Der Druck ist weg

Die Bahnhofsstraße wird vorerst so bleiben, auch der von Freyberggarten (links) wird nicht durchstochen. Foto: Schuster

Es war eine zähe Diskussion, die Bürgermeister Paul Iacob vorvergangenen Mittwoch leitete. Unter dem Tagesordnungspunkt „Westliche Innenstadterweiterung mit Bahnhof Füssen“ bei dem der Sachstand abgefragt und mögliche Beschlüsse gefasst werden sollten, wurden Jahre der Diskussion und Planungen, nicht zuletzt aber auch Konfliktpotential zu Grabe getragen. Mit fünf Gegenstimmen der CSU entbanden die Stadträte Bürgermeister und Verwaltung von der Vorgabe, das dreistufige Verkehrskonzept umsetzen zu müssen.

Es sollte der Motor für die Entwicklung in der westlichen Innenstadt Füssen werden, das dreistufige Verkehrskonzept zur Entlastung der Kemptener Straße. Der Ausbau der Ottostraße, der Freyberggarten-Durchstich, der Aus- und Umbau der Bahnhofstraße und des Vorplatzes inklusive ein neue Busbahnhof (ZOB) . In einer gut einstündigen „Vergangenheitsbewälti- gung“, Ulli Pickl (SPD), diskutierten die Räte die diversen Entwicklungen und Fakten. Zuvor hatte Stadtbaumeister Theo Fröchtenicht noch einmal die Planungen Revue passieren lassen, die sich in der Hauptsache um den Bahnhof und dessen Neubau drehten. Nun aber, so Paul Iacob, sei der Druck, der seinerzeit durch diese Planungen entstanden sei, weg. Die IdealMobil AG, zur Zeit noch Besitzer des historischen Bahnhofs, will diesen verkaufen. Interessenten gibt es bereits, neue Planungen für das Gebäude seien noch offen, so Iacob, der in Verbindung mit den möglichen Investoren, darunter auch einem Füssener, steht. Wichtig vor allem: alle möglichen Käufer würden auch akzeptieren, dass vorerst keine Veränderung in der Verkehrssituation rund um den Bahnhof vorgenommen wird, so Iacob. Stillstand in den Planungen herrscht, seitdem das Konsortium um das Luitpoldpark-Hotel eine Normenkontrollklage angekündigt hat im Zuge des Durchstiches durch den Freyberggarten. Das war auch einer der zentralen Punkte der Diskussion. Während einige Räte der Ansicht waren, man sollte so oder so Rechtssicherheit suchen, zeigten Verwaltung und Bürgermeister auf, dass man ein ähnliches Verfahren schon durch habe, in Faulenbach etwa, Ausgang ungewiss, ebenso die Dauer. Gewiss sei nur, dass damit wieder enorme Kosten auf die Stadt zukommen. Aber auch ein anderer Faktor spricht gegen das einstige Vorzeigeprojekt: die Kosten. Die beliefen sich seinerzeit auf etwa 6,6 Millionen Euro, von denen die Hälfte, so hieß es immer wieder, durch Fördermittel gedeckt wären. Abgesehen davon, dass die Stadt nicht einmal die 3,3 Millionen Euro aufbringen kann, stellte Kämmerer Helmut Schuster fest, dass vielleicht gerade einmal eine halbe Million Euro Fördergelder eingegangen wären. Das allerdings seinerzeit bei einer über 70-prozentigen Förderquote, die mittlerweile bei 60 Prozent liegt, was für Ernüchterung bei vielen Räten sorgte. Die Frage, so brachte es einer der Räte auf den Punkt, sei doch: wolle man einem Ferrari hinterher träumen oder versuchen, den VW-Käfer zu realisieren? Auch Bürgermeister Iacob hatte immer wieder dafür geworben, die Vergangenheit ruhen zu lassen und den Weg für neue Planungen frei zu machen. Mit einem Antrag versuchte Ursula Lax für die CSU, die alten Planungen vorerst nur in die Schublade legen zu lassen, scheiterte damit aber an der Mehrheit der Räte. Diese sprachen sich dafür aus, das dreistufige Verkehrskonzept fallen zu lassen. Nun soll als nächstes der Bahnhof angegangen werden, fest steht auch der Wille, die jetzige Verkehrssituation zu verändern und zu verbessern.

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