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Vortrag in Pfronten: Fleischessen gefährdet den Regenwald

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Dr. Rainer Putz
Dr. Rainer Putz © privat

Pfronten – „Was hat der Regenwald eigentlich mit mir zu tun?“ Diese Frage beantwortete der Biologe Dr. Rainer Putz jetzt im „Haus des Gastes” in Pfronten.

Eingeladen hatte den Gründer des Freiburger Regenwald-Instituts die Faire Gemeinde Pfronten. Dr. Putz war selbst drei Jahre lang mit Forschungsaufgaben im Regenwald im Amazonasgebiet unterwegs.

Anschaulich verdeutlichte Putz die Bedeutung des Regenwaldes als gigantische Klimamaschine. Er sei maßgeblich verantwortlich für die Niederschlagsverteilung auf der ganzen Welt und binde Unmengen an CO2. Ein einziger Baum verdunste täglich ca. 1000 Liter Wasser aus dem Boden in die Atmosphäre. Bis zu 40 Prozent des Atlantikwassers stamme allein aus Amazonien.

Dazu sei der Regenwald ein Hort der Artenvielfalt: Drei Viertel der Arten lebten dort, wovon nur ca. 20 Prozent bekannt seien. Manche Arten seien so speziell, dass sie nur auf einem Baum vorkämen. Bis zu 400 verschiedene Baumarten gebe es pro Quadratkilometer.

Nicht zuletzt liefere der Regenwald wichtige Grundstoffe für nahezu 75 Prozent der Medikamente.

Die Bedeutung des Waldes für die ganze Welt sei also eminent. Und trotzdem sei in den vergangenen 50 Jahren ein Viertel der Wälder zerstört worden. Dafür gebe es hauptsächlich zwei Gründe, erklärte Putz: Zum einen werden die sehr sensiblen und spezialisierten Ökosysteme durch eine Häufung von Dürren und Überschwemmungen zerstört oder massiv beschädigt.

Durch den Klimawandel habe es allein in den vergangenen 15 Jahren sechs Dürre- und Sintflut-Katastrophen im Wechsel gegeben. Es gebe Berechnungen, nach denen bei einer Zerstörung von 40 Prozent ein Kipppunkt erreicht sei. Die Wälder könnten sich dann nicht mehr am Leben halten.

Zum anderen verursache die Land- und Forstwirtschaft riesige Zerstörungen. Vor allem durch die massiven Brandrodungen würden große Waldflächen vernichtet. Der Boden sei in diesen Wäldern sehr nährstoffarm. Die Brandrodung sei mit wenig Aufwand zu bewerkstelligen und dünge den Boden durch die Asche.

Danach sei mit Hilfe weiterer massiver Düngung für zwei bis drei Jahre der Anbau von hauptsächlich Soja oder Kakao möglich. Danach sei der Boden aber biologisch tot. Zurück bleibe eine Steppenlandschaft. Hauptverantwortlich für den massiven Sojaanbau sei der nach Ansicht Putz‘ viel zu hohe Fleischverbrauch.

Schließlich verschärfe die politische Situation in Brasilien die Lage. Präsident Bolsonaro habe viele Schutzmaßnahmen heruntergefahren, unterstütze die Rodungen und verhindere die Verfolgung von Straftaten. Nachdem bei den kommenden Wahlen ein Regierungswechsel möglich erscheine, sei die Zahl der Brandrodungen hochgeschnellt. Viele wollten die momentane laxe Situation noch ausnutzen.

Dringender Appell

Putz brachte drastisch zum Ausdruck, wie sich die Weltlage ohne Regenwälder verändern würde: Dramatische weitere Klimaveränderungen, humanitäre Katastrophen, Flucht und Völkerwanderungen aus unbewohnbaren Weltregionen, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellten, das Ende der bekannten Landwirtschaft, sowie große politische und wirtschaftliche Verwerfungen. „Mit jedem Schnitzel essen wir ein Stück Regenwald“, so Dr. Putz. Jeder könne deshalb mit bewussterem Konsumverhalten einen Beitrag zum Erhalt des Regenwaldes leisten.

Außerdem gebe es zahlreiche Projekte, die man unterstützen könne. Das Regenwald-Institut etwa habe ein Projekt zur Vermarktung von wildem Kakao ins Leben gerufen. Dieser werde von den Menschen vor Ort von Hand im Wald gesammelt und über das Projekt weiterverarbeitet und vermarktet.

Die Produkte werden vom „Regenwaldladen“ vertrieben und könnten etwa in Weltläden gekauft werden. Die Menschen, die im Regenwald leben, hätten dadurch ein Auskommen und würden zum Erhalt der Wälder beitragen.

Mit Spenden und Sponsoren konnte das Regenwald-Institut eine größere Waldfläche kaufen und schützen. Damit soll auf längere Sicht praktisch bewiesen werden, dass intakter Regenwald wertvoller ist als Rodungen oder Holzschlag.

Sichtlich beeindruckt von der Fülle an Informationen und dem lebendigen Vortrag gab es beim Publikum anschließend eine Reihe an Fragen, die Dr. Putz umfassend beantwortete.

Wolfgang Neumayer von der fairen Gemeinde Pfronten verband seinen Dank an die Gäste und an Rainer Putz mit der Bitte, das Wissen über die Regenwälder unbedingt über das „Haus des Gastes“ hinaus weiter zu verbreiten.

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