Nach Hundeangriff bei Eisenberg-Zell

Appell an die Vernunft: Füssenerin Ingrid Herold kritisiert rücksichtslose Hundebesitzer

Ingrid Herold aus Füssen mit Hund Linus
+
Ingrid Herold – hier zuhause mit ihrem Linus – appelliert an die Vernunft: Hunde sollten gehorchen lernen.

Füssen – Der Angriff des Collie kommt plötzlich und wie aus dem Nichts. Er verletzt einen kleineren Hund und dessen Frauchen. Darüber berichtete der Kreisbote. Die Polizei und sucht mittlerweile Zeugen des schmerzlichen Ereignisses auf einem Weg bei Zell.  Der bissige Angreifer war nicht angeleint, heißt es vonseiten der Beamten. Auch in Füssen kommt es aus diesem Grund immer wieder zu Vorfällen, die vermeidbar wären. So plädiert Ingrid Herold an andere Hundehalter, ihren vierfüßigen Liebling zu erziehen – auch mit Hilfe von professionellen Hundeschulen in der Region. 

In Füssen gibt es 669 Hunde. Die Hundesteuereinnahmen für diese gemeldeten 669 Hunde werden von Karlheinz Fischer im Dienst der Stadtkasse verbucht. Fischers Kollege Markus Gmeiner vom Ordnungsamt Füssen wiederum ist Ansprechpartner, wenn es zu Problemen mit Hunden kommt. Wenn zum Beispiel beim täglichen Gassigehen etwas schief läuft, tragen dafür Herrchen oder Frauchen die alleinige Verantwortung. Oder muss oder könnte auch die Verwaltung hier mehr für die öffentliche Sicherheit im Füssener Land tun?

Ein Hundehalter sollte – so der entsprechende Passus der geltenden Verordnung der Stadt Füssen – sein Tier in öffentlichen Anlagen immer so mit sich führen, dass andere Personen nicht gefährdet, geschädigt oder belästigte werden. Zudem gilt, dass für kleinere Hunde unter 50 Zentimeter keine generelle Leinenpflicht besteht. Es sollte allerdings als selbstverständlich gelten, dass jeder Halter in der Öffentlichkeit seinen Hund jederzeit körperlich beherrschen muss. Das aber ist nicht immer auch tatsächlich der Fall. Häufig kommt es zu sich hoch schaukelnden Wortgefechten zwischen Hundehaltern, wenn sie sich in Gässchen oder auf Wiesen begegnen.

Fehlende Hinweise?

Die pensionierte Beamtin Ingrid Herold ist mit ihrem siebten Hund Linus – wie zuvor mit den anderen – in einer Hundeschule gewesen. Sie verfüge darüber hinaus, wie sie im Gespräch betont, über ein „größeres Wissen bezogen auf den artgerechten Umgang und die Erziehung von Hunden“. Herold wandte sich an die Stadt Füssen. Doch ihr Eindruck ist: Wenn es um größere Probleme gehe, die sie seit 13 Jahren immer wieder „mit rücksichtslosen Hundebesitzern“ erlebe und diese Probleme dem Ordnungsamt gemeldet habe, lasse man sie einfach im Stich.

Sie betont: im Stadtgebiet – die Ausnahme sei ein Schild an der Kneippanlage in Bad Faulenbach – fehlen Hinweise darauf, „wo Hunde sehr wohl an der Leine zu führen sind“. Nach ihrer Beobachtung lassen „auffällig viel Hundebesitzer – auch solche mit mehreren Hunden – ihre nicht abgerichteten und dahingehend erzogenen Hunde einfach laufen. „Dabei handelt es sich auch um viele große Hunde. Diese Hunde folgen nicht, wenn sie hergerufen werden.“

Wie Herold berichtet, musste sie erleben, dass Hundebesitzer selbst dann noch aggressiv reagieren, „wenn es nur meine Bitte war, den Hund bei sich zu behalten“. Sie versichert gegenüber dem Kreisboten: „.Ich bin bemüht, uneinsichtigen und rücksichtslosen Kundebesitzern aus dem Weg zu gehen. Aber leider ist das nicht immer mangels Ausweichmöglichkeit gegeben.“

Fehlende Courage

Die Füssenerin bedauert, dass vielen Hundebesitzer mit den gleichen Problemen die Courage fehlt, um einen anderen Hundebesitzer auf sein ziemlich rücksichtsloses Verhalten aufmerksam zu machen, etwa am gern besuchten Galgenbichl. Sie ist zwar der Überzeugung: eine generelle Anleinpflicht für alle Hunde ist nicht durchsetzbar. Das, so das Frauchen von Linus, sei jedoch kein Grund, die Hundehalter nicht mittels Schilder über eine Anleinpflicht aufmerksam zu machen und diese auch kostenpflichtig einzufordern, „wenn jemand uneinsichtig ist“.

Die ehemalige Beamtin hält es für „eine gute Idee“, dass in einigen Gemeinden in Österreich die Steuer dann verbilligt wird, wenn der Hundeschule-Besuch nachgewiesen werden kann. „Das würde sich für die Stadt Füssen auch auszahlen, wenn für Hunde ohne Prüfung einfach mehr bezahlt werden müsste.“ Ein „besonderes Problem“, so Herold weiter, sei auch, das Freilaufen von Hunden außerhalb der Stadtgrenze. „Das ist für Wildtiere und Schafe immer wieder lebensgefährlich. Ein angebissenes Tier leidet massiv.“

KOD soll hinschauen

Dem städtischen Ordnungsamt, in dem es durchaus Verständnis für schriftlich vorgebrachte Vorschläge und Beschwerden gibt, sind die Hände gebunden. Amtsleiter Gmeiner informiert über die Gesetzeslage. Sie lasse keinen Sonderweg in Füssen zu. Wie gefordert, alle Hunde an die Leine, das gehe nicht. Gmeiner verweist auf das bayerische Landesstraf- und Verordnungsgesetz (LstVG) und dabei insbesondere auf Artikel 18.

Neuerdings gibt es aber Hoffnung, dass Hundehaltern demnächst stärker auf die Finger geschaut wird. Künftig darf der neu eingerichtete Füssener Kommunale Ordnungsdienst (KOD) in ein aus dem Ruder laufendes Geschehen beim Gassigehen eingreifen. Zu den vielfältigen KOD-Aufgaben zählen auch der Vollzug und die Kontrolle der Hundehaltungsverordnung beziehungsweise der Hundesteuer-Satzung.

Chris Friedrich

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Ausbruch im Seniorenheim: BRK-Kreisgeschäftsführer schildert die Situation in St. Michael
Corona-Ausbruch im Seniorenheim: BRK-Kreisgeschäftsführer schildert die Situation in St. Michael
Räumfahrzeug gerät in Brand
Räumfahrzeug gerät in Brand
Corona im Ostallgäu: Aktuell 213 Infizierte im Ostallgäu und Kaufbeuren - 7-Tage-Inzidenzwerte unter 50 erreicht
Corona im Ostallgäu: Aktuell 213 Infizierte im Ostallgäu und Kaufbeuren - 7-Tage-Inzidenzwerte unter 50 erreicht
Kommunaler Ordnungsdienst der Stadt Füssen nimmt seine Arbeit auf
Kommunaler Ordnungsdienst der Stadt Füssen nimmt seine Arbeit auf

Kommentare