»Regierung bekommt Note sechs«

Der Ostallgäuer AfD-Kandidat Christian Sedlmeir spricht im Interview über Corona, Afghanistan und den Klimawandel

Christian Sedlmeier
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Christian Sedlmeir kandidiert bei der Bundestagswahl für die AfD im Wahlkreis Ostallgäu.

Landkreis – Der Kreisbote befragt vor der Bundestagswahl am 26. September die Direktkandidaten der Bundestagsparteien aus dem Wahlkreis Ostallgäu. Für die AfD tritt der Mindelheimer Christian Sedlmeir an. Der 57-Jährige arbeitet als Maschinenbautechniker in Mindelheim, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Auch Sie als ehemaligen Feuerwehrler dürften die Hochwasserbilder im Westen Deutschlands schwer erschüttert haben. Die AfD-Co-Vorsitzende in der Bundestagsfraktion, Alice Weidel, erklärte zuletzt zum Kopfschütteln vieler, dass es keinen bewiesenen Zusammenhang zwischen der Hochwasserkatastrophe und dem Klimawandel gebe. Stimmen Sie ihr zu?

Sedlmeir: „Der Landrat in Ahrweiler hat nichts gemacht und damit total versagt, das ist fatal. Solche Wetterkapriolen gab es aber schon immer, wenn auch nicht so gehäuft wie aktuell. Es hängt aber nicht immer alles automatisch mit dem Klimawandel zusammen.“

Wie muss die Politik dem Klimawandel aus Ihrer Sicht begegnen?

Sedlmeir: „Da könnten wir drei Tage diskutieren. Klimaschutz muss sehr wohl stattfinden, aber mit Maß. Es kann nicht sein, dass bei Endverbrauchern der Strom abgestellt wird, weil sie ihre Stromrechnungen nicht mehr bezahlen können. Ich habe selbst auch mal meine Energie­rechnungen von 2005 und jetzt verglichen; damals habe ich 60 Euro bezahlt, jetzt 109 Euro. Das Problem ist auch, dass der Klimawandel viele große Nationen gar nicht interessiert.“

Wo sollte Deutschland also ansetzen?

Sedlmeir: „Zunächst müssen Alternativen wie Stromtrassen geschaffen werden. Vorher kann ich keine bestehenden Strukturen zerstören. Wenn ich wochenlang keinen Wind und keine Sonne haben sollte, wo bring ich dann den Strom her? Dann kaufe ich nämlich teuren Atomstrom. Entweder müssen wir ganz ökologisch denken und handeln oder gar nicht.“

Was wäre Ihre Lösung für die Mobilität der Zukunft?

Sedlmeir: „Es wird ganz klar in Richtung Elektrofahrzeug gehen, der Verbrenner wird aussterben. Man kann sich dem Strukturwandel nicht verschließen. Aber wie in Afrika und Südamerika unter widrigsten Umständen Rohstoffe für die Produktion der E-Fahrzeuge bzw. die Herstellung der E-Auto-Batterien abgebaut werden, ist eine Sauerei. Auch über die Reichweiten kann man streiten. Und in unserer Region sind die Strukturen längst nicht ausreichend ausgebaut, dass jeder sein E-Auto laden könnte.“

Sie würden sich also aktuell kein E-Auto zulegen?

Sedlmeir: „Ich verschließe mich nicht vor der E-Mobilität. Wenn die Strukturen stehen, spricht nichts dagegen. Fossile Brennstoffe werden uns nicht mehr ewig zur Verfügung stehen, von daher muss sich etwas tun. Aber es muss halt auch bezahlbar sein.“

„Bezahlbar“ ist ein gutes Stichwort, um auf das Thema Corona zu sprechen zu kommen. Wie soll der durch die Pandemie entstandene Schuldenberg in den kommenden Jahrzehnten abgetragen werden?

Sedlmeir: „Das ist ein wirklich heikles Thema, da habe ich persönlich auf die Schnelle noch keine passable Antwort. Der schlimmste Weg wäre aber, sofort an Steuererhöhungen zu denken. Die Bürger sind jetzt schon schwer belastet. Das vorhandene Geld muss primär für den eigenen Bürger eingesetzt werden und nicht fleißig im Ausland verteilt werden.“

Wie meinen Sie das?

Sedlmeir: „Warum sind zum Beispiel Familienangehörige in der Türkei von in Deutschland lebenden Türken bei unseren Krankenkassen mitversichert? Wenn jemand in der Türkei zum Arzt geht, wird das bei unserer Krankenkasse abgerechnet. Warum wird da nicht entschieden was dagegen getan? Oder warum werden Rentengelder falsch eingesetzt? Dass jemand sein ganzes Leben arbeitet und dann langt‘s zum Schluss nicht, darf es nicht geben. Hier hat die Regierung versagt.“

Lassen Sie uns bei Corona bleiben. Wie stehen Sie zum Impfen?

Sedlmeir: „Impfen ist ein sehr schwieriges Thema. Ich bin aus gutem Grund nicht geimpft, denn ich bin gesund und habe leider schon massive Impfschäden in der Familie erlebt. Aber letztendlich ist jeder für seinen Körper selbst verantwortlich und muss die Entscheidung eigenständig treffen. Einen Impfzwang darf es nicht geben.“

Die AfD hat in den letzten Monaten häufig mit Querdenkern sympathisiert. Welche Note geben Sie persönlich der Regierung für ihre Coronapolitik?

