Mehrfamilienhaus statt alter Villa?

Dieses Haus sollte abgerissen werden, um einem Mehrfamilienhaus Platz zu machen. Dieser Plan missfiel allerdings dem Bauausschuss, der den Antrag ablehnte. Foto: Knoll

Füssen – Wie weit geht die nähere Umgebung eines Hauses? Über diese Frage diskutierte kürzlich der Bauausschuss. Grund dafür war, ein Mehrfamilienhaus für das ein altes Haus weichen soll. Der Neubau passe in die Umgebung, urteilte Bauamtsleiter Armin Angeringer. Viele Stadträte sahen das anders.

Sechs Wohnungen sollen in dem dreigeschossigen Mehrfamilienhaus mit Flachdach entstehen, das zudem über eine Tiefgarage mit zehn Parkplätzen verfügen soll. Da es in diesem Bereich keinen Bebauungsplan gebe, müsse man sich an die umliegende Bebauung halten, erklärte Angeringer. Und dort gebe es beispielsweise im Furtenbachweg oder auch in der Glücksstraße ähnliche Häuser. Die „Vergleichshäuser sind über den Bergen bei den sieben Zwergen“, meinte Dr. Christoph Böhm (Bürger für Füssen). Denn schließlich solle das Haus mitten in einem von Villen und Landhäusern geprägten Gebiet entstehen. So beurteilte auch Stadtrat Magnus Peresson (UBL) die Situation: „Die Empfehlungen von Herr Angeringer gehen mir zu weit. Füssen ist eine alpine Stadt mit Besonderheiten. Die Touristen kommen nicht, weil wir so schöne Flachdächer haben.“ Diese Ecke Füssens sei in den 1920er Jahren ein reines Villenviertel gewesen und Ansätze davon seien noch vorhanden. „Das Landratsamt wird nicht ganz so locker eine Baugenehmigung geben, wie Sie das tun, Herr Angeringer“, fügte Peresson hinzu. Die Optik spiele bei „nachbarschaftlichen Belangen“ keine Rolle, da seien Abstandsflächen wichtig, erklärte Angeringer. In diesem Punkt müsse man den Bauwerbern vertrauen, dass „so gebaut, wie geplant wird“. Wenn man ohne konkrete Forderungen den Antrag einfach ablehne, kriegen man ihn „wieder rein“, meinte Bürgermeister Paul Iacob. „Den Erhalt dieses Gebäudes werden wir wahrscheinlich nicht erreichen“. Zudem bestehe die Gefahr, dass eine Ablehnung ohne Grund zu Schadensersatzforderungen führen könne, fügte der Bauamtsleiter hinzu. Da es sich hierbei um eine Ermessensfrage handle, bräuchte die Stadt keine Angst davor zu haben, meinte Dr. Anna Derday. Denn hier stelle sich die Frage, ob man zur näheren Umgebung die direkte Nachbarschaft oder ein größeres Gebiet zähle. Ihre Sorge sei die Höhenentwicklung. Denn wenn das Mehrfamilienhaus komme, werde es neben den niedrigeren Nachbargebäuden „auffällig sein“. Anderer Meinung war hingegen Jürgen Doser (FW). Wer vor Ort gewesen sei, wüsste, dass die „Gegend keinen Villencharakter mehr hat“, sagte er. Einerseits wolle man eine stadtnahe verdichtete Bebauung, in dem Fall sei man aber dagegen. Außerdem sei Schönheit subjektiv, hier habe man einfach keine konkreten Argumente gegen den Bau. Auch Ilona Deckwerth (SPD) bat darum den „persönlichen Geschmack“ zurückzustellen und dem Bauwerber auf seinem Grundstück Freiheit zu lassen. Damit stieß sie jedoch auf taube Ohren: Mit 6:4 Stimmen lehnte der Ausschuss den Bauantrag ab. kk

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