"Es ist heftig, was da passiert"

Ostallgäuer Schulleiter wegen Unterschlagung verurteilt

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Die Staatsanwaltschaft hat den suspendierten Schulleiter wegen Unterschlagung von Schulgeld zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig. Ein Disziplinarverfahren gegen den Mann steht allerdings noch aus.

Landkreis – Wegen Veruntreuung von Schulgeldern wurde jetzt der Leiter einer Schule im Ostallgäu verurteilt. Nach Informationen unserer Zeitung hob er Geld für ein Schulprojekt ab, das er nur wenige Tage später aber wieder zurückzahlte.

Weil ihm dabei allerdings ein Fehler unterlief, bekam er jetzt eine Bewährungsstrafe von elf Monaten aufgebrummt und muss darüber hinaus noch eine Geldauflage in vierstelliger Höhe zahlen.

 „Es ist heftig, was da passiert“, sagt der Schulleiter. Vor rund zwei Jahren habe er einen niedrigen vierstelligen Betrag vom Schulkonto abgehoben, um damit die Teilnahme seiner Schule an einem bayernweiten Schulprojekt zu finanzieren. Der Projektträger sollte die Summe später erstatten. Der Rektor zahlte das Geld zeitnah wieder zurück. Eigentlich ein beinahe alltäglicher Vorgang im Schulbetrieb.

 Denn über das Konto finanziert die Schule beispielsweise auch Ausflüge. Doch in diesem Fall unterlief dem Schulleiter ein Fehler: Er habe den Vorgang nicht schriftlich belegt. „Ich wusste nicht, dass ich das schriftlich belegen muss“, erklärt er. Das wurde dem Mann schließlich zum Verhängnis: Bei der Staatsanwaltschaft in Kempten ging eine Anzeige ein, worauf die Polizei ermittelte. 

Die Folge: Der Schulleiter wurde wegen Veruntreuung angeklagt – und zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten und einer Geldauflage in vierstelliger Höhe verurteilt, wie Ferdinand Siebert von der Kemptener Staatsanwaltschaft vergangene Woche auf Nachfrage des Kreisbote bestätigte.

 Es ist eine Strafe, die der Schulleiter aus Rücksicht auf seine Schule akzeptiert hat, so sein Rechtsanwalt. „Er wollte nicht, dass ein schlechtes Licht auf seine Schule fällt, wenn er seine Rechte in einer öffentlichen Hauptverhandlung wahrnimmt.“ Diese Entscheidung traf sein Mandant, obwohl niemand zu Schaden gekommen sei. „Ich habe das Geld nicht veruntreut, es nicht für mich verwendet, sondern sofort zurückgezahlt“, betont auch der Schulleiter im Gespräch mit unserer Zeitung. „Da sehe ich keine Schuld.“

Mit dem Urteil ist für ihn die Sache aber noch nicht ausgestanden. Derzeit ist er vom Dienst suspendiert, wie das Landratsamt Ostallgäu und die Regierung von Schwaben in Augsburg auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte. Da er Beamter ist, kommt auf ihn jetzt noch ein Disziplinarverfahren zu. „Wir wollen nun den Ausgang des Disziplinarverfahrens abwarten“, erklärt sein Anwalt. Die für das Disziplinarverfahren zuständige Regierung von Schwaben wollte sich dazu nicht äußern.

Geschockte Eltern

Ein ehemaliges Mitglied des Elternbeirats zeigte sich im Gespräch mit dem Kreisbote entsetzt über die Suspendierung des Rektors. „Es ist sehr schade, dass eine moderne, talentierte Führungskraft wegen eines dummen Fehlers so vorgeführt wird“, sagte die junge Frau gegenüber dem Kreisbote. Unwissenheit schütze zwar nicht vor Strafe, aber in diesem Fall habe die Schule „eine ausgezeichnete Führungskraft“ verloren, die sich immer mit Herzblut für Schüler und Kollegen eingesetzt habe, so die Frau weiter.

Katharina Knoll/Matthias Matz

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