Architekturforum Allgäu kritisiert Intransparenz beim Bahnhofsneubau

"Es rumort"

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Vom historischen Bahnhof ist nichts mehr übrig geblieben. Das Architekturforum Allgäu kritisiert jetzt das Vorgehen der Verantwortlichen

Füssen/Kempten – „Randnotiz“ nennt das Architekturforum Allgäu bescheiden seine regelmäßigen Stellungnahmen zu einzelnen Bauvorhaben und der Baukultur im Allgäu im Allgemeinen.

Doch so zurückhaltend der Titel ist, so deutlich sind oftmals die inhaltlichen Aussagen des Architektenvereins. So kritisiert der Verein in einer seiner jüngsten Publikationen fehlende Transparenz und Beteiligung der Bürger bei bestimmten umstrittenen Bauprojekten – eines davon ist aus Sicht des Forums der Füssener Bahnhof. 

In der „randnotiz. 15“ vom 29. April heißt es unter anderem, dass manche Planungen von den Verantwortlichen mittlerweile monate- oder gar jahrelang unter Verschluss gehalten und einsame Entscheidungen hinter verschlossenen Türen getroffen würden. Der Schritt an die Öffentlichkeit geschehe meist erst dann, „wenn es gar nicht mehr anders geht.“ 

Das führe im gesamten Allgäu zu Unzufriedenheit unter der Bevölkerung. „Es rumort“, ist sich der Verein sicher. „Dabei sollte eine Taktik des 'vollendete-Tatsachen-Schaffens' und des 'jetzt-nicht-mehr-Zurückkönnens' spätestens seit den Ereignissen um Stuttgart 21 in einer lebendigen Demokratie keinen Platz mehr haben.“ Im Allgäu scheine diese Botschaft allerdings noch nicht überall angekommen zu sein. 

"Konsternierte Öffentlichkeit" 

Als eines von vier Beispielen im Allgäu für dieses Vorgehen wird in der „randnotiz. 15“ der Neubau des Füssener Bahnhofs aufgeführt. Über Kubatur und Gestaltung des „ortsbildprägendes Gebäudes“ seien die Fraktionen im Füssener Stadtrat erst vier Tage vor der Entscheidung über den Bauantrag der Firma Hubert Schmid informiert worden, heißt es dort. 

„Die konsternierte Öffentlichkeit reagierte mit der zwangsläufig verspäteten Gründung einer Bürgerinitiative zum Erhalt des ehemaligen Prinzregenten-Bahnhofs, zudem wurden gleich drei Bürgerbegehren zum außer Acht gelassenen Bahnhofsumfeld eingereicht“, schreiben die Architekten. 

Der Rest ist bekannt: Der Stadtrat vertagte im Dezember seine Entscheidung und gründete zunächst einen Arbeitskreis, um eine Änderung der Fassade zu erreichen (der Kreisbote berichtete mehrfach). Einen „strukturellen Einfluss“ auf das Baugeschehen habe das Gremium auch dadurch jedoch nicht mehr nehmen können, bemängelt das Allgäuer Architekturforum. 

Neben dem Neubau des Füssener Bahnhofs führt das Architekturforum als weitere Beispiele für Intransparenz und fehlende Bürgerbeteiligung das Vorgehen der Verantwortlichen beim geplanten Neubau des Hauptverwaltungsgebäudes der Sparkasse Allgäu in Kempten, der an einem Ratsbegehren gescheiterte Bau des „Alpseehotels“ in Immenstadt sowie der ebenfalls nach einem öffentlichen Aufschrei gestoppte Bau eines neuen Hauptverwaltungsgebäudes der Raiffeisenbank in Sonthofen (Oberallgäu) an.

kb/mm

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