Buchvorstellung mit anschließender Debatte

Integration im Außerfern: "Nach Gemeinsamkeiten suchen"

+
REA-Geschäftsführer Günter Salchner im Gespräch mit Autorin Ksenia Konrad zur Frage, wie Integration möglich gemacht werden kann.

Reutte – Ist das Außerfern – kein „Sehnsuchtsort” für Fachkräfte? Zu diesem Thema luden Mitglieder des Vereins Regionalentwicklung Außerfern (REA) in die Kleinkunstbühne „Kellerei” in Reutte ein.

Jetzt fanden dabei eine Buchvorstellung mit anschließender Podiumsdiskussion statt. Zum Einstieg in das Thema stellte die Autorin Ksenia Konrad ihr kürzlich erschienenes Buch mit dem Titel „Alles Ausser Fern” vor. Darin verarbeitet sie ihre eigenen Integrationserfahrungen sowie die ihrer Schülerinnen und Schüler. Konrad ist gebürtige Russin, die es aus privaten Gründen ins Außerfern verschlagen hat. Außerdem ist sie Sprachtrainerin für Menschen aus aller Herren Länder, unter anderem für das „KAOS Bildungswerk” und das „WiFi Bildungszentrum” in Reutte.

Ihr Buch richtet sich an alle, die mit Ausländern arbeiten, neben ihnen wohnen oder sich ein Bild über die Situation abseits der Fernsehberichterstattung machen wollen. Konrad erzählt in ihrer Publikation, wie ihre Sprachschüler schon alleine mit den Zuordnungen der Pronomen „der, die, das” Schwierigkeiten haben und sich in diesem „Sprach-Marathon” zurechtfinden müssen. „Das ist, wie wenn man auf einer unbeleuchteten Straße bei Nebel und ohne Namensschilder den Weg finden muss”, erklärte sie.

In der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen die Landesrätin für Integration Gabriele Fischer, der Geschäftsführer der Allgäu GmbH, Klaus Fischer, Reuttes Bürgermeister Alois Oberer und die Buchautorin teil. Dabei ging es um die Frage „Brauchen und/oder wollen wir Zuwanderung?” REA-Geschäftsführer und Diskussionsleiter Günter Salchner stellte zu Beginn fest, dass trotz des Fachkräftemangels viele Arbeitsplätze im Außerfern unbesetzt bleiben. 

Kein "Sehnsuchtsort"

Im internationalen Wettbewerb habe die Region wenig Chancen, ausgebildete Menschen zu halten, denn das Außerfern sei für sie kein „Sehnsuchtsort”. „Das Allgäu wirbt seit langer Zeit erfolgreich und intensiv mit tollen Jobs und hoher Lebensqualität”, so Salchner und fügt hinzu „qualifizierte Zuwanderung muss aktiv gesteuert werden und umfasst auch die Integration im Sinne eines Forderns und Förderns”. Die Aktivitäten für eine bessere Integration seien zu verstärken und auf ausländische Fachkräfte und Menschen mit Integrationsdefiziten, die bereits seit Jahren im Außerfern leben auszudehnen. In den Mittelpunkt ihrer Ausführungen stellte Landesrätin Fischer die kürzlich erschienenen Leitlinien unter dem Motto „Gemeinwohl und Zugehörigkeit stärken” als Wegweiser für ein gutes Zusammenleben vor. 

„In Tirol leben Menschen aus 182 verschiedenen Ländern. Hier gelte es nicht nach Unterschieden sondern nach Gemeinsamkeiten mit diesen Menschen zu suchen”, mahnte sie an und fügte hinzu, „hier gibt es riesige Potenziale die es zu nutzen gelte“. Auf die Frage an Allgäu GmbH-Geschäftsführer Fischer, was die deutschen Nachbarn bei der Behebung des Facharbeitermangels anders machen und auch erfolgreicher, führte dieser unter anderem aus, dass das A und O die Vermittlung von deutscher Sprache sei. 

Keine heile Welt

„Bei uns gibt es viele Ansätze aber auch bei uns ist diesbezüglich nicht die heile Welt”, stellte er fest. Ferner habe man Zusammenarbeit mit dem international tätigen Forschungs- und Beratungsinstitut „Great Place to Work” intensiviert. Außerdem habe sich unter anderem die Aktion „Job Challange”, bei der eine ganze Reihe von Arbeitsangeboten in verschiedenen Branchen zum hineinschnuppern angeboten werden, bewährt. Seine persönliche Sicht, aber auch die als Bürgermeister, versuchte Oberer in die Diskussion einzubringen: „Wir haben die verdammte Pflicht, den Menschen zu helfen, denn keiner fliegt aus einem Land wenn es im gut geht.” 

Sprachliche Defizite

Dass Integration funktionieren kann, zeige die Wirtschaft und der Sport und er stellte weiter fest, dass die Angst vor Migranten meist durch sprachliche Defizite entstehe. Der Schlüssel sei also „Bildung und Sprache” und er zeigte sich enttäuscht vom Land Tirol, das bei der Sprachförderung in Kindergärten im laufenden Jahr 90.000 Euro gestrichen werden. „Allein bei uns leben 70 Nationen und wir bemühen uns, sie zu integrieren und dann das” sagte er resignierend. 

Dass die Diskussion keine Lösungen zu dem breit gefächerten Thema Integration präsentieren konnte, war zu erwarten und nicht Ziel des Abends. Jedoch waren die Ansätze dazu vorhanden. Zum Ende der Debatte stand die Botschaft das Miteinander zu stärken und die Bemühungen dazu auszudehnen fest. „Wenn wir keine greifbaren Lösungen für die Integration und gegen den Facharbeitermangel finden, werden wir unter die Räder kommen”, bemerkte zum Abschluss der Diskussionsleiter des Abends Salchner.

ed

Auch interessant

Meistgelesen

Polizei stellt bei Syrern mehrere gefälschte Führerscheine sicher
Polizei stellt bei Syrern mehrere gefälschte Führerscheine sicher
Schleierfahnder stellen neun Kilo Kokain auf der A7 bei Nesselwang sicher
Schleierfahnder stellen neun Kilo Kokain auf der A7 bei Nesselwang sicher
Füssener Bürgermeister-Kandidat Eichstetter: "Ich bin der Mann im Vordergrund"
Füssener Bürgermeister-Kandidat Eichstetter: "Ich bin der Mann im Vordergrund"
Sido kommt nach Füssen
Sido kommt nach Füssen

Kommentare