Starke Kontrollen zeigen Wirkung

Kriminalitätsstatistik: Füssener Polizei verzeichnet 16 Prozent mehr Straftaten

+
Die Schleierfahndung und die Bundespolizei kontrollieren mittlerweile täglich in und um Füssen, was sich auch in der Kriminalitätsstatistik 2017 der Polizeiinspektion Füssen und der Polizeidienststelle Pfronten bemerkbar macht.

Füssen – „Unser Betriebsergebnis kann sich sehen lassen“, freute sich Edmund Martin, Leiter der Pollizeiinspektion (PI) Füssen, als er am Freitag die Kriminalitätsstatistik 2017 der PI Füssen und der Polizeidienststelle (PSt) Pfronten vorstellte.

Zwar verzeichnet die PI Füssen mit 18 Prozent mehr Straftaten im Vergleich zu 2017 eine starke Zunahme, doch das relativiere sich wieder, wenn man sich die Zahlen genauer anschaue, erklärte Martin. Und mit einer Aufklärungsquote von 74,8 Prozent fahren die PI und PSt ein „sehr gutes“ Ergebnis ein, so Wolfgang Hein, Stationsleiter Pfronten. 

Das liege über dem Durchschnitt im Polizeipräsidium Schwaben/Süd-West. Ausländer, die beispielsweise illegal nach Deutschland reisen oder hier länger bleiben als sie dürfen, verhageln vor allem der PI Füssen die Statistik. Während nach dem starken Flüchtlingsstrom 2015 die Zahl der Straftaten in diesem Bereich von 190 auf 123 im Jahr 2016 sank, stieg sie 2017 rasant auf 364 an. Der Grund: Mehr ausländerrechtliche Bestimmungen und strafrechtliche Nebengesetze und verschärfte Grenzkontrollen, erklärte Martin. Die Schleierfahndung kontrolliere mittlerweile jeden Tag. Und auch ein Einsatzzug der Bundespolizei sei inzwischen ständig in Füssen. 

Bei ihren Kontrollen werden die Beamten immer wieder in der Ziegelwies, am Grenztunnel an der A7, am Bahnhof oder an der Haltestelle der Fernbusse am Volksfestplatz fündig. Diese Straftaten werden dem Tatort Füssen zugeschrieben, weil die Täter „hier aufgegriffen werden“, erklärte Martin. Die Folge: 16 Prozent mehr Straftaten im Bereich Füssen und Pfronten im vergangenen Jahr ( 2121 Straftaten in 2017 zu 1828 in 2016).

 Das macht sich auch bei den Tatverdächtigen bemerkbar. 50,4 Prozent der Tatverdächtigen (1129, männlich: 870, weiblich: 259) der PI Füssen kamen nicht aus Deutschland. „Das heißt nicht, dass der Großteil der schweren Körperverletzungen von Ausländer begangen wird“, erklärte Martin. Denn bestimmte Delikte, wie ein Verstoß gegen das Ausländerrecht, können nun mal nur Ausländer begehen, fügte Hein hinzu. 

Das sieht man bereits in den Zahlen der PSt Pfronten. Dort sind nur 25,6 Prozent der Tatverdächtigen (223, männlich: 177, weiblich: 46) keine deutschen Staatsbürger. „Bei uns fallen die Grenzkontrollen nicht so ins Gewicht“, erklärte Hein. Die Delikte liegen hier eher queerbeet. Was sich auch bei der Aufklärungsquote bemerkbar macht. Denn bei bestimmten Delikten wie Drogen seien die Taten sofort aufgeklärt, während beispielsweise bei Einbrüchen die Tatverdächtigen erst ermittelt werden müssten. 

So liegt die PSt Pfronten mit 64, 6 Prozent (2016: 66,7 Prozent) bei der Aufklärungsquote deutlich hinter der PI Füssen mit 77,2 Prozent (2016: 69,5 Prozent). Zusammen fahren sie aber mit 74,8 Prozent (2016: 69 Prozent) eine laut Hein „sehr, sehr gute Aufklärungsquote“ ein, die über dem präsidiumsweiten (72,1 Prozent) und bayernweiten (66,8 Prozent) Durchschnitt liegt. 

Weniger Einbrüche in Wohnungen 

Gar die Hälfte ihrer zehn Wohnungseinbruchsdiebstähle hat die PI Füssen im vergangenen Jahr aufgeklärt. 2016 verzeichneten die Füssener Beamte noch 24. Damals hatte es die PI Füssen aber auch mit einer gewerbsmäßigen Einbrecherbande aus Osteuropa zu tun, erklärte der Polizeichef. „Wenn die auftreten, gibt es eine größere Anzahl von Einbrüchen“, fügte der Ermittlungsbeamte Hansjörg Schneidberger hinzu. 2017 gab es dagegen nur vereinzelte Einbrüche. „Ein fast zu gutes Ergebnis“, urteilte Martin. „Wir waren erstaunt.“ 

Denn in der Vergangenheit verzeichnete das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West die höchste Zunahme an Wohnungseinbruchsdiebstählen in Bayern, weshalb im Oktober 2017 die Sonderkommission (SoKo) Wohnungseinbruch ins Leben gerufen hat. Informationsveranstaltungen für Bürger und die Flyer-Aktion „Ruf die 110“ folgten. Das macht sich jetzt offenbar bemerkbar. „Der Bürger ist sensibler geworden“, so Martin. So hat die PSt Pfronten fünf Wohnungseinbruchsdiebstähle (2016: 0) verzeichnet, die Hein hauptsächlich örtlichen Tätergruppen zurechnet.

