Die Füssener Tracht beleben

Eine Haube aus der gekauften Sammlung begutachten Richard Hartmann (links), Verein „D` Neuschwanstoaner“, Monika Hoerde (rechts), Leiterin Trachtenberatungsstelle, Bürgermeister Paul Iacob und Schneidermeisterin Claudia Krämer. Foto: cf

Füssen – Gelingt die „Wiederbelebung der historischen Füssener Tracht“? Der Trachten- und Heimatvereins „D`Neuschwoanstoaner“ Stamm Füssen hat ein solches Projekt angestoßen. Als Vorlage dafür dienen historische Hauben, Kleider, Schürzen und Tücher, die der Verein vor kurzem erworben hat.

Laut Richard Hartmann aus dem Vorstand des Vereins sei von drei Gemälden, die „seit jeher im Füssener Café hängen“ die Inspiration ausgegangen, eine stattliche Tracht um 1890 wieder zu beleben. „Bildlich dargestellt sind Bürgerinnen in Festtagsgewändern.“ Einer „glücklichen Fügung“ sei es zu danken, „dass wir die Hauben und Tücher erwerben konnten, die fast authentisch zu den Gemälden auf den Bildtafeln im Stadtcafé passen. Es handelt sich hier um eine einzigartige Sammlung“, so Hartmann. Über die Trachtenberatungsstelle des Bezirks Schwaben wurde dieses Angebot dem traditionsreichen Verein bekannt. „Die Sammlung stammt aus einem Nachlass.“ Sponsoren ermöglichten den Ankauf. Den Preis gab Hartmann mit 2900 Euro an. Der geschätzte Wert liege bei 8000 Euro. 

Ziel sei, dass Füssenerinnen an Festtagen die alten Hauben und Tücher „leihweise öffentlich präsentieren“. Sie könnten als Vorbild dazu anregen - unter Anleitung - eine eigene Tracht zu nähen, die deshalb gern getragen werde, weil hier der eigene Geschmack ebenfalls einfließen könne. Geplant ist ein Nähkurs im Programm der Volkshochschule Füssen, geleitet von der Schneidermeisterin Claudia Krämer. Ihre Werkstatt auf dem Gelände der früheren Hanfwerke hat für die beiden Ludwig-Musicals gearbeitet. Krämer ist spezialisiert auf Aufträge, die historisch orientiert sind. 

Bei einer Veranstaltung im Stadtcafé wurde die Sammlung präsentiert. Sie besteht aus unterschiedlich großen Hauben, Kleidern und Schürzen sowie einigen ebenfalls gut bis sehr gut erhaltenen Tüchern aus Seide mit Handstickereien und Goldborten. „Durch die spontane Zusage, uns hier zu unterstützen, konnten wir mit Mitteln der Stadt Füssen des Landkreises Ostallgäu und der Sparkassenstiftung Allgäu diese Sammlung erwerben“, sagte Hartmann. „Sie bildet die Basis zur Wiederbelebung der historischen Füssener Tracht.“ Aufbewahrt wird die Sammlung im Alten Feuerhaus am Füssener Schrannenplatz, wo der Verein zuhause ist, dessen Fusion mit dem 1910 gegründeten „Almrausch“ ansteht. 

Mit dann zirka 350 Mitgliedern zähle die Vereins-Verbindung mit dem Namen „D` Neuschwanstoaner Stamm und Almrausch Füssen“ zu den großen Trachtenvereinen in Bayern. In Füssen könne sich der gemeinsame Verein „auf das Gründungsjahr 1900 berufen“, so Hartmann. Er unterstrich: „Wir Trachtler leben nicht nur aus der Vergangenheit und der Weitergabe von tradierten Werten. Wir hinterfragen die Vereinsarbeit regelmäßig und erweitern sie mit zukunftsorientierten Ideen.“ Es gehe bei der Trachten-Belebung vor allem auch darum, „in der zunehmend unpersönlicher gewordenen Welt den Menschen aus allen Altersgruppen ein Gefühl für Heimat und Bodenständigkeit zu vermitteln“, erklärte Hartmann. 

In diesem Zusammenhang steht ein Aufruf. „Um sicher zu stellen, dass die wiederbelebte historische Tracht tatsächlich dem entspricht, was vor gut 150 Jahren in Füssen getragen wurde“, wird um aktive Mithilfe gebeten. Gesucht werden Gemälde, die Familien aus dem Zeitraum zwischen 1840 bis 1900 zeigen. Diese und andere Quellen, die natürlich weiterhin im Besitz der Familien bleiben werden, dienen laut Hartmann dann als Vorlage für Schnittmuster. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Das Ziel sei laut Hartmann, diese besondere Bekleidung erstmals zum Gaufest 2017 zu zeigen. Der Obere Lechgau-Verband lädt hierzu in die Lechstadt ein. Der Obere Lechgau-Verband repräsentiert insgesamt 23 Ostallgäuer Vereine mit über 5000 Trachtlern. cf

Meistgelesen

Derblecken auf hohem Niveau
Derblecken auf hohem Niveau
"Wichtiger als der Karneval"
"Wichtiger als der Karneval"
Rückzug mit Ansage
Rückzug mit Ansage
Stadt will in Straßen investieren
Stadt will in Straßen investieren

Kommentare