Grenzregionen fürchten Lockdown

Deutsche und Österreicher diskutieren in Jungholz, wie die Grenzen offen gehalten werden können

Bürgermeister Andi Haid (v.l., Mittelberg), Bernhard Joachim von der Allgäu GmbH, Florian Phleps, Geschäftsführer der Tirol Werbung, die Tiroler Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann und der Vorarlberger Landesrat Christian Gantner
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Im Rahmen der „Plattform Kleinwalsertal“ über praktikable Lösungen für den kommenden Herbst und Winter und deren Herausforderungen diskutieren Bürgermeister Andi Haid (v.l., Mittelberg), Bernhard Joachim von der Allgäu GmbH, Florian Phleps, Geschäftsführer der Tirol Werbung, die Tiroler Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann und der Vorarlberger Landesrat Christian Gantner in Jungholz.

Allgäu - Ein Lockdown wie im Frühjahr 2020 darf sich nicht wiederholen, darin waren sich die Teilnehmer beim Treffen „Plattform Kleinwalsertal“ einig.

Die „Plattform Kleinwalsertal“ wurde im Herbst 2020 zum Zweck der vertieften Kommunikation und Kooperation in Krisenzeiten gegründet. Hintergrund war die wochenlange Quarantänesituation im Zuge des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020. Die damalige Situation hat verdeutlicht, dass durch die besondere Lage des Tals besondere Kommunikationswege mit den deutschen Partnern nötig sind. Die damalige Grenzschließung hatte das Tal, das touristisch von Deutschland abhängig ist, eiskalt erwischt. Dass sich eine solche Situation auf gar keinen Fall wiederholen darf, darin waren sich alle Teilnehmer eines grenzübergreifenden Treffens in der vergangenen Woche einig.

Die Vertreter der beteiligten Plattform-Partner mit dem Vorarlberg, den Gemeinden Mittelberg und Jungholz auf österreichischer und dem Landkreis Oberallgäu auf bayerischer Seite, trafen sich vergangene Woche zu einem Meinungsaustausch im Berghotel „Tirol“ in Jungholz.

Im Mittelpunkt stand die „Ist-Situation“ sowie die schnelle, unbürokratische, effektive und grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei einer ähnlichen Situation wie im vergangenen Jahr. Alle Versammelten, unter ihnen auch die Tiroler Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann, der Vorarlberger Landesrat Christian Gantner, Florian Phleps als Geschäftsführer der Tirol Werbung, Joachim Bernhard von der Allgäu GmbH und der Mittelberger Bürgermeister Andi Haid waren sich darüber im Klaren, dass für die Region ein erneuter Lockdown weitreichende wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen wird. „Dieser muss unter allen Umständen verhindert werden!“, war unisono der Tenor der Versammlung.

Viele deutsche Gäste

Karina Konrad als Bürgermeisterin von Jungholz zeigte die Bedeutung des deutschen Marktes und offener Grenzen für das 280-Seelen-Dorf auf: „Der Anteil der österreichischen Gäste macht in Jungholz nicht mal ein Prozent aus. In der abgelaufenen Sommersaison hatten wir wieder 30.000 Übernachtungen und damit fast die Vor-Corona-Zahlen von 32.000 wieder erreicht“, erläuterte sie.

Es stand die Frage im Raum, wie zukünftig in Grenzgebieten mit einer Wiederholung der Situation im vergangenen Jahr umgegangen werden soll. Landtagspräsidentin Ledl-Rossmann hob zunächst die gute Zusammenarbeit und den Austausch durch die Plattform hervor und plädierte dafür, dass die Auslastung der Intensivbetten in den Krankenhäusern mit Covid19-Patienten und nicht der Inzidenzwert bei zukünftigen Entscheidungen im Vordergrund stehen sollte. Jedoch machte sie eins klar: „Die Impfung ist der entscheidende Schlüssel gegen einen erneuten Lockdown!“

Appell an Impfmuffel

„Gemeinsame Rahmenbedingungen, Planungssicherheit mit gewissen Eckpunkten und was machen die Nachbarn sind vernünftige Voraussetzungen für praktikable Regelungen“, befand Christian Gartner, Landesrat für Sicherheit in Vorarlberg. Den eindringlichen Appell, die zahlreichen Angebote für Impfungen zu nutzen, eine gehörige Portion Optimismus zu verinnerlichen und viel Überzeugungsarbeit zu leisten, um für Volks- und Wirtschaftsgesundheit die Tür zu öffnen, waren weitere Argumente von Landesrat Gantner.

Auch Joachim Bernhard, Geschäftsführer der Allgäu GmbH aus Kempten, forderte praktikable Regelungen, denn momentan sei nur bis zum 1. Oktober Planungssicherheit gegeben. Er appellierte an die Selbstverantwortung der Menschen, die an den Grenzen nicht halt machen dürfe. Durch grenzüberschreitende Maßnahmen Vertrauen schaffen und die Plattform sozusagen als „therapeutische Selbsthilfegruppe“ seien hierbei ein probates Mittel.

ed

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