"Die Enge der Kabine – die Weite der Berge"

Die 18 Eingeschlossenen am Bahnsteig der Bergstation. Weiter unten erkennt man den Stützpfeiler, wo kurz unterhalb die Gondel gestanden hatte. Für einige ist es das erste Mal seit vergangenem Jahr, dass sie wieder auf dem Tegelberg sind. Foto: Sommer

Vor einem dreiviertel Jahr wurden 18 Menschen zu einer Schicksals- gemeinschaft. Eingeschlossen in einer Kabine der Tegelbergbahn mussten sie 18 Stunden ausharren, ehe der letzte mit einem Hubschrauber gerettet wurde. Auf Einladung der Gemeinde Schwangau und der Bahngesellschaft trafen sich die Eingeschlossenen kürzlich wieder auf dem Tegelberg.

„Es gab einen kleinen Ruck, dann stand die Kabine“. Der achtjährige Tom Feyl kann sich noch genau erinnern, was am 12. August 2011 passiert ist. Gemeinsam mit seinem kleinen Bruder, dem vierjährigen Michel, und den Eltern war er auf dem Tegelberg. Gegen 13 Uhr wollten sie mit der Kabine ins Tal fahren. Ein Gleitschirmflieger krachte kurz nach dem Start in die Seile der Bahn, diese überschlugen sich und es kommt zum Nothalt. Zuerst habe es geheißen, „in einer Stunde geht es weiter“, so Tom. Doch kurz nach 14 Uhr steht fest, dass es so schnell nicht weitergeht. Der Michel habe viel geschlafen, erzählt Mutter Tanja. Immer wieder hätte sie nach unten geschaut, rund 80 Meter über dem Grund, bei der so genannten Gelben Wand, hängt die Gondel. „Es war schon ein mulmiges Gefühl“, so Tanja Feyl. Vor allem die Älteren erleben die vergeblichen Versuche der Retter, sich der Gondel zu nähern. Nachdem zuerst die Menschen aus der unteren Kabine befreit wurden, können die Hubschrauber die bergseitige Gondel aufgrund des starken Windes nicht mehr anfliegen. „Der schlimmste Moment war, als der Retter wieder davonflog“, so Toms Mutter. Gegen 18 Uhr geben die Hubschrauberbesatzungen auf, es soll versucht werden, die Bahn wieder in die Station zu fahren. Als dieser Versuch misslingt, steht fest, dass die Menschen irgendwie mit dem Seil aus der Gondel gerettet werden müssen. „Als dann nachts der Bergwachtmann zu uns reinkam, meinte einer im Scherz: Wir lassen keinen mehr rein. Geschlossene Gesellschaft!“ Schmunzelnd erzählt Schwester Francesco Holzmann vom Franziskanerorden, wie sie die Stunden erlebt hat. „Es war eine Art Schicksalsgemeinschaft“. Ruhig sei es zugegangen, sie habe immer gewusst: Du bist in Gottes Hand. Viel habe aber auch die ruhige Art von Kabinenführer Jörg Rehm bewirkt. „Er hat uns nichts verschwiegen, immer alles erzählt“. So wusste Schwester Francesco auch, dass die Bergwacht eine Art Seilbahn gebaut hatte, mit der die Eingeschlossenen in die Gelbe Wand hinüber geseilt werden sollten. „Da geh‘ ich nicht runter“, sei es ihr durch den Kopf gegangen. „Lieber Hubschrauber“. Nach einer recht kühlen Nacht gelang es doch, die Eingeschlossenen mit einem Hubschrauber herauszuholen. Überwältigt sei sie dann gewesen, als sie im Tal angekommen waren, berichtet Schwester Francesco. „So viele Menschen, die um uns gebangt und ihr Leben riskiert hatten“. Am besten aber fasst das Erlebte Thomas Feyl in Worte „Es war extrem. Erst die Enge der Kabine, dann raus und dann die Weite der Berge“.

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