Vor allem Fußgänger und Radler sind in tödliche Unfälle verwickelt

Weniger Unfälle, mehr Tote

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Bei diesem schweren Lkw-Unfall in Lechbruck Anfang Dezember kam der Fahrer ums Leben — einer von insgesamt zehn im Ostallgäu bei Unfällen ums Leben gekommenen Verkehrsteilnehmern.

Kempten/Landkreis – Erstmals seit 2011 hat das für das Allgäu zuständige Polizeipräsidium Schwaben Süd/West im vergangenen Jahr wieder weniger Unfälle als im Jahr davor verzeichnet.

Mit insgesamt 24.940 Unfällen krachte es auf den Straßen im Allgäu nach Angaben der Kemptener Behörde im Jahr 2014 899 Mal weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der bei Unfällen tödlich Verletzten von 45 auf 50 – der höchste Wert seit 2011. Hier bereiten vor allem die vielen ums Leben gekommenen Fahrradfahrer der Polizei Sorge. 

Minus 3,5 Prozent – das ist das Ergebnis für 2014 im Vergleich zum Vorjahr, betrachtet man die Gesamtunfallzahlen. „Dies stellt den ersten Rückgang seit 2011 dar“, so Polizeisprecher Christian Owsinski. Nach Einschätzung der Beamten dürfte der Rückgang aber vor allem mit dem milden Winter Anfang 2014 zusammenhängen. 

Im Landkreis Ostallgäu ging die Zahl der Unfälle von 3459 im Jahr 2013 auf 3346 im vergangenen Jahr zurück. Dabei wurden 808 Menschen verletzt ( + 60) und zehn getötet (+ 5). 

Diese Werte passen insgesamt ins Bild der nun vorliegenden Statistik für 2014: Die Zahl der bei Unfällen getöteten Verkehrsteilnehmer stieg im Bereich des Polizeipräsidiums im vergangenen Jahr von 45 auf 50. Damit liege die Zahl der Verkehrstoten zwar immer noch deutlich unter dem Mittelwert der vergangenen zehn Jahre, aber die Zahl der getöteten Fahrradfahrer hat sich mit 12 verdoppelt. Die Zahl der bei Unfällen ums Leben gekommenen Fußgänger stieg in 2014 von einem auf sechs. 

Der Großteil der tödlich verunglückten Verkehrsteilnehmer war über 74 Jahre alt. „Von ihnen wurde der Unfall mehrheitlich selbst verursacht“, so Polizeisprecher Owsinski. Außerdem trugen Zweidrittel der ums Leben gekommenen Radfahrer keinen Helm. Diese Zahlen gäben „Anlass zur Sorge“, so Polizeipräsident Werner Strößner. 

„Die Umstände, dass acht von 12 getöteten Fahrradfahrern ohne Helm unterwegs waren und bei der Zahl der verletzten Radfahrer Höchststände registriert wurden, belegen, dass hier die Präventionsbemühungen noch nicht wie gewünscht greifen“, sagte er. 

Jeder Tote ist einer zuviel 

Strößner kündigte an, die Unfallursachen weiter zu bekämpfen. „Das Leid, das schwere und tragische Unfälle über Beteiligte und Angehörige gebracht haben, kann die Verkehrsunfallstatistik nicht widerspiegeln“, erklärte er. „Jeder Verkehrstote ist einer zu viel. Wir werden daher die Hauptunfallursachen bekämpfen und damit unseren Beitrag zur Steigerung der Verkehrssicherheit leisten“, so Strößner. 

Ganz anders stellt sich dagegen die Situation bei Auto- oder Motorradunfällen mit tödlichem Ausgang dar. So starben nach Angaben des Polizeipräsidiums mit 23 so wenig Autofahrer wie noch nie seit Einführung der Unfallstatistik. Neun ums Leben gekommene Motorradfahrer stellten demzufolge außerdem den zweitniedrigsten Wert im gleichen Zeitraum dar. 

„Die verringerten Zahlen bei den getöteten Pkw- und Kradfahrern sind ein Beleg, dass die Kombination aus Optimierung bei Straßenbau, Fahrzeugtechnik sowie Rettungswesen, aber auch durch Repression und Prävention hier mittelfristig zum Erfolg beitragen“, erklärte Polizeipräsident Strößner. 

Senioren im Fokus 

Die Zahl der Verletzten liegt im Bereich des Polizeipräsidiums mit insgesamt 5499 Betroffenen auf dem Niveau der Vorjahre. Während allerdings die Anzahl verletzter Motorradfahrer mit 492 auf den niedrigsten Wert seit Einführung der Statistik sank, stieg die Zahl der bei Unfällen verletzten Radler um 9,5 Prozent auf insgesamt 1206 – der höchste Wert seit mindestens 1987. Das Alter der Unfallverursacher spiegle mittlerweile zunehmend die Bevölkerungsstruktur wider. 

„Erstmals liegt der Anteil der Verkehrsteilnehmer über 65, die einen schweren Verkehrsunfall verursacht haben, im Schutzbereich mit 19,6 Prozent über dem entsprechenden Anteil junger Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren mit 19,2 Prozent“, erklärte Präsidiumssprecher Owsinski. Damit sank der Anteil der jungen Fahrer als Unfallverursacher innerhalb von fünf Jahren um 4,7 Prozent während der Anteil der Senioren um 4,1 Prozent anstieg. 

„Die wachsende Rolle der Verkehrsteilnehmer über 65 Jahren als Unfallverursacher ist ein Zeichen dafür“, so der Allgäuer Polizeipräsident Werner Strößner, dass zukünftig nicht nur die Fahranfänger, sondern vermehrt auch die Senioren im Fokus der Bemühungen um die Sicherheit im Straßenverkehr stehen müssen.“

Matthias Matz

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