Salvatoranstich: Kabarettisten nehmen Bürgermeister Iacob und die Stadtverwaltung aufs Korn

Schmids Handlanger und die rechte Hand

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„Friseur“ Wofgang Dzierzon rasiert Michael Jakob.

Füssen – Starkbier garniert mit ein paar deftigen Sprüchen: Am Aschermittwoch hat das Hotel Hirsch zum Salvatoranstich geladen. Vor vollem Haus zogen hier unter anderem Magnus Peresson, Michael Jakob und Wolfgang Dierzon beim Kabarett „Füssner G´schichten beim Frisör – Stadtführung“ vom Leder.

Egal ob der Personalschwund im Stadtrat oder Hubert Schmid´sche Einheitsbauten – die Kabarettisten nahmen kein Blatt vor den Mund. Vor allem Bürgermeister Paul Iacob bekam dabei sein Fett ab.

Während andere Gemeinden ihren Starkbieranstich wegen des Zugunglücks in Bad Aibling abgesagt hatten, hielt man im Hotel Hirsch am geplanten Programm fest. „Es passiert nix weniger, wenn wirs it machet“, erklärt Michael Jakob. Deshalb „sorgen wir für ein paar Stündle Spaß.“ So ziehen Peresson, Iacob, und Angie Kurz, die für ihren erkrankten Mann Roland eingesprungen ist, in Wanderhosen, Socken in Sandalen und Safariwesten hinter ihrem „zentrifugierten“ Stadtführer Reinhold Kahle her.

 Bei einem Zwischenstopp beim Frisör (Wolfgang Dzierzon) informieren sie sich über das Geschehen in der Stadt. Denn „ich bin besser als Brockhaus, Wikipedia und Kreisbote zusammen.“ Dabei stellt er klar: 2015 stand im Zeichen des Abschieds. Kämmerer Helmut Schuster ging in den Ruhestand. „Des war scho hart, Mann“, so Peresson. Denn Schusters Nachfolgerin Sandra Hartmann hat es nicht lange ausgehalten. „Vierzig Däg wa se in der Kämmerei“, so Peresson. „Die hot do halt so allerhand gseache“, meint Jakob. Deshalb sei sie zu dem Schluss gekommen: „Lieber a schneller Schnitt als ein Siechtum bis zur Verrentung.“

Denn in der Stadtverwaltung herrscht nicht immer eitler Sonnenschein. „Den Meßthaler, den hamm se aut gebörnt“, so Peresson. „Der Ernstl ist richtig fertig“, so Jakob. Weiter darauf eingehen muss aber Peresson, denn der hat es laut Jakob „do oba sowieso schon verschissen“. Dieser stellt klar „die durch den Bürgermeister und seine rechte Hand ausgeübte psychische Belastung“ der Verwaltung führe bei manchen zu einer „Zerrüttung der Psyche“.

Doch nicht nur in der Stadtverwaltung schwinden die Leute: „Der Stadtrat hot in bloß zwoa Monat drei Stadträte verloare.“ Wenn man das weiter spinnt: „In acht Monat mal drei sind alle 24 Stadträte weg. In zwölf Monat mieß ma mer 24 nachfülle. Damit wir wieder voll sind“, rechnet Jakob vor. Allerdings: „Was helfet neue Rädla, wenn der Karre der gleiche bleibt?“ Zumal der Lenker auch nur mit Automatik fahren könne? Das könne nur in der Ambulanz enden, sind sich die drei sicher.

Gleicher als gleich 

Bis es soweit ist parkt der Hauptamtsleiter im absoluten Halteverbot am Manusplatz. „Da tät der Iacob garnix tun, weil er des weiß. Der mueß o it ins G´fängnis“, erklärt Peresson. Denn obwohl in einer Demokratie vor dem Gesetz alle gleich sind: „Der Rist isch a bißle gleicher“, so Jakob. Da wird auch nicht aufs Alter geachtet. Deshalb dürfe der Pfarrer Drosihn nicht im Halteverbot parken. Den Ort des Geschehens müssen die drei auch gleich besichtigen. Doch „der ist seit dem Jahr 1700 eine Baustelle“, erklärt der Stadtführer. „Die Stadt hat kein Geld für den Platz.“ Schließlich werde 350.000 Euro für den Skaterplatz im Weidach benötigt.

