Eisenbahner Wolfgang Sauter erlebt Abriss des Bahnhofs mit

"Das tut weh!"

+
Wolfgang Sauter ist ein Eisenbahner alter Schule. Seit fast 50 Jahren ist er bei der Bahn. Wenn er an den Abriss des Füssener Bahnhofs denkt, schmerzt es ihn innerlich.

Füssen – Als am Mittwochvormittag die Abrissarbeiten am entkernten Gebäude des Füssener Bahnhofs zügig weiter gingen, stand Wolfgang Sauter traurig daneben. „Das tut weh!“ so der Eisenbahner der alten Schule.

Das Gebäude sei „alt und leider wohl nicht mehr zu retten gewesen“, bedauert Sauter im Gespräch mit dem Kreisboten den Abriss, bevor er den Schauplatz der Bauarbeiten durch die Firma Hubert Schmid verlässt. Schon einmal hatte sich Sauter, Jahrgang 1952, innerlich von seinem Arbeitsplatz in Füssen verabschiedet. Aber es wurde nichts mit dem neuen Füssener Bahnhof, den alten hatte die Mobil AG erworben. Es kam 2008 alles anders als geplant. 

Sauter, der hier als Bub 1967 die Weichen für seine berufliche Zukunft gestellt hatte, erlebte im Jahr 2006 mit, dass die Modelleisenbahner mit ihrer Abschiedsausstellung, die rund 800 Besucher anzogen, den Verlust ihrer Bleibe öffentlich machten. Der Gebäudeteil, der als Vereinsheim diente, war marode geworden. Wie seine Fahrgäste aus Füssen, von denen er viele längst mit Namen kannte, musste Sauter in den nächsten Jahren feststellen, dass „sein Bahnhof“ immer mehr herunterkam. 

Prominente Fahrgäste 

Derzeit arbeitet Wolfgang Sauter in Altersteilzeit. 2017 hat er 50 Dienstjahre und damit gleichzeitig die Pensionierung erreicht. In diesen zurückliegenden Jahren hatte er mit prominenten Fahrgästen und auch seltsamen Frachtgütern wie etwa einem Weihnachtsbraten zu tun. Der Arbeitsschwerpunkt, sagt Sauter, „lag in früheren Jahren nicht auf den Personenzügen, die Touristen nach Füssen brachten“. 

Die Hauptdienststelle Füssen, wie er sich gut erinnert, hatte alle Hände voll zu tun, um den Güterverkehr zu organisieren. „Bei uns waren auch viele Rangierer im Einsatz“. Für die bei der Eisenbahn Beschäftigten gab es in Sauters jungen Berufsjahren Wohnungen im Gebäude und beim Lokschuppen. „Wenn wir Feierabend hatten, löste man eine Badekarte. Sie kostete zehn Pfennig fürs Duschen“. 

Stets freundlich sein, blieb seine Devise, als er im Anschluss an Stationen wie Kaufbeuren und Marktoberdorf, schließlich wieder nach Füssen versetzt wurde. Die Verkaufsleitung war 2000 in Kaufbeuren aufgelöst worden. „Ich bekam die Aufgabe, auch bei den Kollegen in Füssen auszuhelfen“, so Sauter, der bis zum Ende seiner Laufbahn bei der Bahn mobil bleiben wird. „1979 bin ich Beamter auf Lebenszeit geworden.“ Sehr gern habe er immer in Füssen gearbeitet, wo 1988 sogar der legendäre „Orient Express“ in den Füssener Bahnhof einfuhr. 

Vor Wolfgang Sauters Schalter standen außerdem die Musical-Stars vom Festspielhaus. Auch Mario Adorf habe hier um Auskunft gebeten.

Chris Friedrich

Meistgelesen

Derblecken auf hohem Niveau
Derblecken auf hohem Niveau
Rückzug mit Ansage
Rückzug mit Ansage
Außerferner Sozialdemokraten stellen ihre Pläne für die Zukunft vor
Außerferner Sozialdemokraten stellen ihre Pläne für die Zukunft vor
Ein "ordentlicher Haushalt"
Ein "ordentlicher Haushalt"

Kommentare