Doppelter Einsatz

Bereit zum Aufnehmen am Bergetau: Ein Arzt (rechts), ein Bergwachtler (links) und die Patientin (im gelben Luftrettungssack hinter dem knienden Helfer) sind bereits im Zentralpunkt eingehängt. Der Rettungsassistent im Hintergrund weist den Hubschrauber ein. Foto: Bergwacht

Nachdem die Dienstmannschaft der Kaufbeurer Bergwacht am vergangenen Sonntag in aller Frühe den neuen Klettersteig am Tegelberg begangen hatte, um sich mit den eingerichteten Rettungspunkten vertraut zu machen, sah es zuerst bei bewölktem Wetter nach einem ruhigen Tag aus. Doch weit gefehlt: Zwei parallele Einsätze am Tegelberg beziehungsweise am Säuling verlangte den Rettern schließlich einiges ab.

Gegen 14 Uhr wurde von der Integrierten Leitstelle (ILS) eine abgestürzte Person am Gradweg, der vom Tegelberg zur Marienbrücke oberhalb des Schlosses Neuschwanstein führt, gemeldet. Da zu dieser Zeit wegen mehrerer Unfälle im Allgäu kein Rettungshubschrauber verfügbar war, begab sich ein Rettungstrupp zu Fuß von der Bergstation zum Unfallort. Ein glücklicher Umstand ergab, dass ein Kamerad der Füssener Bergwacht in der Nähe der Unfallstelle war und so sehr früh über die genaue Lage informieren und bereits Erste Hilfe leisten konnte. Was war geschehen? Eine Frau war etwa auf halber Höhe vom Tegelberg ins Tal, wo der Weg in einer steilen Flanke in Serpentinen verläuft, gestolpert und etwa zwölf Meter abgestürzt. Dabei hatte sie sich einen Knöchelbruch, eine Kopfplatzwunde sowie zahlreiche Prellungen zugezogen. Dem beherzten Eingreifen eines Bergsteigers, der sie auf dem unteren Weg festgehalten hatte, hat sie es zu verdanken, dass sie nicht weiter abstürzt war. Nachdem inzwischen wieder ein Hubschrauber einsatzbereit war, sah es zunächst nach einem schnellen Abtransport aus. Der Helikopter RK2 aus Reutte überflog zuerst zur Orientierung die Unfallstelle und landete dann im Tal, um das Bergetau zu montieren. Eine neue Unfallmeldung der ILS von einem Absturz am Säuling unterhalb der Gamswiese änderte jedoch diesen Plan. Da hier eine bewusstlose Person gemeldet wurde, hatte dieser Einsatz Vorrang. Ein Bergwachtler aus Füssen und ein Rettungsassistent der Hubschrauberbesatzung konnten oberhalb der Unfallstelle am Säuling im Schwebeflug aussteigen und die verletzte Frau, die sich bei einem Sturz im Abstieg schwere Kopfverletzungen zugezogen hatte, versorgen. Der Hubschrauber nahm die Mannschaft mit der Verletzten im Luftrettungssack mit dem Bergetau direkt am Unfallort auf und flog direkt ins Krankenhaus Füssen. Nun konnte der Hubschrauber wieder den Tegelberg anfliegen und einen weiteren Retter mit dem Luftbergesack am Tau hängend absetzen. Doch schon tat sich da nächste Problem auf: Da die Maschine schon mehrere Einsätze am Stück absolviert hatte, war ein Auftanken unaufschiebbar geworden. Während dieser weiteren Verzögerung verschlechterte sich der Zustand der Patientin am Tegelberg, so dass nach der Rückkehr des Hubschraubers zuerst der Notarzt abgesetzt wurde, der eine Schmerztherapie einleitete. Nach insgesamt fast drei Stunden wurde die Frau in Begleitung des Arztes, Rettungsassistenten und eines Bergwachtlers ins Tal geflogen. Unfallzeugin in Panik Doch damit nicht genug: Eine Frau die den Unfall beobachtet hatte, bekam Höhenangst und Panikattacken und wurde parallel von der Bergwacht betreut und ins Tal begleitet. Da der Weg wegen der Enge und exponieren Lage am Unfallort die gesamte Zeit blockiert war, und sich der Abtransport immer wieder hinauszögerte, wurde den wartenden Wanderern viel Geduld abverlangt. Schließlich begleitete die verbleibende Bergwachtmannschaft die Ange- hörigen der Abgestürzten ins Tal.

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