Bürgermeister stellt aktuellen Stand des digitalen Verkehrskonzepts vor

Digitales Verkehrskonzept für Füssen: »Wir wissen, wo das Problem ist«

Stau in Füssen
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Biegen viele Fahrzeuge von den Seitenstraßen auf die B16 ein, gerät die Grüne Welle dort schnell ins Stocken.
  • Katharina Knoll
    VonKatharina Knoll
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Füssen – Im Sommer zügig von der A7 über Füssen nach Schwangau fahren und vor Ort auch noch eine Parkplatz bekommen: Das ist das Ziel der Zukunft. Erreichen wollen das beide Kommunen mit Hilfe von Kameras und intelligent vernetzten Ampeln, die den Verkehr situationsgerecht steuern. Deshalb arbeiten sie derzeit an einem digitalen Verkehrskonzept und einem dynamischen Parkleitsystem. Den aktuellen Sachstand hat jetzt Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) in der jüngsten Sitzung des Stadtrates vorgestellt. 

Seit August haben 13 Kameras den Verkehr zwischen Füssen und Schwangau analysiert und 22 verschiedene Szenarien durchgespielt, informierte Eichstetter. Das Ergebnis: „Der Binnenverkehr lastet die Straßen schon zu 80 Prozent aus.“ Kommen vor allem in der touristischen Hochsaison noch Urlauber und Tagesgäste hinzu, sind die schnell Straßen überfüllt. Der Verkehr könne dann nicht mehr richtig abgewickelt werden. Aber: „Der Kaiser-Maximilian-Platz ist eigentlich nicht das Problem.“ Bei den Untersuchungen hätten sich die innerstädtischen Kreisverkehre als durchaus leistungsfähig erwiesen.

Probleme bereitet vielmehr die Ampelschaltung auf der B16 zwischen Augsburgerstraße, Pulverturm und Krankenhaus. „Eine 120-Sekunden-Taktung ist in der Regel eine Grüne Welle, die funktioniert – aber nicht an der Stelle“, erklärte der Rathauschef. Das liege am Verkehr, der dort aus den seitlichen Straßen auf die B16 fließt. Unterbricht dieser die Grüne Welle, dauert es bis zu 45 Minuten, bis sie wieder reibungslos funktioniert.

Weitere Problemstellen sind zeitweise die Ampeln an der Lechbrücke, an der Kreuzung B16/B310 sowie an der Kreuzung an der A7/B310. Zum Nadelöhr wird dabei die Lechbrücke. „Sind die Fahrzeuge in Fahrtrichtung Schwangau-Füssen über dem Lech drüber, fließt der Verkehr plötzlich – bis zum Pulverturm. Dann stockt er, weil die Grüne Welle nicht funktioniert, weil die Ampel nicht weiß, wie viele Fahrzeuge kommen.“

Das will die Verwaltung nun ändern. Die Ampeln zwischen dem Kaiser-Maximilian-Platz und dem Pulverturm sollen auf eine 60-Sekunden-Taktung umgestellt werden. Außerdem soll das System künftig die aktuelle Verkehrssituation erfassen und die Ampeln entsprechend schalten. Auch Straßenmarkierungen sollen ausgebessert, die Abbiegespur an der B17/Lechbrücke verlängert und dynamische Infotafeln an der A7 und der Lechbrücke aufgestellt werden. Letztere sollen beispielsweise dem Autofahrer, der von der A7 abfährt, über die B310 leiten, wenn sich der Verkehr in der Luitpoldstraße staut. Dafür müssten die Daten aber auch zeitgleich übermittelt werden, sonst würden sich die Autofahrer über kurz oder lang nicht an die Empfehlungen halten, sagte Eichstetter. „Wir haben eine Umfahrung, die auch als Umfahrung genutzt werden soll.“ Auch das Senden von TCM-Meldungen in die Fahrzeuge sei wichtig.

