Schwimmbad soll in neuer Grund- und Mittelschule gebaut werden

Füssener Rektoren fordern Lehrschwimmbecken

+
Für den Schwimmunterricht werden die Füssener Schüler nach Pfronten gefahren – für die Rektoren der Füssener Schulen keine Dauerlösung.

Füssen – Mit seinen vielen Seen lädt das Füssener Umland im Sommer zum Baden förmlich ein. Vielen Lehrern der Füssener Schulen treibt das allerdings die Sorgenfalten auf die Stirn.

„Wir haben mittlerweile relativ viele Nichtschwimmer und haben wegen der vielen Seen Befürchtungen“, berichtete SPD-Stadtrat Wolfgang Bader am Dienstagabend im Stadtrat. Deshalb fordern die Schulleiter von fünf Füssener Schulen die Stadtverwaltung jetzt in einem Offenen Brief auf, den Bau eines Lehrschwimmbeckens in die Planungen für die Generalsanierung der Grund- und Mittelschule aufzunehmen. 

Unterzeichnet haben den Offenen Brief, den Bader am Dienstagabend im Stadtrat an Bürgermeister Paul Iacob (SPD) übergab, die Leiter des Gymnasiums Füssen, der Grundschule Füssen-Schwangau, der Anton-Sturm-Mittelschule, der Berufsschule-Außenstelle Füssen sowie der Erich-Kästner-Schule SFZ. 

Die fünf Rektoren beklagen in dem gemeinsamen Schreiben, dass die Füssener Schulen der Verpflichtung, Schwimmunterricht in allen Jahrgangsstufen anzubieten, „nur sehr eingeschränkt nachkommen“ können. „Fahrten ins Hallenbad nach Pfronten sind mit erheblichen Buskosten verbunden und beinhalten lediglich eine effektive Unterrichtszeit für den Schwimmunterricht (abzüglich der Fahrt und der Zeit zum Umkleiden und Duschen) von fünf bis zehn Minuten“, heißt es unter anderem in dem Schreiben. 

Demgegenüber stehe aber eine steigende Zahl an Kindern und Jugendlichen, die nicht mehr schwimmen könnten. Angesichts der vielen Seen rund um Füssen habe die Stadt nach Ansicht der Schulleiter eine besondere Verantwortung, Badeunfälle zu vermeiden. „Dieser möchten wir durch einen qualifizierten Schwimmunterricht gerecht werden“, schreibt das Quintett. Die Stadt Füssen als „Schulstadt“ sollte sich dieser Verantwortung ebenfalls bewusst werden, fordern die Rektoren. 

Da der Landkreis als Sachaufwandsträger für das SFZ, die Berufsschule und das Gymnasium ihrer Ansicht nach ebenso in der Verantwortung stünden, sollte eine enge Kooperation mit dem Kreis angestrebt werden.

2000 Kinder betroffen

Für ein Lehrschwimmbecken in der Grund- und Mittelschule – die, wie bereits mehrfach berichtet, in den kommenden Jahren grundlegend saniert werden soll – spricht nach Einschätzung der Füssener Schulleiter vor allem der Standort mit rund 2000 Schülern direkt vor Ort. „Kindergärten und weitere umliegende Schulen könnten von diesem Angebot ebenfalls profitieren“, heißt es weiter in dem Offenen Brief. 

Darüber hinaus könnte die Nutzung des Lehrschwimmbeckens auch auf die Kitas und weitere städtische Einrichtungen ausgeweitet werden. Bei ihrem Appell können sich die Füssener Schulleiter auch auf das Bayerische Rote Kreuz (BRK) stützen. Über 40 Prozent aller Kinder können im Alter von zehn Jahren noch nicht schwimmen, teilte der Kreisverband Ostallgäu des BRK bereits im Herbst auf Anfrage unserer Zeitung mit. Ein Grund: Immer mehr Schwimmbäder werden aus Kostengründen geschlossen. 

Und damit entfällt vielerorts auch der Schwimmunterricht in den Schulen. Ein Trend, der eben auch in Füssen zu beobachten ist. Die Konsequenz: Nach Angaben der DLRG ertranken im vergangenen Jahr allein bis August 445 Menschen in deutschen Gewässern – so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. Dabei verzeichnete die DLRG erneut einen Anstieg bei den Vor- und Grundschulkindern. 26 Kinder zwischen null und zehn Jahren (13 Kinder mehr als 2017) und 13 Jugendliche zwischen elf und 15 Jahren (neun mehr als 2017) überlebten ihren Badeausflug nicht. „Diese Zahlen sind das Ergebnis der Bäderschließungen und der damit verbundenen Ausfälle von Schwimmunterricht an den Schulen“, erklärte DLRG-Präsident Achim Haag bereits im August. 

Kritik von Schulte

Zweiter Bürgermeister Niko Schulte (CSU) widersprach Bader allerdings. „Die Kindergärten sind der Ansprechpartner!“ Denn in diesem Alter sollten die Kinder schwimmen lernen. „In der Schule ist es zu spät“, so Schulte. Außerdem gebe es auch eine Eigenverantwortung der Eltern, ihren Sprösslingen das Schwimmen beizubringen. „Nicht immer die Öffentlichkeit verantwortlich machen!“, sagte Schulte in Richtung des Sozialdemokraten Bader.

mm

Auch interessant

Meistgelesen

Bär im Bezirk Reutte von Wildkamera fotografiert
Bär im Bezirk Reutte von Wildkamera fotografiert
Ist Ihr Kind fit für das neue Schuljahr?
Ist Ihr Kind fit für das neue Schuljahr?
Podiumsdiskussion: "Es geht um das Festspielhaus"
Podiumsdiskussion: "Es geht um das Festspielhaus"
Rauchmelder in Hopfen und Schwangau verhindern Schlimmeres
Rauchmelder in Hopfen und Schwangau verhindern Schlimmeres

Kommentare