Der Syrer Rami Al-Omar engagiert sich ehrenamtlich als Übersetzer

Etwas zurückgeben

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Der Syrer Rami Al-Omar mit Freiwilligenkoordinatorin Michaela Perktold.

Pflach – Unter den 58 Ehrenamtlichen, die das Freiwilligenzentrum Außerfern 2015 an gemeinnützige Einrichtungen vermittelt hat, war zuletzt einer, der selbst viel Unterstützung erhalten hat. Mit seinem ehrenamtlichen Engagement möchte sich der Syrer Rami Al-Omar jetzt bei der Bevölkerung bedanken.

Der 31-Jährige wuchs in der Stadt Homs auf. Im Nachbarland Libanon studierte er Betriebswirtschaft. Nach Abschluss des Studiums arbeitete er zunächst bei einem syrischen Telekomunternehmen, bevor der junge Syrer 2012 seinen Einberufungsbefehl erhielt. Der zweijährige Militärdienst in dem Bürgerkriegsland hätte für ihn nichts anderes bedeutet, als auf seine Landsleute schießen zu müssen, erklärte Al-Omar. Da er das aber auf keinen Fall wollte, floh er mit seiner schwangeren Frau über die Türkei nach Österreich.

Gleich nach seiner Ankunft in Wien stellten die beiden einen Asylantrag. Nach wenigen Tagen wurde die Familie ins Flüchtlingsheim in Breitenwang überstellt. Im März 2013 erhielt die Familie dann einen positiven Asylbescheid. Seither lernt Al-Omar intensiv Deutsch. Er fand zunächst Arbeit in einem Hotel in Lermoos. Mittlerweile ist er bei Ceratizit beschäftigt. Für Al-Omar steht fest: „Auch wenn es nicht ganz einfach ist und viel Ehrgeiz abverlangt, das Erlernen der deutschen Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Nur wer Deutsch spricht, findet auch einen Arbeitsplatz“.

Al-Omar hatte diesen Ehrgeiz: Mittlerweile hat er die Prüfung zum B1-Deutschzertifikat bestanden, das ihm die Fähigkeit zur selbstständigen Sprachverwendung in Alltags- und Berufssituationen attestiert.

Sorgen wegen Syrien 

Der anerkannte Flüchtling verfolgt die Entwicklungen in Syrien mit großer Sorge. Denn seine Mutter und eine Schwester leben nach wie vor in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Eine weitere Schwester hat es in den Libanon verschlagen. Vor dem Bürgerkrieg lebten Muslime und Christen friedlich nebeneinander, erklärt der 31-Jährige. Al-Omar beschreibt die Gesellschaft in den großen syrischen Städten Homs, Aleppo und Damaskus als vergleichsweise offen.

 Heute herrsche dort Chaos. Aus dem friedlichen Protest für mehr Demokratie während des Arabischen Frühlings wurde ein Krieg. Aufgrund der Lage in dem Bürgerkriegsland erhalten Syrer zu einem hohen Prozentsatz Asyl in Österreich. Dies verleite aber auch Trittbrettfahrer aus anderen arabischen Ländern dazu, sich als Syrer auszugeben. Al-Omar unterstützt die Behörden bei der Prüfung von Asylanträgen. Für ihn ist es ein Leichtes festzustellen, ob der Antragsteller tatsächlich Syrer ist. Er engagiert sich ehrenamtlich auch als Übersetzer. Für den Außerferner Flüchtlingskoordinator Nick Rea sind Al-Omars Dienste eine große Hilfe. Al-Omar möchte damit etwas an jene Gesellschaft zurückgeben, die ihn aufgenommen hat.

kb

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