 Bei mindestens zwei ging es um Schäden an Türen, die „vorher nicht da waren“, erklärte Hein. Bereits das werde als versuchter Einbruch gewertet. „50 Prozent der Einbrüche enden im Versuchsstadium.“ Denn diese müssten schnell gehen. Drei bis fünf Minuten bräuchten die Täter durchschnittlich dafür. Aufgerüstete Fenster und Türen schrecken da ab, erklärten die Beamten. Ein gekipptes Fenster sei dagegen „die Einladung an einen Einbrecher per se“, so Hein. 

Ist diese Hürde erst einmal überwunden, wüssten vor allem osteuropäische Banden genau, wo sie suchen müssen. Da werde zuerst ins Bade- und Schlafzimmer geschaut, weil dort hauptsächlich der Schmuck liege. Weiter geht es dann meist in der Küche, wo oft der Geldbeutel abgelegt wird und die Haushaltskasse wartet. Eine Rolle bei der Auswahl der Häuser spielen aber auch die Fluchtmöglichkeiten. Da werde geguckt, welche Häuser in der Nähe von Bundesstraßen oder einer Autobahnausfahrt liegen, so Martin. 

Sicherheitsgefühl der Bürger stärken 

Um präventiv gegen Einbrüche vorzugehen, habe die Polizei in Füssen und Pfronten im vergangenen Jahr „auffallend viel kontrolliert“, erklärte Martin. Und das will der Füssener Polizeichef auch weiterhin tun. Durch ganzheitliche Polizeikontrollen und stärkere Präsenz im öffentlichen Raum soll das Sicherheitsgefühl der Bürger gestärkt werden. „Das ist mir sehr wichtig“, meinte Martin. Außerdem sollen die Bürger durch Präventivarbeit weiterhin sensibilisiert werden, gerade auch beim Thema Wohnungseinbrüche. Daneben setzt Martin auf bürgernahe Polizeiarbeit. „Es kommen gute Hinweise (aus der Bevölkerung – Anmerk. d. Red.). Das ist deutlich besser geworden.“


Die Statistik:

• Gewaltkriminalität: 51 Delikte (2016: 62). Füssen: 45 Delikte (2016: 52), Pfronten: 6 Delikte (2016: 10) 

• Gefährliche Körperverletzung: 47 (57) 

Raub: 2 (2016: 3) 

Mord/Totschlag: 1 (Füssener Fußgängerzone im Dezember) Widerstand: 1 (2016: 4) 

Sexualstraftaten: 23 (2016: 18) 

• Straßenkriminalität: 261 Delikte (2016: 268); Füssen: 209 Delikte (2016: 212), Pfronten: 52 Delikte (2016: 56) 

• Rauschgiftdelikte: 114 Delikte (2016: 153); Füssen: 94 Delikte (2016: 110) davon 45 Cannabisdelikte, Pfronten: 50 Delikte (2016: 43) davon 27 Cannabisdelikte 

• Diebstahl: 

einfacher Diebstahl: 350 Straftaten (2016: 380); Füssen: 268 Straftaten (2016: 297), Pfronten: 82 Straftaten (2016: 83). Hauptrückgang im Bereich der Ladendiebstähle

besonders schwerer Diebstahl (Täter müssen eine Sicherung überwinden): 136 Straftaten (2016: 172); Füssen: 95 Straftaten (2016: 125), Pfronten: 33 Straftaten (2016: 13) 

• Betrugs-, Vermögens-, Fälschungsdelikte: 231 Delikte (2016: 212); Füssen: 175 Delikte (2016: 153), Pfronten: 56 Delikte (2016: 60) 

• Brandstiftung: Füssen: 10 (2016: 10), Pfronten: 3 (2016: 1) 

„Am sichersten ist Seeg“, erklärte Füssens Polizeichef Edmund Martin. Mit einer Kriminalitäts-Häufungsziffer (KHZ) von 1.154 (gerechnet auf 100.000 Einwohner ohne Touristen) liegt Seeg vor dem bisherigen Spitzenreiter Rückholz (KHZ von 1618). „Würden wir in Seeg wahnsinnig viel kontrollieren, würde das anders ausschauen“, meinte jedoch Martin. Das Schlusslicht bildet hier Füssen (KHZ von 8726).

Auch interessant

Meistgelesen

Füssener Grenztunnel wird gesperrt
Füssener Grenztunnel wird gesperrt
Mit einem ganz besonderen Almabtrieb in Oy-Mittelberg endet die Sommer-Saison
Mit einem ganz besonderen Almabtrieb in Oy-Mittelberg endet die Sommer-Saison
Zügig hinunter ins Nesselwanger Tal
Zügig hinunter ins Nesselwanger Tal
Der einzige Viehmarkt im Allgäu
Der einzige Viehmarkt im Allgäu

Kommentare