Politik und Pizza

Witzige Fragerunde im Füssener JuFo mit den Bürgermeisterkandidaten

+
Moderator Thomas Scheibel (rechts) mit den Bürgermeister-Kandidaten Christine Fröhlich (v.l.), Maximilian Eichstetter und Erich Nieberle auf der Bühne des Füssener JuFo.

Füssen – „Junge Leute kommen nicht zu einer traditionellen Wahlveranstaltung wie der in Hopfen“, so eine Stimme aus dem Publikum im Jugendzentrum.

Dass sich Jungwähler so distanziert gegenüber dem klassisch geführten Wahlkampf verhalten, wissen die drei Kandidaten, die Paul Iacob (SPD) als Bürgermeister im März beerben wollen. Logischer Schritt beim langen Anlauf in Richtung Bürgermeisterbüro deshalb: Christine Fröhlich (Freie Wähler), Maximilian Eichstetter (CSU) und Erich Nieberle (SPD) nahmen am Samstagnachmittag an einem Frage- und Antwortspiel im Jugendzentrum Jufo teil. 

Gebannt lauschen die Zuhörer den Ausführungen der drei Kandidaten auf dem Podium.

Der Kreisjugendring (KJR) Ostallgäu, vertreten durch den Sozialpädagogen Mirko Zeisberg und seiner Kollegin Anna Heiland von der Projektstelle „What`s UP?“ – Aktive Jugendbeteiligung im ländlichen Raum“, hatte als Veranstalter in Füssen auf eine neue Form im Umgang mit Lokalpolitikern gesetzt – und damit erfolgreich signalisiert, dass kommunale Themen auch andere als im traditionellen Stil seriös kommuniziert werden können.

Veronika Blumtritt als „Jury“ musste nur einmal eingreifen. Es handelte sich, wie sich sofort herausstellte, allerdings um ein Missverständnis. Ein Foul war allerdings nicht erfolgt. 

Sachpolitik statt Parteipolitik und dabei junge Projekte zu unterstützen, das versprachen die Kandidaten dabei während der rund eineinhalb Stunden dauernde Diskussion auf dem Podium. Weil politische Statements sich meist in die Länge ziehen, was dann zu Langeweile bei den Zuhörern führt, hatten die Veranstalter klare Regeln aufgestellt.

Jeweils eine Minute hatte jeder der drei Kandidaten pro Antwort, was wiederum nicht viel Zeit ist für Wahlkämpfer. Trotzdem entwickelte sich ein witziges Frage- und Antwortspiel, für das die Kandidaten am Ende viel Applaus von den rund 100 Zuhörern erhielten. 

Kaum Unterschiede

Freilich konnte man Moderator Scheibel gut verstehen, als er anmerkte: „Es freut uns, dass Ihr so nett zueinander seid!“ 

Will heißen: bei den viel diskutierten Füssener Themen wie Wohnen, Bau eines Hallenbads und – nicht zuletzt – der Stadtteil Weidach als Standort für das neue Jugendzentrum, gab es nur unwesentliche Unterschiede zwischen den Aussagen der drei Kandidaten. Einigkeit herrschte auch darüber, dass Füssen für junge, außerhalb der Stadtmauern gut ausgebildete Frauen und Männer attraktiver werden müsse. 

Maximilian Eichstetter unterstrich: im Weidach sollte die Chance bestehen, dass Jugendliche die Vereine kennenlernen könnten. Die bekämen, so der CSU-Kandidat, durch die aufgebauten Kontakte ihr Nachwuchsproblem besser in den Griff. 

Die Fragen an die Kandidaten hatte ein junges, unabhängiges Team zusammengestellt. Die Veranstaltung hatte hohen Unterhaltungswert. Die Persönlichkeit der Kandidaten besser einschätzen zu können als nach Lektüre der ausliegenden Hochglanzwerbebroschüren, dürfte damit gelungen sein. 

Alle Drei übrigens stellten aus ökonomischen und ökologischen Gründen das Plakatieren in Frage. Der Versuch, auf junge Wähler sympathisch zu wirken, drückte sich nicht zuletzt auch in der gewählten Bekleidung aus. Fröhlich kam ins Jufo mit jugendlich modischem Blazer. Eichstetter verzichte aufs Jackett und zeigte dem Publikum ein hochgekrempeltes Hemd. Nieberle hatte sich einen Kapuzenpulli übergezogen. 

Vier-Augen-Gespräche

 Am Rande der Veranstaltung, die eigentlich noch mehr jugendliche Teilnehmer hätte anlocken sollen, wie zu hören war, wurde angeregt, dass die Lehrer ihre Schüler in sachlicher Form für Politik interessieren sollten. Die jungen Wähler nutzten nach der Diskussion die Gelegenheit zum Vier-Augen-Gespräch mit dem Kandidaten-Trio. 

Wer nicht nur hungrig auf Infos aus erster Hand war, wurde vom Team des Jufo-Leiters Stefan Splitgerber mit Pizzastücken versorgt. Unterm Strich gelang es Moderator Thomas Scheibel, der Veranstaltung einen Stempel aufzudrücken, der eines dokumentiert: bei Themen der kommunalen Politik kann Klartext gesprochen werden.

cf

Auch interessant

Meistgelesen

Füssen: Mehrere Fahrer unter Drogen am Steuer unterwegs
Füssen: Mehrere Fahrer unter Drogen am Steuer unterwegs
Corona-Krise: Situation der Füssener VHS hat sich entspannt
Corona-Krise: Situation der Füssener VHS hat sich entspannt
Möglicher Enterokokken-Befall: Füssener müssen ihr Leitungswasser vorerst abkochen
Möglicher Enterokokken-Befall: Füssener müssen ihr Leitungswasser vorerst abkochen
Mittelaltermarkt in Füssen: "Zu Ehren des Kaisers"
Mittelaltermarkt in Füssen: "Zu Ehren des Kaisers"

Kommentare