Richard Hartmann vom "D`Neuschwanstoaner Stamm" spricht über die Wiederbelebung des "Fiassar Gwands"

Ein "besonders schönes Häß"

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Richard Hartmann

Füssen – Ab kommendem Sonntag, 19. Februar, wird die 300 Jahre zurück liegende Weihe der Basilika St. Mang gefeiert. Ende Juli ist Füssen schließlich Schauplatz für das dreitägige 90. Gaufest des Oberen Lechgau-Verbandes.

Wie Richard Hartmann, Sprecher des Hauptvorstands des vor 117 Jahren gegründeten Vereins „D`Neuschwanstoaner Stamm“, erklärt, werden die beiden Großveranstaltungen auch im Zeichen einer „Wiederbelebung des historischen „Fiassar Gwands“ stehen. 

Dieses „Gwand“ wurde, so Hartmann, „wohl um 1850 getragen“. Heuer werden es Vereinsmitglieder – „zunächst als kleinere Truppe“ – als neu geschneidertes Festgwand der Öffentlichkeit vorstellen. Beim Gottesdienst am kommenden Sonntag, 19. Februar, 10.30 Uhr, in der Stadtpfarrkirche St. Mang sind auch Sie mit ihren Vereinsmitgliedern dabei, wie so oft bei großen Veranstaltungen.

 Trifft es denn tatsächlich zu, dass dieser Gottesdienst in Füssen im historischen „Fiasssar Gwand“ besucht wird? 

Hartmann: „Ja! Unsere Freude darüber ist groß. Aus Anlass des Jubiläums werden wir erstmals unser Schatzkästlein öffnen und im Gotteshaus nicht allein in der weiß-blauen Allgäuer Gebirgstracht, sondern eben auch im neuen-alten Fiassar Festtagsgwand erscheinen.“ 

Das soll, wie man weiter hört, nicht einmalig bleiben? 

Hartmann: „Ja, das stimmt! Interessierte Füssenerinnen und Füssener sind herzlich willkommen, in Zukunft mitzumachen ohne dass Vereinszwang herrscht. Wir setzen mit unserer Arbeit seit über 100 Jahren immer wieder besondere und neue Impulse, die mit unserer Heimat, unserem Brauchtum und unseren Bräuchen zu tun haben, ohne dabei zwanghaft traditionell zu sein. So eben auch mit diesem Projekt zu dem es ab März spezielle Kurse in der Volkshochschule Füssen gibt. Hier lernt man das Wissen zu Herkunft und Bedeutung dieser festlichen Kleidung für unsere Region. Damit tragen wir dazu bei, Stadtgeschichte lebendig zu machen und können so ganz nebenbei Werte unserer Vorfahren an die nächste Generation weiter geben.“ 

Leiten Sie selbst dieses Angebot des Partners Vhs? 

Hartmann: „Hier gilt zuerst ein Dank an Petra Schwartz von der vhs, die spontan begeistert war von diesem Projekt. Für die Nähkurse der Damenkleidung haben wir zum großen Glück unter anderem Markus Hippold. Der Allgäuer Trachtenschneider und Staatlich anerkannte Modedesigner informiert die Kursteilnehmer über die Geschichte des Gwands und leitet die Kursreihe. Für den Radhauben-Kurs konnten wir Monika Hoede, Leiterin der Trachtenkulturberatung des Bezirk Schwaben, gewinnen.“ 

Mit welchem Ziel? 

Hartmann: „Unter Anleitung erstellen die Kursteilnehmer ihr maßgeschneidertes Fiassar Gwand. Die Teilnehmer können sich selbst den Stoff aussuchen, der ihnen gut gefällt. Danach wird Maß genommen und die Schnitte erstellt. Hier steht uns dankenswerterweise Frau Hoede mit fachlichem Rat und Tat zur Seite. So ist fürs Fiassar Gwand die Fachkompetenz gewährleistet.“

Ist dieses Gwand ein- oder mehrteilig? 

Hartmann: „Das Fiassar Gwand für den Herren besteht aus lederner Kniebundhose, Weste, Gehrock und Stopselzylinder. Die schöne Füssnerin kleidet sich ein mit Rock, Schürze, Spenzer, Mieder und dem so genannten Wiener- oder Türkentuch.“ 

Entschuldigung: Aber was ist eigentlich ein Spenzer? 

Hartmann: „Der Spenzer ist ein wunderschönes und sehr kleidsames Kleidungsstück, das jeder Frau schmeichelt. Die hoch geschlossene, eng anliegende Jacke mit langen Ärmeln wird am Rücken in Taillenhöhe mit einem Zierschoß zusätzlich ausgeschmückt.“ 

Woher weiß man verlässlich, wie das wohl um 1850 getragene Gwand ausgesehen hat. Auf welche Quelle können Sie sich dabei berufen? 

Hartmann: „Bereits vor hundert Jahren gab es Bestrebungen, neben der ländlich geprägten Allgäuer Gebirgstracht eine typische Bürgertracht zu gestalten. Vor fast zwanzig Jahren begann ich, mich für dieses Thema zu interessieren und habe in Folge mein Wissen aus Büchern, Sammlungen und Museen erworben. Große Hilfestellung erfuhr ich durch Frau Hoede und ihren oberbayerischen Kollegen Alexander Wandinger. Das Stadtcafe sowie unser Stadtmuseum verfügen darüber hinaus über Originalgemälde und Zeichnungen aus der Zeit. So sind wir in der Lage, aus diesen Vorlagen Schnitte und Modelle zu gestalten, die historisch weitestgehend authentisch, dabei aber zeitgemäß und tragbar für unseren heutigen Gebrauch sind.“

 Einer Ihrer größten Wünsche fürs Vereinsjahr?

 Hartmann: „Zum 90. Gaufest Ende Juli, das wir als Festverein für wahrscheinlich mehr als 4000 Trachtler ausrichten, wäre es eine ganz große Freude, wenn sich viele Füssnerinnen und Füssener – ohne Vereinszwang – für ihr wieder belebtes Fiassar Bürger-Gwand begeistern und dieses besonders schöne ‚Häß‘ an den kommenden Festtagen und darüber hinaus tragen. Es gibt genug Anlässe im Jahr, um diese besondere Kleidung auszuführen, mit der wir einen starken Bezug zu unserer schönen Lechstadt schaffen.“ 

Infos zu den Kursen bei der Füssener vhs (Katalog und Homepage).

Chris Friedrich

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