Der Platz wird knapp

Immer mehr Urnenbestattungen: Stadtrat will Füssener Friedhof umgestalten lassen

+
Da der Trend zu Urnenbestattungen geht, ist die entsprechende Wand im Waldfriedhof fast voll. Künftig will die Stadt aber keine weiteren Wände aufstellen, sondern nur noch Urnenerdgräber ausweisen.

Füssen – Am offenen Grab Abschied von einem geliebten Menschen nehmen, während dessen Sarg langsam in der Erde verschwindet, die ein Steinkreuz mit seinem Namen ziert: Was jahrhundertelang gängige Praxis war, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend geändert.

Mittlerweile entscheiden sich die meisten für eine Einäscherung. Und dieser Trend macht sich auch in Füssen bemerkbar: Der Platz bei den Urnenwänden und Urnenerdgräbern beim Städtischen Waldfriedhof geht aus. Deshalb befürwortete der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstag einen Umbau des Friedhofs – wobei auch Muslime und alternative Bestattungsarten ihren Platz finden sollen. 

„Die Nachfrage ist groß“ bei der Urnenwand, erklärte die Stadtverwaltung. Derzeit seien nur noch 13 Nischen im Waldfriedhof frei. Daneben würden immer mehr Erdgräber aufgelöst. Die Folge: „Auf Dauer kann es passieren, dass auf einzelnen Abteilungen sich nur noch wenige Erdgräber befinden werden, so dass es zu einer unschönen Gestaltung führen würde.“

Um das zu verhindern, sprachen sich die Stadträte einstimmig dafür aus, im Bedarfsfall nur noch Urnenerdgräber auszuweisen. Rund 52 neue sollen jetzt in der Mitte des Friedhofs entstehen. Hier befindet sich derzeit eine freie Wiese. In deren Mitte soll ein „Anonymes Grabfeld“ hinkommen, das ansteigt und Platz für 48 Urnen bietet. „Die Entwicklung geht einfach zum ‚Anonymen Feld‘“, erklärte Landespflege-Ingenieur Cornelius Wintergerst. Denn oft leben die Kinder der Verstorbenen nicht mehr in der Nähe oder wollen deren Gräber nicht mehr pflegen – günstig und pflegeleicht soll oft eine Bestattung bzw. ein Grab sein. 

Um das „Anonyme Feld“ ansprechend zu gestalten, könnte es mit Efeu oder Sommerflor bepflanzt werden, fügte der Ingenieur hinzu. Die einzelnen Urnenerdgräber sollen dagegen mit einheitlichen Platten versehen werden.

Platz für Muslime

Bei der Neugestaltung des Friedhofs wird auch ein weiterer Trend berücksichtigt: Baumbestattungen. „Die Nachfrage nach möglichen Baumbestattungen steigt“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Deshalb soll im nördlichen Teil des Friedhofs jetzt ein Baum – laut Wintergerst am besten ein Bergahorn – hinkommen. Ist die Nachfrage entsprechend groß, könnten westlich davon weitere folgen. Pro Baum finden 24 bis 48 Urnen Platz. Stelen statt Platten sollen sie zieren, um die Pflege des Areals zu erleichtern. Außerdem soll es „um die Bäume grün sein“, fügte der Planer hinzu. 

Daneben möchte die Stadtverwaltung auch die Abteilung mit den Kindergrabstätten auf Vordermann bringen. Denn die sei „zugewachsen und schaut nicht einladend aus“, so Wintergerst. Seine Pläne sehen für den Eingang einen Rosenbogen vor. Zudem würde ein Schmetterlingsbaum in der Mitte der Abteilung ihr ein würdiges Aussehen verleihen, ist die Stadtverwaltung überzeugt. 

Im Waldfriedhof sollen künftig auch Muslime ihre letzte Ruhe finden. Ihre Abteilung soll im südlichen Teil des Friedhofs hinkommen. Entsprechende Gespräche führte die Friedhofsverwaltung bereits 2016 unter anderem mit einem Iman. Dabei wurde der Ablauf einer muslimischen Beisetzung geklärt und die Vereinbarkeit mit dem Bayerischen Bestattungsgesetz besprochen. 2017 folgte schließlich ein Waschraum in der Aussegnungshalle. „Seitens der Kirche bestehen nach Aussage des Herrn Pfarrer Deuring keine Bedenken für die Errichtung einer muslimischen Abteilung“, hieß es dazu. 

Geringe Kosten

Für die Umgestaltung des Friedhofs wird die Stadtverwaltung wohl nicht all zu tief in die Kasse greifen müssen. Da sie viele Arbeiten mit ihren eigenen Mitarbeiter stemmen könne, werden sich die Kosten unter anderem für den Kauf von Bäumen, Gestaltungselementen oder das Anlegen von Kiesflächen auf ca. 5000 Euro belaufen.

kk

Auch interessant

Meistgelesen

Füssener Sporttage: "Boom Boom Pow" und "Häckstixx" sind nicht zu schlagen
Füssener Sporttage: "Boom Boom Pow" und "Häckstixx" sind nicht zu schlagen
Füssener Mammutprojekt nimmt Form an
Füssener Mammutprojekt nimmt Form an
Mutmaßlichen Handydiebstahl mittels Ortungs-App aufgeklärt
Mutmaßlichen Handydiebstahl mittels Ortungs-App aufgeklärt
Sanierung des Pfrontener Falkensteins wird gefördert
Sanierung des Pfrontener Falkensteins wird gefördert

Kommentare