Ein Drachen für den Baumgarten

Stadtrat stimmt mehrheitlich dem Bau eines neuen Abenteuerspielplatzes zu

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Das vom Füssener Bauamt vorgestellte Modell des Drachenspielplatzes. Den Drachenkopf soll die heimische Künstlerin Julia Hiemer gestalten.

Füssen – Obwohl der Bau eines neuen Abenteuerspielplatzes im Baumgarten seit über einem Jahr beschlossene Sache ist, drohte die Diskussion über das mittlerweile ausgearbeitete Konzept am Dienstagabend im Stadtrat doch wieder ins Grundsätzliche abzuschweifen.

Erst nach einem Antrag zur Geschäftsordnung durch Zweiten Bürgermeister Niko Schulte (CSU) besannen sich die Ratsmitglieder. Bei drei Gegenstimmen stimmten sie dem Bau des „Drachenspielplatzes“ unterhalb der Felswand des Hohen Schlosses zu. Die Kosten belaufen sich voraussichtlich auf knapp 50.000 Euro. 

Dass im Baumgarten ein neuer Abenteuerspielplatz vor allem für die in der Altstadt lebenden Kinder gebaut werden soll, hatte der Stadtrat bereits im Dezember 2016 auf Wunsch des Kinder- und Jugendbeirats beschlossen (der Kreisbote berichtete).

Am Dienstag nun sollten die Ratsmitglieder auf Antrag von Stadträtin Uschi Lax (CSU) über ein vom Oberallgäuer Spielgerätehersteller Firma Cucumaz ausgearbeitetes Konzept für einen „Drachenspielplatz“ und die Bereitstellung der dafür notwendigen finanziellen Mittel entscheiden. Wie Axel Wittwer vom Bauamt erläuterte, solle durch die Anordnung der Spielgeräte in Form eines liegenden Drachens der lokale Bezug zum Kloster und der Pfarrkirche hergestellt werden. 

Die Gestaltung des Drachenkopfes soll die heimische Bildhauerin Julia Hiemer übernehmen. Um größere Eingriffe in den Boden zu vermeiden, sei auf bewegliche und schwingende Massen weitgehend verzichtet worden, so Wittwer weiter. Nächtlichen Partys durch Jugendliche oder dem Verrichten der Notdurft auf dem Platz soll außerdem dadurch ein Riegel vorgeschoben werden, in dem auf eine Überdachung oder Wände verzichtet wird. Die Anwohner würden durch die Felswand vor Lärm geschützt. Ohnehin sei der Standort bewusst so gewählt worden, dass die Ruhe suchenden Bewohner des Baumgartens nur wenig durch den Spielplatz gestört würden. Als Schutz für die spielenden Kinder soll der Boden darüber hinaus mit Hackschnitzeln bedeckt werden. 

Während sich die große Mehrheit der Stadträte positiv über das vorgestellte Modell äußerte und die Arbeit der Füssener Bauverwaltung lobte, sahen einige Ratsmitglieder die Gelegenheit, trotz des Beschlusses vom Dezember 2016 erneut eine Grundsatzdiskussion vom Zaun zu brechen. Denn bereits vor etwa 40 Jahren sei der Versuch gescheitert, im Baumgarten einen Spielplatz zu etablieren. „Der Platz ist falsch“, meinte etwa Magnus Peresson (UBL), der darauf hinwies, dass der Standort zu weit von der Innenstadt weg sei. Außerdem gebe es dort oben keine öffentlichen Toiletten. „Die Schlucht wirkt außerdem wie eine Düse – der Wind pfeift dort wie Hechtsuppe“, warnte er. Die Mütter sollten ihre Kinder also selbst im Sommer warm anziehen. 

Auf der Wiese unterhalb der Felswand des Hohen Schlosses soll der Spielplatz gebaut werden.

Auch CSU-Stadtrat Michael Schmück, der sich mit dem Architekt Franz Nagel unterhalten hat, warnte in dessen Namen vor dem beschlossenen Standort. Christine Fröhlich von den Freien Wählern kritisierte dagegen das Fehlen einer Bedarfsanalyse für einen Spielplatz im Baumgarten. Schließlich sei der AWO-Familienstützpunkt in der Spitalgasse nur vorübergehend dort untergebracht. Außerdem sei im Weidach nach wie vor ein neuer Spielplatz geplant. „Für welche Familien ist der Spielplatz im Baumgarten?“ Darüber hinaus gelte es die Folgekosten für Wartung und Unterhalt zu bedenken. „Meine Empfehlung wäre, das zu vertagen“, sagte Fröhlich. 

„Eine Bedarfsermittlung für Kinder ist Unsinn!“, entgegnete Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Ziel sei es, die Innenstadt mit ihren vielen Familien zu beleben. „Die Altstadt verwaist sonst. Wir brauchen nicht nur Geschäfte in der Stadt, sondern auch Familien!“ 

Partys im Baumgarten?

Als den falschen Standort bezeichnete auch Dr. Christoph Böhm (CSU) den Baumgarten. Dort würden Jugendliche häufig Partys mit harten Getränken feiern. Außerdem bestehe durch die nahe Felswand die Gefahr herabfallender Steine. Er sprach sich stattdessen für eine Sanierung des Spielplatzes im Freybergpark aus. Das würden auch die Lehrer und Betreuer der Grundschule fordern, erklärte er. Besser zum Spielen geeignet als der Baumgarten sei auch der „Schwalbenlech“, eine Sandbank unterhalb des Klosters. Er selbst werde 100 Euro für Schaufeln für die Kinder des Kindergartens in der Spitalgasse spenden, kündigte er an. „Da haben wir früher mit Modellpanzern die Landung in der Normandie nachgespielt.“ 

Mögliche Konflikte mit dem Kneipp-Konzept befürchteten dagegen Herbert Dopfer (Füssen-Land) und Dr. Anni Derday (FW). In der nun geplanten Form sei das Ganze zwar noch verträglich. Beide warnten allerdings davor, den Spielplatz irgendwann zu erweitern. FW-Stadtrat Jürgen Doser brachte in diesem Zusammenhang eine „Qualitätsoffensive“ für Spielplätze ins Spiel. Viele Füssener Mütter würden mit ihren Kindern zu den verschiedenen Themenspielplätzen nach Pfronten fahren, berichtete er. Axel Wittwer vom Bauamt entgegnete, dass die Gemeinde Pfronten auch ungleich mehr Geld in ihre Spielplätze stecke als Füssen und diese auch als touristisches Angebot nutze. 

Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier schaltete sich an dieser Stelle in die Diskussion ein und warnte davor, die Interessen von Einheimischen und Touristen gegeneinander auszuspielen. Das sei indiskutabel. „Ich bitte diese ewige Frontstellung Touristen gegen Einheimische zu lassen! Das tut der Stadt nicht gut!“, appellierte er. Angesichts der ausufernden Diskussion wies Bürgermeister Iacob darauf hin, dass der Grundsatzbeschluss für den Bau eines Spielplatzes im Baumgarten bereits gefällt worden sei. „Es geht nicht mehr um den Platz, den haben wir bereits beschlossen. Es geht um die Gestaltung!“, betonte er. 

Sein Stellvertreter Niko Schulte zog schließlich mit einem Antrag zur Geschäftsordnung die Reißleine und beantragte ein Ende der Debatte und Abstimmung. Gegen den Bau des Spielplatzes in der vorgestellten Form sprach sich neben Böhm und Peresson auch Christian Schneider (Füssen-Land) aus.

Matthias Matz

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