Eine Füssener Ärztin kritisiert den Lockdown und fordert einen rationaleren Umgang mit dem Virus

Ein Jahr Corona im Ostallgäu: Umso autoritärer, umso besser?

Dr. Elke Fritsch-Metzger aus Füssen
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Dr. Elke Fritsch-Metzger
  • vonMatthias Matz
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Füssen – Geht es um die Corona-Politik der Bundesregierung, hat Dr. Elke Fritsch-Metzger eine klare Meinung. Für die Füssener Internistin und Lungenfachärztin hat die Politik bei der Bekämpfung des Virus mittlerweile jedes Maß und Mitte verloren. „Die Maßlosigkeit der Maßnahmen steht in keinem Verhältnis mehr zu den zu befürchteten Schäden“, sagt sie. Ihrer Ansicht nach agiere die Bundesregierung mehr denn je nach dem Motto „umso autoritärer, umso besser“. Statt Lockdown und Verboten plädiert Fritsch-Metzger für mehr Eigenverantwortung und freiwillige Angebote zum Schutz der besonders vulnerablen Gruppen. „Wir müssen vernünftig damit umgehen.“

stallgäu kam, dachte die Füssenerin noch anders. „Den ersten Lockdown habe ich noch verstanden“, erzählt sie. „Weil wir noch zu wenig wussten.“ Das neuerliche Herunterfahren des öffentlichen Lebens im Herbst kann sie aber nicht mehr nachvollziehen, da mittlerweile viel mehr über das Virus bekannt sei. Die Folgeschäden des erneuten Lockdowns schätzt sie daher sowohl aus wirtschaftlicher als auch medizinischer Sicht ungleich höher ein als die erreichbaren Ziele. „Es ist nicht zu erkennen, das die Regierung willens ist, hier eine Abwägung vorzunehmen“, sagt sie.

Neben den enormen wirtschaftlichen Folgeerscheinungen, „das an die Wand Fahren der Wirtschaft“, geht Fritsch-Metzger von erheblichen medizinischen und psychologischen Langzeitfolgen durch den mittlerweile dreimonatigen Lockdown aus. So könnte die zunehmenden Vereinsamung der Menschen zu mehr Depressionen und Suiziden führen. Aber auch auf das konkrete Handeln der Menschen habe die aktuelle Situation Auswirkungen. „Die Zahl der Patienten ist deutlich gesunken“, schildert sie ihre Eindrücke aus ihrer Arbeit in der Bereitschaftspraxis am Füssener Krankenhaus. Offenbar scheuten derzeit viele den Besuch einer medizinischen Einrichtung.

Auch Vorsorgeuntersuchungen würden aus Angst, sich im Krankenhaus oder einer Praxis zu infizieren, hinaus geschoben oder ganz ausgelassen. „Viele befinden sich in einer Angststarre“, berichtet sie. Mit möglicherweise gravierenden Folgen, etwa bei Darmkrebs-Erkrankungen, Bluthochdruck oder Herz-Rhythmus-Störungen. „Es wird vieles derzeit nicht erkannt“, sagt Fritsch-Metzger. Darüber hinaus stelle sie zunehmend Angst und Aggressivität bei den Menschen fest. Sie beobachte eine Mischung aus Angst und Misstrauen. „Dieses Miteinander momentan ist sehr seltsam.“

Schwierig sei die Situation vor allem auch für die Bewohner von Altenheimen. „Die Menschen dort werden abgeschirmt, vereinsamen und bauen dadurch ab“, erläutert sie. Alleine sein, alleine essen, auf zwischenmenschliche Kontakte verzichten, nur in ganz seltenen Ausnahmen Besuch – „das führt zum Abbau bei Menschen und zur Verkümmerung der Seele!“

Fehlende Differenzierung

Besonders irritiert die Internistin und Lungenfachärztin, auf welchen Erkenntnissen die folgenreichen Entscheidungen der Regierung beruhen. Bekanntlich wird zum Nachweis einer Infektion ein PCR-Test angewendet. Ist dieser positiv, gilt die getestete Person als infiziert und wird den Neu-Infektionen zugerechnet. Aus diesen Zahlen wiederum errechnet das Robert-Koch-Institut (RKI) dann die 7-Tage-Inzidenz oder die Reproduktionzahl (R-Wert). Auf diesen Kennziffern wiederum basieren die Entscheidungen der Politik.

