»Das ist nicht zu unterschätzen«

Ein Jahr Corona im Ostallgäu: Markus Laure blickt auf seine schwere Corona-Erkrankung zurück

Markus Laure
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Markus Laure
  • vonKatharina Knoll
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Wertach – Hohes Fieber, Atembeschwerden und körperliche Schwäche: Als einer der Ersten im Allgäu hat sich der 40-jährige Markus Laure aus Wertach mit dem Corona-Virus infiziert. „Ich hätte nicht gedacht, dass mich das Corona-Virus so beutelt“, blickt er auf seine Erkrankung vor fast einem Jahr zurück. Heute geht es ihm wieder gut. Doch der Weg dahin war langwierig.

„Ich habe das am Anfang auch unterschätzt“, erinnert sich Laure an den Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr. Der Wertacher ist im vergangenen Jahr 40 Jahre alt geworden, ist sportlich und hat keine Vorerkrankungen. Trotzdem hat ihn Covid-19 hart getroffen. „Ich bin drei Wochen nur gelegen“, erinnert sich Laure. In dieser Zeit nahm er fast acht Kilogramm ab. Und auch danach hat es Wochen gedauert, bis er körperlich wieder so fit war wie vor seiner Erkrankung.

„Vermutlich habe ich mich über einen Mitarbeiter angesteckt. Aber das ist nicht zu 100 Prozent sicher“, sagt der Geschäftsführer von Laurehaus in Kempten. Jener war Anfang März 2020 für ein paar Tage in Ischgl. Als er wieder zurückkam, ging es ihm zunächst gut. Doch das änderte sich innerhalb von einer Woche. „Am Sonntagabend bekam ich eine SMS von ihm, dass er Kopfschmerzen hat und sich auf Corona testen lässt.“ Das Ergebnis war positiv.

Zehn Tage hohes Fieber

Daraufhin stellte das Gesundheitsamt Laures Geschäft unter Quarantäne, alle Mitarbeiter wechselten ins Homeoffice. Zwar fiel bei allen der Corona-Test negativ aus, aber Laure hatte wenige Tage später die ersten Symptome. Er war im Homeoffice, als er gegen Mittag leichte Kopfschmerzen bekam. Er musste sich hinlegen – und schlief bis abends durch. Von da an wurde sein Zustand von Tag zu Tag schlechter. Von Husten und Schnupfen blieb er zwar verschont. Aber: „Ich hatte keinen Appetit, war sehr geschwächt und bekam Fieber“, erinnert sich der Wertacher. „Ich hatte zehn Tage hohes Fieber, um die 40 Grad.“ Hinzu kam akute Atemnot. „Untertags ging's“, so der Geschäftsführer. Doch nachts hatte er „mit kleinen Panikgeschichten“ zu kämpfen. Schließlich spitzte sich die Lage soweit zu, dass er es auf dem Rückweg vom Toilettengang gerade noch schaffte, sich hinzulegen ohne zusammenzubrechen.

Zwei Tage später wählte seine Ehefrau den Notruf.

Laure wurde in die St. Vinzenz Klinik in Pfronten eingeliefert. Dort diagnostizierten die Mediziner eine schwere Lungenentzündung. Zudem wurde der Wertacher neun Mal auf Corona getestet. „Alle waren negativ bis auf den Eingangstest.“ Doch dieser ging erst einmal im Labor in Augsburg unter. Erst sechs Tage später lag das Ergebnis vor. Da war der Chefarzt der Klinik aber aufgrund der Symptome schon zu der Erkenntnis gelangt, dass Laure an Covid-19 leiden müsse. „Zusammen hat das zu einem schweren Krankheitsverlauf geführt“, so der Geschäftsmann. Hätte er nur zwei Tage länger gezögert, ins Krankenhaus zu gehen, wäre seine Lunge wohl kollabiert.

Zwei Wochen im Krankenhaus

In der Pfrontener Klinik wurde er anschließend zwei Wochen lang behandelt. „Die erste Woche war zäh“, sagt Laure. Das Pflegepersonal maß mehrmals am Tag seinen Sauerstoffstättigungsgrad, seinen Blutdruck und sein Fieber. Dazu nahm er Antibiotika und inhalierte vier Mal am Tag Wasserdampf. „Das hat gut getan.“ Um ihm das Atmen zu erleichtern, bekam er außerdem zusätzlichen Sauerstoff über die Nase. „Das habe ich auch gebraucht, vor allem nachts. Das Atmen ohne Sauerstoff war ziemlich schwer.“ Ansonsten hätte das Pflegepersonal aber nicht viel tun können.