Weitere Nachfragen bei der Tourist Information sind aber nicht möglich – Funkloch. „Der Sendemast mueß aufm Galgenbichl sein, weil darunter die ganzen Schulen sind“, erklärt Peresson. „Des hoaßt, es gibt nirgendwo im ganze Ländle a höhere Konzentration von Handys.“ Deswegen sei in der Pause der Luftraum „dermaßen versimst, dass do draus sogar die Navis ausfalle“, erklärt Jakob. Deshalb landen die Chinesen mit ihren Bussen auch alle am Brotmarkt.

Die Reisebusse sind in Füssen eh ein Problem, schwadronieren die drei. Vor allem am Luitpoldpark. Dessen neuer Direktor Hartmut Heinz kann der Iacob „so guet leide wie den Schmutz Kasi oder den Harald Vauk.“ „Wenn der Name Vauk fallt, flippt Iacob aus“, so Peresson. „Stadträte mit Hirn vermeiden Wörter, die mit am ,V´ anfangen“, erklärt Jakob.

 Der Heinz sei jedoch ein ganz Harter. Der habe zum Bürgermeister gesagt,„wenn ich für Sie ein Oligarchenknecht bin, dann sind Sie für mich Hubert Schmids Handlanger“, so Peresson, der dafür Applaus aus dem Publikum erntet. Er setzt noch eins drauf: Die Frau vom Heinz, „die hot Städtebau studiert und Jura. Des hoaßt, die kennt si aus.“ Wenn sie Depression habe, lege Heinz ihr einfach „den Bebauungsplan ,W43-Bahnhof und Umgriff´ auf´n Tisch und dann kummt die guede Frau a gschlagene Stund lang aus´m Lache nimma raus.“

Jetzt sei ja aber der Durchstich vom Tisch. Nach einer göttlichen Eingebung habe Iacob gesagt: „Freunde, den Durchstich brauchen wir gar nicht. Hob i immer scho gwißt aber nie gesagt.“ Aber auch der Bahnhof sei laut den dreien ein einziger „Bluff“. „Dass der Bahnhof a Bahnhof ist, des glaubt bloß no uener, nämlich der Iacob. Und vielleicht no a paar Hansl von der SPD“, so Peresson. In Wirklichkeit sei das „3000 Quadratmeter Geschäftsfläche in bester Geschäftslage. Und davon sind 30 Quadratmeter des was ,Bahnhof´sei könnt, wenn man an an Bahnhof denkt“, erklärt Jakob.

Rinke statt Iacob

Zudem gebe es bei den neuen Reihenhäusern in der Glücksstraße einiges auszusetzen. „Wißt´s ihr, was d´Leit zu dem Block saged? Hubert Schmids Käfighaltung“, so Peresson. Laut Stammtisch wolle das Bauunternehmen das Gleiche auf der Guggemoos-Wiese machen. „Do gibt’s jetzt an richtigen Wettbewerb und a richtige Jury und a richtige Auslobung “ und am Ende baut Schmid das „ganz a so wie er allad baut“, resümiert Jakob. „Eine in Beton gegossene Langeweile.“ Da wäre man doch mit Stefan Rinke als Bürgermeister besser dran. „Weil der Rinke a richtiger Jurist isch, könnten wir uns unseren Mentoring-Rist spare. Also dem Iacob mitgebe“, schlug Peresson vor.

Doch auf den Tausch werden sich die Schwangauer wohl nicht einlassen, meint Jakob. „Die täten sich ja selber bescheiße.“ Im Hotel Hirsch konnte Rinke trotzdem schon einmal seine Fertigkeiten unter Beweis stellen. Souverän schlug der Rathauschef das Bierfass an. Das hatte er ein paar Stunden zuvor schon beim Starkbieranstich im Schwangauer Gasthof Schneiderhanser geprobt.

Katharina Knoll

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