Für Fritsch-Metzger ist das nicht nachvollziehbar: „Der PCR-Test hat sehr, sehr viele Fehler“, betont sie. „Ein PCR-Test ist nicht geeignet, als alleiniges Mittel eine Diagnose zu erstellen. Er ist dabei nur ein Mosaikstein.“ Da ein solcher Test lediglich eine gewisse Sequenz des genetischen Materials des Virus nachweise, könne durch ihn allein nicht bestimmt werden, wie hoch die tatsächliche Viruslast der getesteten Person ist. „Es wird nicht differenziert, ob die Person infiziert oder krank ist oder nur Kontakt mit dem Virus hatte.“ Sie wünsche sich, dass hier genauer hingeschaut wird. Gleiches gelte für Todesfälle im Zusammenhang mit dem Corona-Virus. „Ich wünsche mir eine klarere Unterscheidung als ‚an und mit Corona gestorben‘“, erklärt sie. So würden weitreichende Maßnahmen mit ungenauen Statistiken begründet.

Es wird nicht differenziert, ob die Person infiziert oder krank ist oder nur Kontakt mit dem Virus hatte.

Dr. Elke Fritsch-Metzger

Verwundert ist sie auch darüber, dass Bundes- und Staatsregierung sich offenbar nur noch von Wissenschaftlern beraten lassen, die deren Einschätzung stützen. Wissenschaftler, die dem Lockdown kritisch gegenüber stehen, kämen dagegen in der Öffentlichkeit nur selten zu Wort. „Die Wissenschaft lebt aber von der Kontroverse!“

Statt auf Lockdowns und Verbote setzt die Füssener Medizinerin auf freiwillige Schutzangebote für die besonders gefährdeten Gruppen, also Ältere und Alte. Wobei es auch tragische Ausnahmen gebe. „Natürlich trifft es auch andere Menschen, das ist traurig und tragisch, rechtfertigt aber nicht, die Gesellschaft gegen die Wand zu fahren“, ist sie überzeugt. Sie plädiert vielmehr für einen vernünftigen Umgang mit dem Virus und gezielten Maßnahmen.

Dazu gehören nach ihrer Ansicht insbesondere das Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln, regelmäßige Schnelltests und FFP2-Masken für Senioren und Angehörige gefährdeter Gruppen – allerdings auf freiwilliger Basis, wie sie betont. „Wir sollten gezielt diesen Menschen Schutz anbieten, nicht verordnen, und den Rest der Bevölkerung in Ruhe lassen und sein Leben leben lassen.“ Derzeit habe sie aber das Gefühl, dass die Politik es den Menschen abspreche, selbst zu denken oder Eigenverantwortung zu übernehmen.

Ebenso freiwillig wie die Schutzmaßnahmen sollten auch die Impfungen gegen das Corona-Virus erfolgen. „Ich kann doch nicht die ganze Bevölkerung impfen, um alte Menschen möglicherweise zu schützen“, erklärt sie. Zumal die angebotenen mRNA-Impfstoffe wie etwa von Biontech und Moderna völlig neu und nach ihrem Dafürhalten noch nicht ausreichend getestet sind. „Wir machen gerade Phase 3 der Testung!“ Es empöre sie, dass gesunden Menschen ein Vakzin gespritzt wird, über dessen Langzeitauswirkungen noch überhaupt nichts bekannt sei.

Matthias Matz

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