Glücksboten auf dem Hohen Schloss

Drei Weißstörche besuchen Füssen

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Seltener Anblick: drei Störche machen es sich auf dem Dach des Hohen Schlosses bequem.

Füssen – Das erste Mal seit wohl fast 100 Jahren waren jetzt drei Störche auf dem Storchenturm am Hohen Schloss in Füssen zu sehen. Der Turm war über Jahrhunderte die Heimat von Störchen. Aus diesem Grund setzte sich in der Bevölkerung der Name Storchenturm durch.

Der Turm wurde in frühen Bauakten auch Hohes Haus genannt, weil dort zeitweise der Landesherr, der Bischof von Augsburg, residierte. Auf einer Füssener Stadtansicht, die im Jahr 1572 entstanden ist, trägt das Dach des Storchenturms zwei Storchennester. 

Da der Storch in vielen Kulturen und Religionen als Glücksbringer galt, versuchten Menschen zu allen Zeiten die stolzen Vögel an das Haus zu binden, indem sie ihnen den Nestbau erleichterten. Dazu befestigten sie in der Regel auf hohen Dächern Wagenräder, deren Naben sie über eine geschmiedete Stange schoben, die mit dem Dachwerk verbunden war. 

Das taten die Menschen auch am Hohen Schloss. In einer waghalsigen Aktion – ohne schützendes Gerüst – setzten die Füssener das letzte Mal 1922 ein Wagenrad auf den First des Storchenturmes. Einer mündlichen Überlieferung zufolge waren es der namentlich noch bekannte Maurerpolier Pietro Leonardo Peresson aus Friaul und ein anonymer Maurer, die ein Wagenrad vom Schlosshof auf den südlichen Giebel zogen. Von dort schafften sie es zum nördlichen Firstgiebel, einem Platz, der vermutlich siebzig Meter hoch über der Ritterstraße liegt. Die beiden schwindelfreien Männer gingen dabei links und rechts des Firstes über das extrem steile Dach und trugen das Rad, das ihnen Halt gab, bis zum vorgesehenen Platz. 

Kurzes Gastspiel

In den Jahren danach blieben jedoch die Störche aus, vielleicht auch deshalb, weil sich niemand mehr fand, der das Wagenrad ohne Sicherung ersetzte. Denn Wind und Wetter hatten es über die Jahre zerstört. 

In diesem Jahr gaben gleich drei Störche ein etwa zwei Stunden langes Gastspiel auf dem Hohen Schloss. Bevor die Drei mit elegantem Flügelschlag Füssen verließen, wechselten sie für kurze Zeit auf das Turmdach von St. Mang und leisteten dort dem vergoldeten Wetterhahn Gesellschaft.

mp

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