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Die Lichter gehen aus: Zweckverband Allgäuer Land einigt sich auf Energiesparmaßnahmen

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Von: Matthias Matz

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Beleuchtetes Schloss Neuschwanstein
Um Strom zu sparen, bleibt die Beleuchtung von Schloss Neuschwanstein vorerst ausgeschaltet. Auf weitere Maßnahmen hat sich jetzt der Zweckverband Allgäuer Land geeinigt. © panthermedia/Gerald Bock

Füssen/Landkreis – Im Königswinkel gehen die Lichter aus: Einstimmig haben sich die Gemeinden im Zweckverband Allgäuer Land (ZVAL) auf ein Energiesparpaket geeinigt.

Im Königswinkel gehen die Lichter aus: Einstimmig haben sich die Gemeinden im Zweckverband Allgäuer Land (ZVAL) auf ein Energiesparpaket geeinigt. Auch die Schulen und Kirchen in den zehn Mitgliedskommunen werden in Herbst und Winter wohl nicht um Einschränkungen herum kommen.

Spätestens seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine ist klar: durch Angela Merkels Energiewende ist Deutschland abhängig von russischen Gaslieferungen. Aber auch Strom ist durch den Atom- und Kohleausstieg zu einem knappen und teuren Gut geworden. Öffentliche wie private Haushalte ächzen gleichermaßen unter der Last der hohen Preise.

So betrug die Stromrechnung der Stadt Füssen im vergangenen Jahr noch 160.000 Euro. Heuer werden es bereits mindestens 250.000 Euro sein, rechnete der Füssener Bürgermeister und Verbandsvorsitzende Maximilian Eichstetter (CSU) vor. „Und nächstes Jahr wird es nicht besser.“ Deshalb hat die Stadt die Beleuchtung für das Hohe Schloss und die Stadtmauer bereits ausgeschaltet.

Dazu kommen enorme Ausgaben für Gas durch das Eisstadion. Bereits im Mai seien die Gesamtausgaben des Jahres 2019 erreicht worden, berichtete Eichstetter, der von Mehrausgaben in Höhe von einer Million Euro ausgeht.

Um Strom, Gas und Geld zu sparen, wird in den Rathäusern im südlichen Altlandkreis deshalb bereits seit geraumer Zeit an Plänen gearbeitet, wie Energie gespart und damit Ausgaben gesenkt werden können (der Kreisbote berichtete).

Neben der Stadt Füssen hat auch die Gemeinde Schwangau bereits konkrete Maßnahmen beschlossen. So hat sich der Gemeinderat am Montagabend mit knapper Mehrheit dafür ausgesprochen, die Außenbeleuchtung von Schloss Neuschwanstein bis Herbst auszuschalten. Eine Ausnahme soll am Geburtstag von Ludwig II. am 25. August gemacht werden. Ferner wird die Flutlichtbeleuchtung der „Neuschwanstein Loipe“ im Winter 2022/23 ausgeschaltet. An der Beschneiung der Loipe soll aber festgehalten werden.

Einheitliches Vorgehen

Am Mittwoch haben sich die Kommunen im ZVAL auf weitere Maßnahmen und ein einheitliches Vorgehen geeinigt – auch, um den Bürgern gegenüber ein Zeichen zu setzen, wie Eichstetter und sein Schwangauer Kollege Stefan Rinke (CSU) erklärten.

Konkret beschlossen die anwesenden Rathauschefs, in den zehn Gemeinden die Straßenbeleuchtung bereits um 22 Uhr abzuschalten. Bislang war das in der Regel erst um 23 Uhr der Fall. Zudem sollen die Lampen beim Wiedereinschalten in den frühen Morgenstunden nur noch auf etwa 20 Prozent Leistung eingestellt werden. Darüber hinaus sollen – je nach örtlichen und technischen Gegebenheiten – in bestimmten Straßenzügen jede zweite Laterne abgeschaltet oder nur noch eine Straßenseite beleuchtet werden.

