In einer ruhigen Bürgerversammlung wird lediglich kurz über das Hopfener Strandbad gestritten

Kaum Aufreger-Themen in der Lechstadt

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Die Ablehnung des Bürgerbegehrens gegen den geplanten Neubau des Hopfener Strandbades durch den Füssener Stadtrat ist rechtens. Die Neubau-Gegner wollen nun ein zweites Bürgerbegehren versuchen.

Füssen – Nimmt man die Zahl der Besucher einer Bürgerversammlung als Gradmesser für die Zufriedenheit der Bürger, muss die Füssener Stadtverwaltung in diesem Jahr einiges richtig gemacht haben.

Mit rund 100 Bürgern kamen am Montagabend deutlich weniger ins Schützenhaus Roßmoos als in den Jahren zuvor und auch die Atmosphäre war spürbar entspannter als das ein oder andere Mal in der Vergangenheit. Und tatsächlich sorgten lediglich Harald Vauk und einige Hopfener für den einzigen Aufreger des Abends. Anlass war, wie nicht anders zu erwarten, der geplante Neubau des Gebäudes im Hopfener Strandbad. 

Wie bereits mehrfach berichtet, soll dort anstelle des jetzigen maroden Häuschens ein modernes Restaurant mit Kiosk, Umkleidekabinen und öffentlichen Toiletten entstehen. Einige zugezogene Anwohner halten die Pläne aber für überdimensioniert und hatten mit Hilfe von Harald Vauk, „Sprecher“ der „Aktiven Bürger“, ein Bürgerbegehren dagegen gestartet. Das hatte der Stadtrat aber als unzulässig abgewiesen, was das Verwaltungsgericht Augsburg am Montagnachmittag bestätigt hat (der Kreisbote berichtete am Mittwoch). 

Bürgermeister Paul Iacob (SPD) begrüßte am Montagabend die Entscheidung des Gerichts, bestätige sie doch die Haltung der Stadtverwaltung und des Stadtparlaments. „Die Ablehnung durch den Stadtrat war wohldurchdacht und die richtige Entscheidung“, sagte er. Noch nicht entschieden hat das Gericht allerdings über den Antrag der Gegner, dass Bebauungsplanverfahren einzustellen.

Empörte Neubau-Gegner

Doch kaum hatte Iacob seinen Vortrag beendet und die Diskussion frei gegeben, schnellten die Finger der Hopfener Neubau-Gegner in die Höhe. So kritisierte Herbert Bongardt lautstark, dass eine falsche und längst überholte Version des Bebauungsplanentwurfs für das Strandbad bei der vorherigen Präsentation gezeigt worden sei. Tatsächlich stellte sich heraus, dass der für die Powerpoint-Präsentation zuständige Pressereferent Felix Blersch aus Versehen einen veralteten Bebauungsplanentwurf genommen hatte. Trotzdem entrüstete sich Bongardt: „Was Sie hier machen, ist absolut falsch!“ 

Kritik äußerte auch Johannes Maruschek, ein weiterer Organisator des Bürgerbegehrens. Er forderte von Iacob eine Entschuldigung dafür, dass dieser in einer Pressekonferenz gesagt habe, die Neubau-Gegner hätten mit falschen Behauptungen Stimmung gemacht. „Sie haben uns gegenüber Vorwürfe erhoben, ohne uns die Möglichkeit zu geben, sich dazu zu äußern“, sagte er. Iacob entgegnete, dass er nicht Maruschek persönlich gemeint habe. „Aber bei dieser Unterschriftensammlung sind Statements geäußert worden, die irreführend waren.“ Auf Nachfrage Maruscheks, welche konkreten Falschbehauptungen geäußert worden seien, antwortete der Bürgermeister: „Es wurde gesagt, dass wir den Schilfgürtel und das Biotop zerstören.“ Bereits zuvor im Rahmen der Powerpoint-Präsentation hatte der Rathauschef allerdings klar gestellt: „Wir wollen natürlich nicht, dass das Biotop angegriffen wird!“ 

Gegen Veränderung

Sabine Thilemann, nach eigenen Angaben ebenfalls zugezogen, appellierte, dass Strandbad zu erhalten. „Ich hätte gerne, dass die Natur dieses Strandbades erhalten bleibt“, sagte sie. „Mich schmerzt diese Veränderung einfach.“ Außerdem wies sie auf die ohnehin angespannte Parkplatzsituation in Hopfen hin. „Die Parkplatz- und Verkehrssituation ist verzweifelt.“ Unter dem Applaus der Anwesenden fragte sie in Richtung Bürgermeister: „Warum können wir nicht den Charakter dieser schönen Stadt erhalten?“

 Durch den Neubau des Strandbad-Gebäudes werde sich der Charakter der Stadt nicht verändern, betonte dagegen Rathauschef Iacob. Er wisse aber durchaus um die schwierige Parkplatzsituation in dem kleinen Ort. Aber Hopfen sei bei Großstädtern als Urlaubsort nun mal beliebt, erklärte er. „Der Großstädter kommt nach Hopfen, weil es dort schön ist!“ Bei der ganzen Diskussion müsse man auch Verständnis für den Investor haben, appellierte Iacob. Man könne von diesem nicht verlangen, der Öffentlichkeit kostenlos Toiletten und Umkleidekabinen zur Verfügung zu stellen, ohne im Gegenzug durch ein Restaurant Geld zu verdienen. „Es muss sich für den Investor rechnen, dass er Toiletten und so weiter für die Öffentlichkeit baut!“

mm

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