Der Nesselwanger Bahnhof soll künftig gewerblich genutzt werden

Nesselwanger Bahnhof: Räte stellen die Weichen

Bahnhof Nesselwang
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Was soll mit dem Nesselwanger Bahnhof geschehen, der mittlerweile im Besitz der Marktgemeinde ist? Darüber diskutiert derzeit der Marktgemeinderat.
  • VonHerbert Hoellisch
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Nesselwang - Wie der Bahnhof und der Bahnhofskiosk künftig genutzt werden sollen, darüber diskutierte der Gemeinderat in der vergangenen Woche emotional – und fällte eine knappe Entscheidung.

Bereits im Mai hatte der Irseer Städteplaner Martin Hoffmann dem Gremium vier Planungsvarianten für den Umbau des Bahnhofs und dessen Umfeldes vorgestellt, von denen die Ratsmitglieder eine priorisierten. So soll eine Bahn-Bus-Schnittstelle mit den erforderlichen Höhen für die beiden geplanten Bushalte und mehrere Pendlerparkplätze entstehen. Hierzu fanden auch bereits Gespräche mit dem Landratsamt Ostallgäu statt. Bis 2024 soll der Umbau der Bahnsteige durch die DB abgeschlossen werden.

Doch was geschieht mit dem eigentlichen Bahnhof? Seit dem Bekanntwerden des Kaufs durch die Marktgemeinde haben sich bereits mehrere Interessenten für eine gewerbliche Nutzung des Bahnhofs und des Umfelds an die Verwaltung gewandt. Auch Gemeinderat Peter Schlichtling (CSU) bevorzugt eine solche Nutzung mit einem touristischen Hintergrund, wie er sagte.

Den alten Bahnhofskiosk, dessen Erhalt von einer Interessengemeinschaft befürwortet wurde, hält er wegen der nicht absehbaren Sanierungs- und Unterhaltskosten für die Marktgemeinde für nicht tragbar. Stattdessen plädierte der Christsoziale dafür, sich mit dem Unterallgäuer Bauernhofmuseum in Illerbeuren in Verbindung zu setzen, ob diese noch wie vor zwei Jahren Interesse an dem Gebäude hätten.

Die Bürger beteiligen

Martin Erd (Mitanand für Nesselwang), trat dagegen für einen Erhalt des Gebäudes ein. Daraus könne mit Bürgerbeteiligung ein Gemeinschaftsprojekt in Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft entstehen. Erd regte eine Bürgerbefragung an, was die Nesselwanger sich für das Bahnhofsareal vorstellen könnten. Als Beispiel brachte er den Bahnhof Martinszell südwestlich von Kempten, der nach einer solchen Bürgerbefragung erfolgreich umgestaltet worden ist. „Ich sehe das als große Chance, die Bürgerinnen und Bürger miteinzubeziehen“, erklärte Erd. Der Bahnhof könne dann auch zu einer weiteren Attraktion für den Ort werden.

Stephan Abt (CSU) sprach sich für den Vorschlag seines Fraktionskollegen Schlichtling aus und regte an, die Gespräche mit den Interessenten zu intensivieren, um mit einer zeitnahe Planung für eine gewerbliche Nutzung zu beginnen. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende brachte zudem einen Antrag der CSU für einen zügigen Abriss des Bahnhofkiosks ein.

Petra Wörz (Freie Wähler) wünschte sich hingegen eine Bürgerbeteiligung für die Planungen des Bahnhofareals. „Wir sollten jetzt keine vorschnelle Entscheidung treffen“, mahnte Wörz. Sie sieht die Planungen als Chance für eine Projektgruppe mit Bürgerbeteiligung.

„Die Sanierung oder der Abriss des Bahnhofsgebäudes wird ein finanzieller Kraftakt für den Markt.

Hans Möst, Zweiter Bürgermeister

„Die Sanierung oder der Abriss des Bahnhofgebäudes wird ein finanzieller Kraftakt für den Markt“, betonte Zweiter Bürgermeister Hans Möst (FW). Er bevorzuge eine gewerbliche Nutzung des Bahnhofsgebäudes. Die Kiosk-Entscheidung sollte aber einem künftigen Bauherren oder Nutzer des Bahnhofsgebäudes überlassen werden, erklärte er.

Max Roth von der SPD sah indes zwei verschiedene Themen: einerseits die Baumaßnahmen der DB, andererseits die Attraktivierung des Bahnhofareals als Visitenkarte für den ganzen Ort. „Mich interessiert vor allem, welche Interessenten und welches Gewerbe da kommen soll“, sagte der Gemeinderat. Er sprach sich für ein Abwarten bis in den Frühsommer aus, um Ideen für eine Nutzung des Bahnhofareals zu sammeln.

Emotionale Debatte

„Es sind mehrere Interessenten, welche den Bahnhof als Gewerbeimmobilie nutzen wollen“, berichtete Bürgermeister Pirmin Joas (CSU) den Anwesenden. Der Prozess bis zu einer endgültigen Entscheidung mit diesen werde aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Der zuvor gestellte Antrag der CSU-Fraktion für eine zeitnahe Planung für die gewerbliche Nutzung des Bahnhofgebäudes sowie den Abriss des Kiosks wurde nach der emotional geführten Diskussion mit einer knappen Entscheidung von acht zu sieben Stimmen angenommen.

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