Als Beispiel dafür nannte Eichstetter die Kemptener Straße in Füssen, wo die Stadt diese Maßnahme schon seit zwei Wochen praktiziere, oder die westliche Hiebeler Straße im Gewerbepark „Allgäuer Land“. „Das wird eine sehr individuelle Straßenbeleuchtung“, schmunzelte Eichstetter mit Blick auf die unterschiedlichen Techniken und das Alter der Lampen. Finanziell lohnen könnten sich diese Maßnahmen aber auf jeden Fall: So gehen die EWR von einer Kosteneinsparung in Höhe von 25 Prozent aus.

Dunkle Nebenstraßen

In Füssen wird überdies womöglich die ein oder andere Nebenstraße ganz dunkel bleiben, wie Eichstetter auf Nachfrage erklärte. Ausgenommen davon bleiben aber sicherheitsrelevante Straßenabschnitte wie etwa Kreuzungen oder dunkle Ecken. „Zu Lasten der Sicherheit wird das nicht gehen!“, betonte der Verbandsvorsitzende.

Die Runde beschloss außerdem, die Weihnachtsbeleuchtung in ihren Kommunen in den Wochen vom 1. Advent bis Heilige-Drei-Könige heuer ebenfalls schon um 22 Uhr auszuschalten. Hier hatte vor allem Dr. Alois Kling (CSU) als Vertreter von Pfrontens Bürgermeister Alfons Haf (Pfrontner Liste) mit Blick auf die vorweihnachtlichen Aktionen des Einzelhandels auf eine einheitliche Lösung gedrungen. „Wir stehen zur Weihnachtsbeleuchtung“, betonte der Verbandsvorsitzende.

Ihren Beitrag zum Energiesparen werden wohl auch die Kirchen in den zehn Gemeinden leisten müssen. Diese werden mit bis zu vier besonders energiehungrigen 1000 bis 1500 Watt-Strahlern beleuchtet, hieß es in der Sitzung. Deshalb soll nun das Gespräch mit den Kirchenvertretern gesucht werden. Ziel ist es, dass auch die Kirchen die Beleuchtung ausschalten. Ausgenommen werden soll die Adventszeit mit ihren Gottesdiensten bis Heilige Dreikönige. „Die Weihnachtszeit steht nicht zur Diskussion“, fasste Eichstetter die Stimmung in der Runde zusammen. Die Adventszeit sei für viele Menschen gerade in den heutigen Zeiten wichtig.

Im Rathaus wird es kalt

Zu spüren bekommen werden die Energieknappheit in diesem Herbst und Winter vor allem aber die Mitarbeiter der Stadt- und Gemeindeverwaltungen. Eichstetter kündigte an, die Heizung im Füssener Rathaus auf das technisch gerade noch vertretbare Minimum herunter fahren zu wollen. Zudem sollen wieder mehr Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt werden, um die Büros komplett abschalten zu können. „Jedes Grad, das wir reduzieren, spart richtig richtig viel Geld“, betonte er mit verweis auf 70 städtische Liegenschaften.

Um auch hier eine einheitlichen Kurs zu fahren, soll mit dem Landkreis und anderen Schulträgern noch geklärt werden, in wie weit die Heizung in den Schulen runter gedreht werden kann. Der EU-Richtwert liegt zwar bei 19 Grad Raumtemperatur in den Klassenzimmern, im Gegensatz zu seinem Riedener Kollegen Andreas Haug hielt Eichstetter das aber nicht für vertretbar. „Das ist zu kalt.“ Unabhängig davon sollen aber alle Hausmeister der Schulen unter kommunaler Trägerschaft nach weiteren Energieeinsparmöglichkeiten suchen.

Einig war sich die Verwaltungschefs, dass die in der Corona-Krise angeschafften Raumlüfter in den Klassenzimmern weiter betriebe werden sollen. Zum einen würden diese vergleichsweise wenig Strom verbrauchen, zum anderen werde sich die Corona-Lage im Herbst wieder verschärfen.

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