"Die Anstrengungen fruchten"

Die Ostallgäuer Behindertenbeauftragte Waltraud Joa (vorne) wird unterstützt von (stehend von links) Martina Mayer, Füssen Tourismus und Marketing, Stefan Horwath, Sparkasse Allgäu, Reiner Schweiger und Ilona Deckwerth von Seniorenbeirat und dem städtischen Bauamtsleiter Armin Angeringer Foto: Friedrich

Bis zur barrierefreien Stadt sei es noch ein langer Weg. Darin waren sich die Referenten mit dem Zuhörerkreis im Füssener Sparkassensaal einig, als es am vergangenen Donnerstagabend um die Frage ging: „Barrierefreiheit: Wie steht es damit in der Stadt?“. Hierzu gibt es auch erfreuliche Nachrichten: „Unsere Anstrengungen in den letzten zehn Jahren fruchten schon“, betonte Waldtraud Joa, als Behindertenbeauftragte im Landkreis Ostallgäu aktiv, und für die Unterstützung durch den Seniorenbeirat und den Beirat für Menschen mit Behinderung dankbar.

Reiner Schweiger, der in Zusammenhang mit dem Regelwerk für Werbung in den Fußgängerzonen die Situation in Straßen und Gassen der Altstadt mit zahlreichen Fotos dokumentierte, berichtete über eine „sehr positive Entwicklung“, aber auch, dass es trotz der persönlichen Gespräche immer noch einige Geschäftsleute gebe, die „keine Einsicht zeigen und mit ihren vor dem Laden aufgestellten Werbetafeln weiterhin Hindernisse“ aufbauten. Zudem zeigte Schweiger Fotos aus Toiletten, die zwar als behindertengerecht gelten, aber durch hier gelagerte sperrige Vorräte für Rolli-Fahrer „einfach nicht zu benutzen sind“. Nicht nur die Stadträte Dr. Hans-Martin Beyer (CSU) vom Behindertenbeirat und Ilona Deckwerth (SPD) vom Seniorenbeirat, die den Abend moderierte, forderten: Dies müsse Konsequenzen für die Verantwortlichen haben. Beide Gremien starteten als Veranstalter mit diesem Abend eine Vortragsreihe, die am Mittwoch, 24. April, 19.30 Uhr in der Füssener Sozialstation (Am Ziegelstadel) fortgesetzt wird und dann Informationen speziell zur „Wohnraumanpassung“ bietet. Als ausgewiesene Expertin wird erneut Renate Dantinger vom Bayerischen Roten Kreuz erwartet, deren Kurzreferat in der Auftakt- veranstaltung „Barrierefreiheit“ Beratung und Förderung in Hinblick auf Umbauten in den Vordergrund gestellt hatte. „Man muss oft eh renovieren und sollte dabei ans Älterwerden denken.“ Immer wieder komme es zur Situation, „dass behinderte Menschen nach akuter Behandlung im Krankenhaus und einer Reha in die eigene Wohnung entlassen werden, die voller Hindernisse für den jetzt auf Mobilitätshilfen angewiesenen Menschen ist. Das gilt nicht nur für Bad und WC“, führte Dantinger ein typisches Beispiel an. 36 Prozent der Betroffenen aber blieben passiv, 34 Prozent möchten ihre Wohnung entsprechend optimieren, 30 Prozent der befragten Senioren wären zu einem Umzug bereit. „Wichtig ist zum Beispiel, ob das Haus einen Aufzug hat - es geht nicht nur ums darin Wohnen.“ Die Chance am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, muss auch allen Menschen mit einem Handicap gegeben sein. „Dies betont ausdrücklich eine UN-Erklärung“, so Waltraud Joa. Sie stellte klar: „Es ist nicht schon barrierefrei, wenn es keine Stufen im öffentlichen Raum gibt.“ Armin Angeringer vom städtischen Bauamt war mit ihr der Meinung, dass „wir weiterhin, zum Beispiel in Kontakt mit den Planern, für das wichtige Thema Barrierefreiheit sensibilisieren sollten.“

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