Dieses sei mit seiner Schutzausrüstung so vermummt gewesen, dass man die Personen darunter gar nicht erkennen konnte. Weil er auch keinen Besuch bekommen durfte, vertrieb er sich die Zeit mit Telefonieren und Radiohören. Trotzdem seien die Tag nur sehr langsam vorbeigegangen. Angst hatte er in dieser Zeit aber keine. „Ich habe gewusst, ich bin in guten Händen.“ Auch insgesamt sei er mit der Situation gut klar gekommen. „Andere hatten da mehr Probleme.“ Ungemein schwerer sei die Zeit für seine Frau und seine beiden Kinder gewesen. In der zweiten Woche im Krankenhaus ging es ihm dann aber stetig besser.

Langsame Regeneration

Doch es sollte noch Wochen dauern, bis er wieder ganz fit war. In den ersten zwei Monaten nach seiner Erkrankung reichten ihm bereits 15-minütige Spaziergänge im langsamen Tempo auf ebener Strecke. In dieser Zeit war sein Lungenvolumen im unteren Durchschnitt, weiß Laure von Besuchen beim Facharzt. Anschließend ging es aber immer weiter bergauf. Zunächst absolvierte er 30-Minuten-Einheiten auf dem Ergometer, im August nahm er die erste Bergtour in Angriff und im Oktober sei er fast wieder bei 100 Prozent seines früheren Leistungsvermögens gewesen. Im Januar konnte er schließlich jeden zweiten Tag Sport machen. Er unternahm Skitouren und war beim Langlaufen. „Ich denke nicht, dass ich Spätfolgen habe“, meint Laure.

Trotzdem hat ihn die Erkrankung geprägt. „Es hat verdeutlicht, wie schnell sich Prioritäten verschieben können, ohne dass man selbst etwas dafür kann“, sagt der Wertacher. Die Arbeit, Erfolg und Materialismus rückten in den Hintergrund, umso wichtiger wurde dafür die eigene Familie. Gleichzeitig sei er enttäuscht über die Corona-Verschwörer, Maskenverweigerer und Menschen, die locker mit dem Thema umgehen. Für alle Pflegekräfte, Corona-Toten oder Menschen, die an Folgeschäden leiden, sei diese Haltung „alles andere als höflich“. „Wenn man selbst davon betroffen ist, verändert sich das Denken“, resümiert Laure.

Zwar sieht er die Corona-Politik der Bundesregierung kritisch, grundsätzlich dürfte man in Deutschland aber nicht jammern, meint der Wertacher. Da seien andere Länder viel schlechter dran.

Spende an Pflegekräfte

Für die kommenden Wochen wünscht er sich eine Lockerung der aktuellen Coronabeschränkungen mit Weitsicht und Vorsicht. „Lieber trage ich eine Maske und kann zum Frisör gehen“, nennt er ein Beispiel. „Ich kann nicht verstehen, was am Masketragen für kurze Zeit so schlimm sein soll.“ Schließlich müssten Pflegekräfte diese den ganzen Tag auf haben. Insbesondere ihnen spricht Laure ein großes Lob aus. Als Dankeschön für ihren Einsatz, hat er den Mitarbeitern der St. Vinzenz Klinik Gutscheine im Gesamtwert von 2000 Euro gespendet (der Kreisbote berichtete).

Um künftig gesund durch die Krise zu kommen, setzt er persönlich auf Bedacht, Maske, Homeoffice, gesunde Ernährung – und Vorsorge. Nach seiner Erkrankung habe er sich gefragt, was er selbst für seine Gesundheit tun könne. Ein Besuch beim Arzt habe ergeben, dass sein Vitamin D-Gehalt sehr niedrig sei. Das sei aber Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Immunsystem. Da der empfohlene Wert nicht über die Ernährung und in Deutschland, vor allem im Winter, nicht über das Sonnenlicht zu erreichen sei, nimmt er entsprechende Präparate aus der Apotheke ein – und hat damit gute Erfahrungen gemacht. „Seit dem Sommer 2020 habe ich keinen Schnupfen mehr gehabt. Das führe ich schon auf die Veränderung zurück.“

Katharina Knoll

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