"Füssener Tafel" wird fünf Jahre alt

Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Tafel Füssen sortieren jeden Donnerstag die gespendeten Lebensmittel. Foto: ab

Füssen – Seit fünf Jahren versorgt die Tafel Füssen Kunden im gesamten Altlandkreis. Pfronten und Lechbruck werden über einen Fahrservice versorgt. Das eingespielte Team aus 72 – ausschließlich ehrenamtlichen – Mitarbeitern, davon 13 Fahrer, ist jeden Donnerstag von morgens bis abends in Aktion.

Die „Füssener Tafel“ ist die Bezeichnung für eine gemeinnützige Hilfsorganisation, die qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die im Wirtschaftskreislauf nicht mehr verwendet und ansonsten vernichtet würden, an Bedürftige verteilt. „Es wird verteilt, was übrig bleibt“ ist der Grundgedanke der Tafelarbeit. Der Vorteil liegt in einer schnellen und unbürokratischen Hilfe. Hauptsächlich gibt es Sachspenden, also Lebensmittel von Bäckereien, Metzgereien, Discountern und so weiter. 

Michael Wollnitza, Vertrauensmann bei der Tafel, ist aber froh: „Es gibt Leute, die haben einen Dauerauftrag an uns.“ Mit diesem Geld sei eine langfristige Planung möglich. Manchmal gibt es auch spontane Geld-Spenden. „Damit kaufen wir oft lang haltbare Ware wie Nudeln und Öl dazu, da diese wegen ihrer langen Haltbarkeit fast nie als Spenden abgegeben werden“. „Das Geld brauchen wir auch dringend, denn wir haben ja auch monatliche Fixkosten“, so die stellvertretende Leiterin Dorothea Wanner. Die Autos zur Warenabholung werden gesponsert, aber Sprit und, falls notwendig, kleine Reparaturen an den Wagen, zahlt die Tafel selbst.

Die Tafel ist wegen der Grundversorgung an Lebensmitteln bedeutsam. Genauso wichtig ist aber ihr Beitrag zur Eingliederung in die Gesellschaft: Viele arme Leute leiden an sozialer Vereinsamung. Beim Gang zur Tafel treffen sie Gleichgesinnte, kommen ins Gespräch, lernen sich auch besser kennen. Nach dem Motto „Hier werd ich nicht schief angeschaut, hier werde ich gut behandelt. Hier fühle ich mich wohl“ ist das Schamgefühl für viele Vergangenheit. Dabei spielt der Warte- beziehungsweise Aufenthaltsraum eine enorme Rolle – auch als Kontaktstelle. Bei der Füssener Tafel muss keiner draußen im Freien stehen. 

Die Lebensmittel müssen bezahlt werden (ein Euro für Erwachsene, Kinder kostenlos). Wanner: „Die bedürftigen Menschen kommen sich dann nicht wie Bettler vor, sondern wie Kunden. Und so werden sie auch behandelt.“ Und die Anzahl der Kunden steigt stetig. Waren es im Jahr 2008 bis zu maximal 130 Personen (im Schnitt gut 100), sind in diesem Jahr jeden Donnerstag mindestens 130 gekommen. Mitte des Jahres wird der vierzigtausendste Kunde erwartet. 

Auffallend ist, dass sich die Zusammensetzung der Kunden in den letzten zwei Jahren merklich verschoben hat: Immer mehr Rentner kommen, Tendenz steigend. Derzeit sind gut ein Drittel der Kunden Rentner. Ebenso bedrückend ist die Tatsache, dass 40 Prozent der Tafel-Kunden Kinder sind. „Es gibt Sachen, die sind für uns selbstverständlich. Aber es gibt eben Leute, für die sind genau diese Dinge eine Ausnahme“, erklärt Michael Wollnitza. Und deshalb wurde ein Teil von kürzlich gespendetem Geld in Kino-Karten investiert – die bestimmt eine große Freude bereitet haben. „Die Freude, die wir geben, kommt ins eigene Herz zurück.“ – und dies feiert die Tafel Füssen mit einem Tag der offenen Tür am Samstag, 4. Mai, ab 11 Uhr: mit Getränken, Speisen, Musik sowie einem Flohmarkt der Sachen, die Tafel-Mitarbeiter zur Verfügung gestellt haben. ab

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