Klaus Wankmiller referiert im Stadtmuseum über das Leben und Wirken Jakob Herkomers

Vom Leben eines "Universalkünstlers"

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Kulturgeschichte und Musik: Im Colloquium lauschen kürzlich zahlreiche Besucher den geschichtlichen beziehungsweise musikalischen Vorträgen von Klaus Wankmiller und Petra Jaumann Bader.

Füssen – Anhand einer großen Fülle von Informationen belegte Klaus Wankmiller, welch ausgewiesener Fachmann er in Sachen Kulturgeschichte im Füssener Raum ist.

So präsentierte der Rektor der Grundschule in Pfronten den zahlreichen Besuchern im Museum im Rahmen seines Vortrags „Der Baumeister Johann Jakob Herkomer“ rund eineinhalb Stunden lang ausführlich das Leben und Wirken des „Universalkünstlers“. 

Der von zahlreichen Zuhörern besuchte Vortrag im vollbesetzten Colloquium gehörte dabei zu einer Reihe von Veranstaltungen anlässlich des diesjährigen 300. Jubiläums der kirchlichen Weihe des Füssener Barockklosters St. Mang (der Kreisbote berichtete). Dazu passend wurde er musikalisch von Petra Jaumann Bader meisterhaft begleitet, die das Publikum mit mehreren Barockstücken unterhielt. 

Wankmiller konzentrierte sich indes voll und ganz auf einen umfangreichen Abriss des Schaffens Herkomers, der „vermutlich 1652“ geboren worden sei, jedoch: „Man weiß es nicht so genau.“ Als sicher feststehender Geburtsort gilt dagegen Sameister bei Roßhaupten, unterstrich Wankmiller, der auch in Bezug auf Herkomers weiteren Lebensweg immer wieder mal zugab, dass man manches „nicht genau“ wisse. 

Stockende Karriere

Demzufolge erklärte der nichtsdestotrotz versierte Referent, dass auch nicht exakt bekannt sei, ab wann Herkomer nach seiner Ausbildung in Augsburg zum ersten Mal nach Italien gegangen sei. Dort habe er immerhin zunächst „zehn Jahre“ lang seine Studien fortgesetzt und sich dabei vor allem an seinem Vorbild Andrea Palladio orientiert. Nach seiner Rückkehr ins Allgäu, um in Sameister eine Familienkapelle zu bauen, sei Herkomers beruflicher Werdegang anschließend aber ein bisschen ins Stocken geraten. 

Deshalb sei dieser 1694 erneut nach Italien gereist, wie Wankmiller in seinen Ausführungen verdeutlichte und dazu die Frage in den Raum warf, ob es sich dabei um eine „Flucht aus Frust?“ gehandelt habe. Unterdessen lockerte Jaumann Bader die mittels zahlreicher, auf eine Leinwand projizierter Lichtbilder veranschaulichten Informationen mit Musik von Arcangelo Corelli sowie Johann Fischer in virtuoser Weise auf. Schließlich kam Wankmiller auf „Herkomers Lebenswerk“ zu sprechen, als das er den Neubau des Klosters und der Kirche von St. Mang in Füssen „im zeitgemäßen barocken Stil“ durch den „Maler, Stuckateur, Baumeister und Bildhauer“ bezeichnete.

Und während Herkomer dabei zum Beispiel „römische Thermenfenster als Vorlage für die markanten Kirchenfenster“ gedient hätten, habe er auch die Kuppelbauweise von seinem Vorbild Palladio übernommen. Der barocke Neubau von Kirche und Kloster St. Mang sei damit der „Höhe- und Schlusspunkt im Schaffen von Johann Jakob Herkomer“ gewesen, der am 27. Oktober 1717 im Füssener Kloster starb. Jaumann Bader sang daher dazu passend ein Requiem, bevor Wankmillers Fazit lautete: „Herkomer brachte quasi den italienischen Frühbarock nach Süddeutschland.“

lex

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