Bayerns Stimme aus dem Allgäu

Der Pfrontener Johannes Hitzelberger spricht über seinen Job beim Bayerischen Rundfunk

Moderator Johannes Hitzelberger
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Die Allgäuer Stimme für Bayern: Johannes Hitzelberger aus Pfronten moderiert in allen Programmen des Bayerischen Rundfunks.
  • Lutz Bäucker
    VonLutz Bäucker
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Pfronten - Johannes Hitzelberger ist Sprecher und Moderator beim „Bayerischen Rundfunk“. Im Kreisboten spricht er über seine Arbeit.

Er ist eine seltene Spezies, der 54-Jährige aus dem Ostallgäu. Johannes Hitzelberger gehört zu den wenigen Sprechern und Moderatoren des „Bayerischen Rundfunks“, die ihren Ursprung im schwäbischen Dialekt haben und trotzdem fast immer und überall zu hören sind. Von den BR Nachrichten über die Klassik bis hin zur Volksmusik – Johannes Hitzelberger spricht und moderiert alles. Neuerdings gehört er im Programm „BR Heimat“ auch zur Riege derer, die den Radio-Talk „Habe die Ehre“ präsentieren: zwei Stunden lang unterhält er sich mit spannenden Menschen.

Moderator statt Lehrer

„Eigentlich wollte ich Lehrer werden“, lächelt Hitzelberger, „Französisch und Latein.“ Dann entdeckte der gebürtige Pfrontener an der Uni einen Aushang: „Sprecher gesucht!“ Nehmt mich, dachte er sich damals, vor 30 Jahren, und sprach im Münchner Funkhaus vor: „Von 600 Bewerber*innen sind acht genommen worden. Ich war dabei!“, freut er sich noch heute.

Reiner Zufall, meint er bescheiden. Wer heute seine Stimme hört, weiß es besser: Hitzelbergers sonore Bassstimme mit dem kaum hörbaren schwäbischen Einschlag passt einfach ins Radio. „Das war mein Traum“, erzählt er, „im Radio sprechen.“ Er liebt es, Texte zu gestalten, Literatur und Gedichte zu interpretieren, kleine akustische Kunstwerke zu modellieren. Die besten Ausbilder waren ihm gerade gut genug, um an seiner Stimme zu feilen und ihr den ganz eigenen Ausdruck zu geben.

Hitzelberger hat künstlerischen Anspruch

„Ich habe jenseits des neutralen Nachrichtensprechens immer auch einen künstlerischen Anspruch“, betont Hitzelberger. „Vielleicht deshalb , weil ich für eine Karriere als Schauspieler nicht mutig genug war, aber trotzdem dem Publikum etwas geben möchte.“ Er macht aus dem „Kalenderblatt“(Bayern 2) ebenso einen Hin-Hörer wie jahrelang aus dem fiktiven schwäbischen Ehemann Schrägle von Conny Glogger auf Bayern 1. Und auch das Fernsehen mag nicht auf den Bass aus Pfronten verzichten. So ist er als Off-Sprecher die Stimme von „Report München“, „Schwaben und Altbayern“ und vielen anderen Fernsehsendungen.

Passionierter Musiker

Doch er sitzt nicht nur im Studio vor dem Mikrofon. Als passionierter Gitarren-und Geigenspieler ist Hitzelberger auf vielen Bühnen im Ostallgäu unterwegs. Mit seinem Jugendfreund Alex Sauerwein verkörpert der gebürtige Ostallgäuer seit 40 Jahren die „Pfrontener Stubenmusi“, präsentiert Volksmusikveranstaltungen im Allgäu.

Im ersten Corona-Sommer 2020 rockte er zusammen mit Maxi Schafroth drei Tage lang eine Allgäuer Wiese. „Maxi hatte die Idee, mich als Moderator für sein Open-air-Kabarettprogramm zu engagieren – es war grandios!“ Hunderte von Besuchern standen in ihren Autos auf Schafroths Wiese und hupten vor Begeisterung: „Ich liebe es, nah an den Menschen dran sein zu können, ihre Reaktion unmittelbar zu erleben.“

Wenn wir beide dann ins Ratschen kommen, ist die Sendung genau so, wie ich sie mir vorstelle

Johannes Hitzelberger, BR-Moderator

Für seine Rundfunkmoderationen hat sich Hitzelberger das Motto „Radio – das ist hier und jetzt!“ zu eigen gemacht. Deshalb macht er sich zwar einen groben Fahrplan für den Radio-Ratsch auf BR Heimat, aber nie ein penibel ausformuliertes Manuskript: „Wenn du mit einem Studiogast plauderst, musst du spontan sein, Freiräume nutzen, auf den Gesprächspartner eingehen. Wenn wir beide dann ins Ratschen kommen, ist die Sendung genau so, wie ich sie mir vorstelle.“

Heimat Allgäu

Geratscht hat Hitzelberger zum Beispiel schon mit Prinz Ludwig von Bayern, dem künftigen Chef des Hauses Wittelsbach. Und am kommenden Freitag, 2. Juli, nimmt er sich zwei Stunden Zeit, um mit Ralph Kilian zu plaudern: „Ein Handwerker, der vor kurzem mit seinem Lastenfahrrad 1100 Kilometer von München nach Sylt geradelt ist – um zu demonstrieren, was alles ohne Auto geht.“ Da dürfte es einiges zu besprechen geben.

Die tägliche Abwechslung macht seinen Beruf so attraktiv, dass Hitzelberger gern zwischen seinem Domizil in Füssen und dem Arbeitsplatz in München pendelt. Zwischen Großstadt und wunderbarer Landschaft unterwegs sein zu dürfen empfindet er als Privileg. Als Heimat ist das Allgäu aber für ihn alternativlos: „Die Natur, die Berge und Seen, einfach herrlich,“ schwärmt der Musiker und Moderator. Alat- und Alpsee sind seine Favoriten. Und die Ostler-Hütte am Breitenberg zieht ihn regelmäßig aus dem Alltag nach oben.

Auf die Stimme achten

Seine Stimme ist sein ganzes Kapital, dessen ist er sich bewusst: „Ich bin immer gut zu meiner Stimme“, grinst er, „keine Exzesse beim Feiern, keine Grölerei im Fußballstadion.“ Mit Atem- und Sprechtechnik hält er sie in Form. Bonbons, Salbeitee oder dicke Schals hat Johannes Hitzelberger noch nie benötigt. So klingen seine beiden „Pfrontanar“ Lieblingsausdrücke besonders schön in den Ohren unseres Reporters: der tiefe „Bolledörre“ ist der eine, das samtene „es fluigelet“ der andere.

Info: Johannes Hitzelberger moderiert am morgigen Freitag, 2.Juli, von 10.05 Uhr bis 12 Uhr auf „BR Heimat“ die Talksendung „Habe die Ehre“. Zu Gast ist Lastenrad-Extremfahrer Ralph Kilian.

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