Kosten wird das Ganze wohl rund eine Millionen Euro. Da jedoch hauptsächlich Bundesstraßen davon betroffen sind, werde die Hauptlast das Straßenbauamt tragen, das bereits seine Zustimmung zur weiteren Planung gegeben hat.

Weniger Stopps

Werden alle Maßnahmen umgesetzt, bedeutet das allerdings nicht, dass die Füssener nicht mehr im Stau stehen werden – sie werden nur weniger oft anhalten müssen und insgesamt zügiger vorankommen. Sind beispielsweise 300 Fahrzeuge pro Stunde auf der B16 von Ost nach West unterwegs, müssten sie dann nur noch vier anstelle von rund 14 Stopps einlegen, haben die Berechnungen ergeben. Dadurch sparen sich die Autofahrer auf einer Strecke von 10,5 Kilometern insgesamt fünf Minuten Fahrzeit. Für Dr. Anni Derday (Freie Wähler) zu wenig: „Das fand ich ein wenig enttäuschend, dass man bei so einem Millionenprojekt so wenig Zeit gewinnt“, so Derday. „Ich frage mich, ob das so viel Sinn macht.“

„Natürlich würde ich mir wünschen, dass es mehr wäre“, antwortete Eichstetter. Aber dieses Szenario sei nur eines von 22 simulierten Fällen. Wenn alle kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen umgesetzt würden, hofft er, dass man sich dann noch mehr Zeit spart. „Unsere Probleme fangen erst bei 400 Fahrzeugen in beide Richtungen an.“

Ganz anders als Derday bewertete Christoph Weisenbach (CSU) diese Simulation. „Ich finde das eine immense Einsparung. Das sind 35 Prozent, was wir den Verkehr beschleunigen können.“„Fünf Minuten auf die Menge der Fahrzeuge gerechnet, ist nicht zu unterschätzen“, sagte auch sein Fraktionskollege Simon Hartung, der vor allem auf betriebswirtschaftliche und ökologische Aspekte verwies.

Gerade beim Anfahren verbrauchen Autos die meiste Energie, unterstrich Wolfgang Bader (Grüne). Demnach sei schon viel gewonnen, wenn diese auf der Zehn-Kilometer-Strecke deutlich weniger anhalten und wieder anfahren müssten. „Das ist deutlich weniger Energie, die sinnlos in Füssen herausgeblasen wird.“

Parkleitsystem kommt

„An dieser Stelle nichts zu tun, wäre der falsche Weg“, bekräftigte zudem Erich Nieberle (SPD). Neben dem ökologischen dürfte auch der psychologische Effekt auf die Autofahrer nicht unterschätzt werden. „Das müssen wir unbedingt machen.“

Deutlich teurer wird mit rund 1,9 Millionen Euro dagegen das Parkleitsystem, bei dem rund 5000 Parkplätze digitalisiert werden. „Die städtische Beteiligung ist hier höher, weil es sich um städtische Parkplätze handelt“, erklärte Eichstetter. Allerdings ist auch hier eine Förderung möglich. Neben der Lechstadt beteiligen sich zudem Schwangau, Nesselwang sowie die Tegelberg-, Breitenberg- und Buchenbergbahn an dem Projekt.

Das Ziel sei, dass Tourist Informationen künftig auf ihrer Homepage zeigen können, welche Parkplätze schon ausgelastet sind. Dafür sollen Kameras die Parkplatz erfassen und die Daten in Echtzeit übermitteln. „Die Kamera erkennt, wenn ein Fahrzeug zwei Parkplätze blockiert und berücksichtigt das“, erklärte der Rathauschef.

Die Planungen sollen bis Juni fertig sein, damit die Stadt die Arbeiten bis zum Herbst ausschreiben kann. Im kommenden Jahr sollen dann die ersten Maßnahmen angegangen werden. Diesem Vorgehen stimmte der Stadtrat geschlossen zu.

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