Keine Badeaufsicht und zu lange Rettungswege

Füssener Oberseebad bleibt heuer geschlossen

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Ein zu langer Rettungsweg und keine Badeaufsicht: Das Füssener Oberseebad muss heuer geschlossen bleiben.

Füssen – Das Oberseebad bleibt in diesen Sommer geschlossen. Das hat die Stadtverwaltung am Dienstag bei einer Informationsveranstaltung mit der Presse und den Interessengemeinschaften (IG) Obersee, Mittersee und Bad Faulenbach in der Turnhalle der Anton-Sturm-Schule betont.

Gleichzeitig forderte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) die IG zur Zusammenarbeit auf, um gemeinsam die Zukunft des Oberseebads zu planen. 

Damit Badebegeisterte heuer aber trotzdem auf ihre Kosten kommen, soll ab Ende Mai der Mittersee wieder geöffnet werden – als Badestelle mit provisorischen Umkleiden und einem mobilen Kiosk. 

„Ohne Umbaumaßnahmen kann das Bad so nicht geöffnet werden“, machte Eichstetter mit Blick auf den Obersee klar. Denn nicht nur das Gebäude ist marode, sondern auch rechtlich bewegt sich die Stadt auf dünnem Eis: Das Areal ist so groß, dass die Stadt mehrere festangestellte Bademeister bräuchte, um das Gelände abzusichern. „Ein Badebetrieb ohne Bademeister ist mehr als fahrlässig“, so der Rathauschef. 

Hohes juristisches Risiko

Kommt es zu einem Unfall, seien rechtlich alle, die an der Badöffnung beteiligt waren, mit dran, unterstrich Erwin Wiedermann, der ein erstes Gutachten für das Areal erstellt hat. Das geht bis zum Bürgermeister, der dann privatrechtlich verantwortlich sei. „Keiner in diesem Saal will das Risiko übernehmen.“ 

Ein ganz entscheidender Punkt ist auch der Rettungsweg. Wird die Feuerwehr alarmiert, könne sie nicht in den vorgeschriebenen zwölf Minuten am Bad eintreffen. Grund dafür ist die Alatseestraße. Wegen eines Böschungsbruchs im Februar auf Höhe des Gipsbruchweihers ist sie derzeit für Fahrzeug gesperrt. Sie sei an der am stärksten betroffenen Stelle so instabil, dass nicht einmal ein Motorrad drüber fahren könne, erklärte Eichstetter. 

Auch die Straße einfach aufzuschütten, funktioniere nicht – genauso wenig wie ein provisorischer Weg über das Mitterseegelände aufzukiesen, was Marco Ruban von der IG Obersee vorgeschlagen hatte. Die Stadt könne nicht sicherstellen, dass ein 7,5 bis zwölf Tonnen schweres Feuerwehrfahrzeug den Weg befahren könne, erklärte der neue Rathauschef. „Wenn ein Feuerwehrfahrzeug umkippt, dann ist das genauso schlimm, als wenn wir gar keinen Rettungsweg hätten“, betonte Eichstetter. 

Höhere Anforderungen

Zudem seien die Anforderungen an ein Freibad höher, ergänzte Hauptamtsleiter Peter Hartl. Hier müssten im Notfall mehrere Personen gleichzeitig gerettet werden können. 

„Es wird kein Sanitäter oder Feuerwehrler auf eigene Gefahr dahinter fahren. Allein der Vorsatz ist verheerend. Das ist juristisch eine Vollkatastrophe“, erklärte Wiedermann. Auch andere Ideen, wie der Einsatz eines Feuerwehr-Quads oder die Anfahrt über den Alatsee sind nicht umsetzbar. Über Letzteren seien die Rettungskräfte zu lange unterwegs. „Den Rettungsweg sicherzustellen ist nicht möglich“, fasste Eichstetter zusammen. 

Deshalb bleibt das Bad für diesen Sommer geschlossen. Es soll aber in der Saison 2021 seine Türen wieder öffnen – nachdem es umgebaut worden ist. Wie dieser Umbau ausschaut, dabei sollen auch die drei IGs mitreden können. 

Denn entweder wird das jetzige Freibad-Gelände so verkleinert, dass es mit einem Bademeister und zwei Gehilfen bewirtschaftet werden kann, und der übrige Teil wird zu einer frei zugänglichen Badestelle oder das gesamte Gelände wird „mit extrem viel Mehraufwand“, so Eichstetter, zur Badestelle umgebaut. 

Dann bräuchte es zwar keine Bademeister und Gehilfen mehr – dürfte dann aber auch keine Sprungtürme und Wasserrutsche mehr haben. Zudem müssten die Spielgeräte weiter vom See entfernt aufgestellt werden.

IGs sollen beraten

Bleibt das gesamte Gelände jedoch als Freibad erhalten, müssten nicht nur die Gebäude saniert werden, allen voran die schadhafte Kanalisation und die Haustechnik. Auch der Außenbereich des Bades soll überholt, ertüchtigt und aufgewertet werden. So sollen die Becken in ein Kinder-, Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken umgewandelt werden.

 Der Spielplatz soll gleichfalls aufgewertet und besser positioniert werden. Zudem könnte aus dem Gebäude – in dem sich derzeit Umkleiden befinden – ein Grillplatz mit überdachten Tischen oder ein kleiner Biergarten werden. Über die zwei Varianten sollen aber zunächst einmal die IGs beraten und das Ergebnis bis Mitte Mai dem Bürgermeister mitteilen. 

Danach werde man sich überlegen, wie das Gewünschte umgesetzt werden kann, und ein Konzept erstellt. Spätestens Anfang Juli soll schließlich der Stadtrat über die Planungen abstimmen, damit die Bauarbeiten nach den Sommerferien am Montag, 7. September, beginnen können. „Wir machen das, was ihr euch wünscht“, erklärte Eichstetter. „Uns ist bewusst, dass wir da oben handeln müssen. Wir werden schauen, dass wir da was Gutes hinbekommen.“ 

Dabei sei der Zeitplan, um den Badebetrieb im Sommer 2021 wieder starten zu können, sportlich, so der Bürgermeister. Schließlich müsse zunächst die Alatseestraße und die Wasserleitungen verlegt werden, bevor es am Obersee mit den Bauarbeiten richtig losgehen könne. Da sich die Straße in einem umweltschutzfachlich sensiblen Bereich befindet, muss die Stadt zudem zahlreiche Fachstellen daran beteiligen.

Mehr zu diesem Thema und zum Mitterseebad lesen sie in der kommenden Samstag-Ausgabe des Kreisbote.

kk

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