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Diese Regeln gelten jetzt für Hundehalter - Gassi gehen wird zur Pflicht

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Spielende Hunde
Hundehalter werden künftig noch mehr in die Pflicht genommen, ihrem Vierbeiner ausreichend Auslauf und den Kontakt zu Artgenossen zu ermöglichen. Dazu hat der Gesetzgeber die Tierschutz-Hundeverordnung noch einmal verschärft. © robertprzybysz/panthermedia

Landkreis – Am vergangenen Sonntag war „Tag des Haustiers“. Der 20. Februar ist - zumindest statistisch gesehen - ein Feiertag für jeden zweiten deutschen Haushalt.

Denn immerhin leben rund 34,9 Millionen Haustiere in Deutschland. Corona hat ihre Zahl noch einmal in die Höhe schnellen lassen – im vergangenen Jahr um eine Million Tiere. Den Löwenanteil unter den deutschen Haustieren nehmen dabei 15,7 Millionen Katzen und immerhin 10,7 Millionen Hunde ein. Zum Wohle der Wuffs und Waus hat der Gesetzgeber nun die bestehende Tierschutz-Hundeverordnung nachgebessert, seit Jahresanfang ist sie in Kraft. Was seither für Hundehalter und Züchter gilt, lesen Sie hier.

Hundehalter bundesweit müssen darauf achten, dass ihr Tier genügend Auslauf, eine zugewandte Betreuung, Kontakte mit Artgenossen und eine angemessene Unterkunft bekommt. Eigentlich selbstverständlich?

Tierschutzverbände und Tierärzte begrüßen jedenfalls die Änderungen zugunsten des Tierwohls. „Es ist erfreulich, dass der Gesetzgeber Hunden nun explizit ein Recht auf Sozialkontakte, sei es mit ihrem Menschen oder mit Artgenossen in einem angemessenen Umfang zuschreibt“, sagt Tierärztin Sonja Bottner aus Stötten am Auerberg.

Sie befürwortet das Verbot der Anbindehaltung und begrüßt die Nachbesserungen in Sachen Hundezucht. „Auch wir als Tierärzte sind jetzt gefordert, die Haltungsbedingungen von Zuchthündinnen und ihren Welpen kritisch zu hinterfragen.“

So verbietet die neue Hundeverordnung explizit die Anbindehaltung (mit Übergangsfrist zum 1. Januar 2023), ebenso wie die in bestimmten Kreisen beliebten, aber durchaus schmerzhaften Stachelhalsbänder. „Qualzuchten“ sind außerdem verboten sowie die Ausstellung von Hunden mit kupierten (also tierschutzwidrig amputierten) Schwänzen.

Die Haltung in Zwingern ist zwar noch erlaubt, dennoch gilt, dass den Vierbeinern ausreichend Auslauf im Freien, täglicher Umgang mit Betreuungspersonen, freier Blick aus der Unterkunft, eine angemessene Schutzhütte und ein geeigneter Liegeplatz im Freien zu gewährleisten ist. Für alle, die ihre Hunde in Zwingern, Scheunen oder Schrebergärten halten, und nur ab und zu zum Füttern vorbeischauen, sieht es dagegen schlecht aus.

Denn Verstöße gegen die Vorschriften werden mit teilweise hohen Bußgeldern geahndet. Aus dem Ostallgäuer Landratsamt heißt es dazu, dass Verstöße gegen die Tierschutz-Hundeverordnung bis zu 25.000 Euro kosten können. Wenn sich die Haltung des Hundes nicht verbessert, kann das Veterinäramt auch mit der Wegnahme des Tieres oder einem Haltungsverbot reagieren.

Ein „Gassi-Gesetz“ wie die Presse im Vorfeld titelte, ist die neue Tierschutz-Hundehaltungsverordnung jedoch nicht geworden. Anstatt zweimal täglich eine Stunde Auslauf außerhalb eines Zwingers vorzuschreiben – wie im Entwurf vorgeschlagen – sieht das Gesetz nur „ausreichend“ Auslauf vor. So stand es allerdings auch schon in der alten Verordnung.

Steter Blick auf die Uhr

Auf die Uhr müssen demnach nur Züchter und Halter von Hundewelpen schauen. Denn dem drolligen Nachwuchs ist bis zu einem Alter von zwanzig Wochen mindestens vier Stunden je Tag Umgang mit einer Betreuungsperson zu gewähren. Diese Person darf laut der geänderten Verordnung auch nur noch drei Hündinnen mit Welpen betreuen. Zuvor hatte die Verordnung es offen gelassen, für wie viele Hündinnen mitsamt Welpen eine Betreuungsperson zuständig ist.

Eine gute Sozialisierung der Welpen und jungen Hunde stehe an vorderster Stelle, so die Tierärztin. Diese erste soziale Trainingsphase beugt nicht nur massiven Verhaltensstörungen und Traumatisierungen des Hundes vor, sondern verhindert auch, dass von Hunden eine Gefahr für ihr Umfeld ausgeht. Die Änderungen, die die Hunde-Tierschutzverordnung angegangen ist, stützen sich daher auf Expertenwissen und neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur artgerechten Haltung von Hunden.

Keine Kontrollen

Hundehalter müssen dennoch nicht mit regelmäßigen Kontrollen durch die Polizei rechnen, doch kündigt das Ostallgäuer Veterinäramt an, insbesondere bei Anzeigen oder anderweitiger Kenntnis von Missständen Hundehalter und Züchter durchaus zu kontrollieren. Regierungsdirektor Ralf Kinkel als Chef des Veterinäramts ist sich mit Tierärztin Sonja Bottner jedenfalls einig: „Als professionell für den Tierschutz zuständige Stelle haben wir jede Verbesserung der Haltungsbedingungen natürlich begrüßt.“

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