Frauen Initiative Füssen ist Hauptsponsor

"Wir wollen Frauen Mut machen"

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Ein starker Moment für Hanni Semmlin-Leix (v.r.), Johanna Bobinger, beide vom Sponsor Pfiff, mit der Künstlerin Julia Hiemer: Deren Holzskulptur „Die Kraft“ fand ihren Platz im Alten Landratsamt in Füssen.

Füssen – Kunst im öffentlichen Raum ist oft eine Provokation für Menschen, die sich für zeitgenössische Bildhauerei nicht interessieren.

Wenn sie diese kritisch bewerten, führt das oft zu Ablehnung. Die Kommentare zur Skulptur„Die Kraft“ aus der Bildhauerwerkstatt von Julia Hiemer dürften jedoch positiv ausfallen. Die Idee dazu hatte die Frauen Initiative Füssen (Pfiff), die dafür bei der Präsentation der Holzskulptur im Foyer des Alten Landratsamts reichlich Beifall erntete. Auch Bürgermeister Paul Iacob (SPD) stimmte in die Laudatio ein. 

Wie Julia Hiemer arbeitet, ist kein Geheimnis. Mit ihrer Kettensäge hatte die Künstlerin einem massiven Stamm aus Lindenholz eine neue Form gegeben – und eine seelenvolle Aura verliehen. Dabei handelt es sich um eine menschengroße Figur. Sie ist weiblich und wirkt selbstbewusst. Dezente Farbgebung sorgt zudem dafür, dass „Die Kraft“ große Attraktivität besitzt. Ein langer Ast aus Haselnuss setzt zusätzlich einen pointierten ästhetischen Akzent. 

Nicht zuletzt habe dieses rundum gelungene Kunstwerk vor der Gebäudeglasfront seinen idealen Platz gefunden, wie zahlreiche Besucher kommentierten, nachdem der offizielle Teil der etwas mehr als einstündigen Feier mit einem Musikstück zu Ende gegangen war. Ein Besuch im Alten Landratsamt – heute Ärztehaus Füssen – führt nun unweigerlich zur erfrischenden Begegnung mit einer Holzskulptur aus der Werkstatt der renommierten früheren Oberammergau-Schülerin Julia Hiemer, die mit Einzelausstellungen im Museum der Stadt und den ehemaligen Kunsthallen am Lech eindrucksvoll bewiesen hat, dass Frauen preiswürdige Werke gestalten können.

 Die Zeiten liegen noch nicht so lange zurück, als in der modernen Kunstgeschichte ausschließlich Männernamen aufgelistet waren. In der zeitgenössischen Galerienszene treten Künstlerinnen inzwischen aus dem Schatten, wenn ihnen entsprechende Unterstützung zuteil wird. 

Das Ziel: Gleichstellung 

Die Frauen Initiative Füssen hat als Ziel die Gleichstellung von Frauen und Männern – auch im kreativen Bereich und über das Kunsthandwerkliche hinaus. In diesem Sinne möchte „Pfiff“ professionelles kreatives Schaffen im Füssener Land unterstützen. „Deshalb stiften wir als Hauptsponsor zusammen mit weiteren Geldgebern eine Skulptur der Bildhauerin Julia Hiemer für die Bevölkerung der Stadt Füssen“, hieß es in der Einladung zur Feier, die die Band „Werkton“ musikalisch umrahmte.

Pfiff-Vorsitzende Hanni Semmlin-Leix und ihre beiden Stellvertreterinnen Johanna Bobinger und Ilona Deckwerth konnten sich hier über einen wahren Gästeansturm freuen. Alle – darunter Stadträte und weitere Ehrengäste – wollten „Die Kraft“ sehen. Ilona Deckwerth, Landtagsabgeordnete und stellvertretende Pfiff-Vorsitzende, unterstrich als eine der Rednerinnen, dass eine Gesellschaft „nur wirklich stark ist, wenn auch die Frauen ihre Kraft entfalten können“. 

So habe die Künstlerin Julia Hiemer ihren Platz eingenommen und setze damit „für alle sichtbar ein starkes Zeichen“, das nicht zuletzt für Hoffnung stehe. „Diese Skulptur stellt eine Frau dar, die in sich ruht. Sie besitzt einen festen Stand und Ausstrahlung“, so hatte nicht allein Ilona Deckwerth das Kunstwerk interpretiert. Der Tenor an diesem entspannten Abend bei Sekt und Häppchen lautete: „Freuen wir uns, dass wir in anderen Zeiten leben!“ Dass Frauen heute Künstlerinnen sein können, Malerin oder Bildhauerin sein dürfen, ihren Blick auf die Welt definieren und ihre Kunst auch ausstellen können, sei – wie in den Reden betont wurde – mit ein Grund, dass Pfiff das Werk von Julia Hiemer „im öffentlichen Raum ausstellen will“. 

Andere Wege gehen

 Die Pfiff-Vorsitzende unterstrich: „Wir wollen Frauen Mut machen, andere Wege zu gehen und wenn möglich, sie auch solidarisch unterstützen.“ Hanni Semmlin-Leix wies darauf hin, dass die Pfiff-Frauen an jedem siebten Tag im Monat zu einem Treffen einladen. Solche regelmäßigen Treffen – eigentlich ein Stammtisch – sind laut der Pfiff-Vorsitzenden „abwechselnd mit einem Thema belegt“. Von Julia Hiemer wiederum war im Gespräch mit dem Kreisbote zu erfahren, dass sie selbst das Potenzial anderer Frauen fördern kann: sie arbeitet Teilzeit als Dozentin an der Holzbildhauerschule, an der sie selbst ausgebildet wurde, bevor sie zum Studium nach Wien aufbrach.

Chris Friedrich

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