Sedlmeir: „Ganz klar Note sechs. Noch einen Lockdown darf´s nicht geben. Der Mensch ist ein Individuum, das nicht allein sein darf. Wir brauchen Geselligkeit und Freunde. Da macht man viel kaputt, wenn man sich nicht treffen darf. Auch die Regel­unterschiede zwischen den Ländern waren ein Problem, da blicken die Leut´nicht mehr durch.“

Das dürfte mit 3G aber einfacher werden.

Sedlmeir: „Ich finde auch die 3G-Regel nicht in Ordnung. Und 2G geht erst recht nicht, denn da wird ein indirekter Impfzwang ausgeübt.“

...oder aber mehr öffentliches Leben bei gleichzeitig möglichst gutem Gesundheitsschutz ermöglicht und ein weiterer Lockdown erspart. Aber lassen Sie uns zum nächsten Thema gehen: Afghanistan. Was ist Ihre Meinung dazu?

Sedlmeir: „Wenn es noch schlechter als Note sechs ginge, würde ich für unsere Regierung hier eine Sieben vergeben. Jetzt haben wir 20 Jahre umeinander gedoktert und Milliarden von Euro reingepulvert. 59 deutsche Soldaten sind da unten gefallen. Jeder Krieg ist furchtbar und umsonst, wie uns die Geschichte schmerzhaft gezeigt hat – dieser auch.“

Wo lag der Fehler?

Sedlmeir: „Den rund 70.000 Taliban standen rund 300.000 teils von der deutschen Bundeswehr ausgebildete, afghanische Soldaten gegenüber. Und trotz der Überzahl schmeißen die sofort alles weg. Das ist eine Riesensauerei von denen. Entweder waren die gar nicht so unzufrieden mit den Taliban, was aber nur eine Vermutung ist, oder der Respekt vor den Taliban war zu groß – vor der Grausamkeit und davor, dass ihre Frauen geknechtet werden und nicht mehr an der Bildung teilhaben dürfen. Was nun überhaupt nicht geht, ist, dass die Bundesregierung mit diesen Mördern und Verbrechern redet.“

Zuvor wurden bereits einige Flüchtlinge ausgeflogen, auch zu uns nach Deutschland.

Sedlmeir: „Die Chinesen nutzen die wirtschaftlichen Vorteile, die sich durch Afghanistan ergeben, und wir bekommen die Flüchtlinge.“

Viele von ihnen wären vermutlich auch lieber in ihrer Heimat geblieben, wenn es denn möglich wäre.

Sedlmeir: „Es gibt sichere Drittländer, es muss nicht alles nach Deutschland kommen. Es gibt einige muslimische Länder, die haben den gleichen Glauben. Warum nehmen diese Länder die Leute nicht auf? Eine Wirtschaftsmacht wie Deutschland kann das auf Dauer nicht stemmen.“

Unsere Wirtschaft profitiert aber auch von der Zuwanderung, das bestätigen zahlreiche Unternehmen. Viele Flüchtlinge sind in Deutschland gut integriert, haben einen Job und sprechen prima Deutsch.

Sedlmeir: „Wenn sie schon da sind und sich an die Sitten und Bräuche halten und Steuern zahlen, dann hat keiner was dagegen. Aber wer zum Stänkern anfängt, muss halt mit Konsequenzen rechnen. Die Entwicklung in unserer Gesellschaft finde ich absolut negativ, auch was den Respekt gegenüber der Polizei und anderen Einsatzkräften angeht.“

Auch bei Kundgebungen oder beim Wahlkampf Ihrer Partei ist das Aufgebot meist groß. Was haben die Leute gegen die AfD?

Sedlmeir: „Das weiß ich nicht. An den Infoständen führe ich viele gute Gespräche, auch kritische. Massiv angegangen worden bin ich dort bisher nicht. Wo das zuletzt nicht gelungen ist, war bei einer Kundgebung in Memmingen, wo ich bei meiner Rede mit ‚Halt dein Maul‘ und ‚blöder Nazi‘ beleidigt wurde. Aber wenn hier einer kein Nazi ist, dann bin es ich.“

Wie rechts ist die AfD in der Region?

Sedlmeir: „Gar nicht. Die Leute, die ich im Kreisverband kenne, sind alle Patrioten für ihr Vaterland. Aber Patrioten sind keine Nazis. Es gibt in jeder Partei gute und schlechte Menschen. Die Maskenaffäre bei der CSU war auch nicht schön.“

Letzter Punkt: Wofür wollen Sie sich in Ihrem Wahlkreis besonders einsetzen?

Sedlmeir: „Ab 1989 wurde das Warnsystem bei uns systematisch abgebaut und der Katastrophenschutz zurückgefahren. Dabei kann die Bevölkerung in Ausnahmesituationen nur über Sirenen schnell gewarnt werden, das haben wir jetzt im Ahrtal gesehen. Dass wir großen Nachholbedarf haben, hat auch der bundesweite Warntag im letzten Jahr gezeigt, der voll in die Hose gegangen ist. Ich habe nun beim Landrats­amt Unterallgäu und bei der Stadt Mindelheim Anträge für die Installation von Sirenen gestellt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe fördert den Auf-und Ausbau neuer Sirenen und die Ertüchtigung vorhandener Sirenen in den nächsten zwei Jahren mit 88 Millionen Euro. Diese Gelegenheit darf nicht verspielt, oder vertrödelt werden. Das Landrats­amt hat mir schon geantwortet und will in diese Richtung gehen.“

Danke für das Gespräch.

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