstwelt bieten. Den professionellen Künstler auf dem Weg weiter zu verfolgen oder eben kennenzulernen, ist derzeit das Privileg der Klinikmitarbeiter und Patienten. Die Schau soll allerdings nicht exklusiv für diese Gruppe bleiben. Da Wilhelm seine Werke drei Monate in der Fachklinik zeigen wird, soll sich die Tür für Besucher wieder öffnen, während die Ausstellung noch läuft. „Das ist hoffentlich bald“, so Christine Spengler, die mit der Abteilung „Kunst und Freizeit“ seit Jahren der zeitgenössischen Kunst ein Forum bietet.

Veränderte Stimmung

Dass leere weiße Wände der Fachklinik durch nicht nur dekorative Gemälde farbenfroh belebt worden sind, hat alle begeistert, die ihren Weg durch die Galerie nehmen. Man bleibt angesichts der neu gehängten Bilder im Gang stehen und nimmt die veränderte Stimmung wahr, bevor es zur nächsten Therapie geht. Zu Spenglers Beobachtungen berichtet Wilhelm: „Ich bin sehr oft angesprochen worden, als wir die Ausstellung hier vorbereiten konnten.“

Mit Zeichnungen, die meist mit einer Linie ohne Absetzen des Stiftes von Wilhelm angefertigt werden, kann der aus Heidelberg stammende und in Mannheim zum Grafikdesigner ausgebildete Künstler beim Betrachter zweifellos punkten. In seiner Malerei entstehe ein „Zusammenspiel zwischen grafischen und malerischen Oberflächen, um optische Verwirrung zu erzeugen und die Art und Weise widerzuspiegeln, wie unser wirkliches und digitales Leben miteinander verschmelzen“, erläutert das Beiblatt zur Ausstellung.

Robert Wilhelm, 1977 geboren, wohnt in Füssen. Bekannt wurde er über die Grenzen der Stadt hinaus als Sprayer. Längst hat er seine künstlerische Palette über die zu Beginn des Berufswegs seinen Stil charakterisierenden Figuren – er nennt sie Smurfnobs – hinaus erweitert. Eine markante Ansicht von Füssen ist die Auftragsarbeit für die unter neuer Leitung stehende Altstadtgaststätte „Schwanen“, an der Wilhelm derzeit arbeitet. Von Anfang an war es dem Künstler wichtig, dass seine Kunst öffentlich wirken kann: auf ehemals nackten Gemäuern, in Galerien, Gaststätten, Schulen und Firmen.

Chris Friedrich

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