DMG-Mori geht neue Wege

Hausmesse in Pfronten stößt auf großes Interesse

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Reinhard Musch demonstriert, was Digitalisierung und Industrie 4.0 bedeuten. Mit Hilfe des Tabletts kann Musch Mitarbeiter briefen, Informationen zum aktuellen Produktionsfortschritt (etwa mögliche Unfälle, der grüne Kreis links unten) und weitere Details aufrufen. Hier können Mitarbeiter geschult werden oder die Schicht den Arbeitsplan diskutieren.

Pfronten – Über zu wenig Interesse kann man sich bei DMG-Mori nicht beklagen. Die gesamte Woche war geprägt von der Hausmesse, zu der um die 10.000 Geschäftspartner und Vertreter aller Branchen erwartet wurden. Den Auftakt machte am Montag der „Tag der Ausbildung“.  

Wenn Manuela Kümmerle demnächst ihre Ausbildung bei DMG-Mori beendet, stehen der jungen Seegerin alle Wege offen: den Meister machen, Technikerin werden oder sogar studieren. Und wenn die Auszubildende, eine von derzeit 110 in Pfronten, gar nicht weiß, was sie werden soll, hat sie zumindest eines fest: eine Stelle innerhalb des Werkes in Pfronten. Denn übernommen wird jeder, der will, so Steffen Burghoff, einer der Geschäftsführer bei Deckel Maho Pfronten. 

Um die zehn Prozent werde die Zahl der Mitarbeiter am Standort, wo derzeit insgesamt 1600 Mitarbeiter beschäftigt sind, in den nächsten 18 Monaten wachsen; Beleg auch für die Auftragslage des Werkzeugmaschinenherstellers und das Wachstum der nächsten Jahre. Hohe Qualität Dabei erschließt DMG-Mori immer neue Geschäftsfelder. 

Derzeit steht vor allem der Bereich Aerospace, wo die Prognose eine Verdoppelung der Umsätze über die nächsten 20 Jahre erwartet, im Mittelpunkt auch der Hausmesse, die alljährlich tausende Vertreter der Branche, vor allem der Felder Zerspanung und Drehen, nach Pfronten bringt. Auch deshalb gleichen die Fertigungshallen derzeit mehr einem Showroom, wo gezeigt wird, was Stand der Technik ist. 

Dabei ist Pfronten vor allem bei den Fünf-Achs-Fräsmaschinen führend, dazu kommen die Portalmaschinen, gigantische Bearbeitungszentren für Fünf-Seiten bzw. Fünf-Achs-Bearbeitung von Großteilen. Erstmals zeigt eine DMU 600, der derzeitige Größenrekordhalter, wie aus einem tonnenschweren Stahlblock eine Stanzform für die Automobilindustrie entsteht, auf dem später einmal, in einem Arbeitsgang, aus einem Stück Blech die fertige A-Säule eines Autos wird. 

Zehn bis zwölf dieser gigantischen Maschinen, die dabei flüsterleise agieren, verlassen den Standort Pfronten pro Jahr, mit Ziel in alle Welt, wo Automobile gebaut werden oder Flugzeuge. Seit rund fünf Jahren bietet DMG die Maschinen an, die auch im Energiesektor und dem Maschinenbau genutzt werden, nachdem die Mitbewerber eine entsprechende Maschine nicht im Portfolio hatten. „Die Kunden wollen unsere Qualität“, so Burghoff.

Doch es komme nicht nur auf Größe, sondern auch auf die Präzision an. Insbesondere im Turbinenbereich (in der Luftfahrt ebenso wie im Energiesektor), wo auf den Mikrometer, also ein Tausendstel Millimeter, exakt gearbeitet werden müsse. Dabei seien nicht nur die Originalzulieferer wie Pratt & Whitney oder Rolls Royce Kunden im südlichen Ostallgäu, sondern auch Firmen, die sich um die Wartung und den Unterhalt der Flugzeugtriebwerke kümmern. 

3D-Druck im großen Stil

Schon in den vergangenen Jahren war das Additive Manufacturing Thema der DMG-Hausmesse. So konnte Reinhard Musch, ebenfalls Mitglied der Geschäftsleitung, den Kunden die neuesten Konzepte im industriellen 3D-Druck zeigen, wo weniger mit Plastik als mit Metallpulvern gearbeitet wird und Werkstücke mittels Laser aus dem Pulver entstehen. Insbesondere komplexe Bauteile mit feinsten Wandstärken im Milli- oder Mikrometerbereich oder internen Strukturen, wie Kühlkanäle, entstehen so Schicht für Schicht. Auch für das Prototyping ist das additive Manufacturing geeignet, wo Werkstücke direkt vom Computer aus gebaut werden können. 

Ohnehin stehen die Zeichen schon länger auf Digitalisierung und Produktion 4.0. Man arbeite daran, so Steffen Burghoff, dass die Maschinen frühzeitig Verschleiß oder anderweitige Probleme erkennen und somit rechtzeitig Wartungsteams vor Ort die Probleme beheben können. Innovative Wege Auch in anderen Bereichen werden innovative Wege gegangen. 

An jeder Maschine gebe es ein Terminal, mit dessen Hilfe man Daten weitergeben, Probleme austauschen und Aufträge abwickeln könne. So sei mittlerweile kaum noch Papier im Umlauf, um die Qualitätssicherung und die Abwicklung des Auftrags zu garantieren. Die Mitarbeiter können rechtzeitig über Veränderungen informiert werden, etwa, dass man eine Wirtschaftsdelegation im Hause erwarte und über mögliche Probleme. 

So gibt es allenthalben einen KVP-Point, wo der Produktionsfortschritt dokumentiert wird. Mit Hilfe der so genannten Dojos können neue Mitarbeiter angelernt werden – Mittlerweile sei eine komplette Schulung in zehn Tagen möglich. Außerdem könnten innerhalb einer halben Stunden Qualitätsprobleme angesprochen, thematisiert und die zuständigen Mitarbeiter geschult werden.

Vielseitige Arbeit

Das sind Themen, mit denen sich die Azubis in der Lehrwerkstatt in dieser Form noch nicht auseinandersetzen müssen. 

Manuela Kümmerle steht an einer konventionellen Drehmaschine und fabriziert gerade kleine Kapseln, die die zahlreichen Jugendlichen, die sich etwa für eine Ausbildung zum Industriemechaniker interessieren, am Montagvormittag gerne mitnehmen dürfen. So ähnlich – über die Ausbildungsmesse in Füssen – kam auch die Seegerin seinerzeit zu DMG-Mori. Sie habe keinen langen Arbeitsweg und könne den Betriebsbus nutzen, erzählt sie. „Die Arbeit ist sehr vielseitig“, berichtet sie, sie müsse nicht immer das gleiche machen und werde vor allem von den Kollegen und der Firma sehr unterstützt. 

35 Stunden muss Manuela Kümmerle pro Woche arbeiten und kann dabei mit Feingefühl an den Job gehen. Etwas, was auch die Ausbilder bei den jungen Damen zu schätzen wissen, die mit viel Zielstrebigkeit zu Werke gingen. Dass sich immer mehr Frauen für die Arbeit bzw. die Ausbildung bei DMG-Mori in Pfronten interessieren, konnte auch am vergangenen Montagvormittag in der Ausstellung beobachtet werden, wo sich die Jugendlichen informieren können. Ganze Mädchenklassen säumten die Infostände und folgten den Ausbildern durchs Haus.

Oliver Sommer

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