Befürworter und Gegner des Hotels am Festspielhaus legen Argumente dar

Podiumsdiskussion: "Es geht um das Festspielhaus"

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Schlagabtausch auf offener Bühne: Hotel-Gegner Alexander Beck (v.l.), Festspielhaus-Eigentümer Manfred Rietzler, seine Architekten Tom Krause und Astrid Bohne, sowie die Anwältin der Gegner, Lisa Eberlein, Michael Käs vom BN und Moderatorin Jutta Prediger.

Füssen – Peter Hartl wirkte einigermaßen ratlos. Vergeblich versuchte der Hauptamtsleiter am Montagabend um kurz vor 19 Uhr noch einen Sitzplatz im „Haus der Gebirgsjäger“ zu ergattern.

Wie viele andere muss er schließlich im Eingang zum Saal stehen bleiben, in dem sich zu diesem Zeitpunkt bereits etwa 350 Zuhörer drängen. Keine Frage: Das geplante Luxus-Hotel am Festspielhaus (FSH) und das gegen den Bau gerichtete Bürgerbegehren erhitzen die Gemüter der Füssener und mobilisiert sie. „Ich bin total platt, dass so viele gekommen sind“, staunt Moderatorin Jutta Prediger vom Bayerischen Rundfunk, die die Veranstaltung die kommenden zweieinhalb Stunden souverän vom Podium aus leiten wird.

Im Saal des Soldatenheims sitzen die Menschen dicht an dicht, es ist warm und stickig, die Bedienungen versuchen sich mit ihren Tabletts irgendwie durch die Reihen durchzuschlängeln. Die Stimmung ist angespannt, teilweise sogar leicht gereizt. Vor allem die Ausführungen der Hotel-Gegner Michael Käs (BN Füssen) und Alexander Beck (Kreisfischereiverein Füssen) sorgen immer wieder für Raunen unter den zahlreich erschienen Mitarbeitern des Festspielhauses und den ebenfalls gekommenen Darstellern des Musicals. Sollte das Hotel nicht gebaut werden, stehen ihre Jobs auf dem Spiel. 

Volles Haus: Rund 350 Besucher kommen am Montagabend ins Soldatenheim zur Info-Veranstaltung zum geplanten Hotel am Festspielhaus.

Vor allem die Darsteller sind sauer auf Beck, weil der zuvor etwas missverständlich von einer „Drei-Sterne-Kultur“ im FSH gesprochen hatte. Dafür erhält Beck vom Rest der Anwesenden für seine Darlegung deutlich stärkeren und längeren Applaus als zuvor die Architekten Krause und Bohne.

 „Die Stadt hat sich vorgenommen, zu dem Hotel-Neubau Fakten beizutragen“, erklärt Bürgermeister Paul Iacob (SPD), der sich im Übrigen für den Rest des Abends komplett zurückhalten wird, ehe beide Seiten ihre Standpunkte in jeweils zwanzigminütigen Vorträgen ihre Standpunkte deutlich machen werden. 

Anschließend gibt Moderatorin Prediger die Fragerunde frei. Den Anfang macht Ulrike Propach, Sprecherin des Wirtschaftsbeirats Ostallgäu. Sie will unter dem Applaus und Gejohle der zahlreichen FSH-Mitarbeiter wissen, wieso die Projekt-Gegner dem Vorhaben trotz der daraus entstehenden neuen Arbeitsplätze und zusätzlichen Kaufkraft das öffentliche Interesse absprechen. 

Klaus Zettlmeier, Vorsitzender des Füssener Wirtschaftsbeirats, wirft Käs und Beck vor, in ihren Info-Flyern falsche und polemische Aussagen zu tätigen. „Warum muss das so aufgebauscht werden, ohne sich an die Fakten zu halten?“ Michael Käs vom BN weißt den Vorwurf Zettlmeiers prompt zurück: „Ich finde nicht, dass der Flyer die Fakten nicht darstellt“, sagte er. Alexander Beck entgegnet Propach, dass aus seiner Sicht kein öffentliches Interesse an dem Projekt bestehe, da es sich um ein privatwirtschaftliches Vorhaben handle. „Das Geld kommt nicht der Öffentlichkeit zugute!“

Außerdem habe Füssen bereits jetzt „ein Megaproblem“ hinsichtlich fehlenden Wohnraums und Mieteinnahmen. Das Hotel werde diese Probleme weiter verschärfen. 

Füssener haken nach

Die kritischen Fragen zum Hotel-Projekt in Richtung Manfred Rietzler kommen indes von den Einheimischen. So will etwa Dr. Reinhold Mayer aus Hopfen von dem Marktoberdorfer Geschäftsmann wissen: „Haben Sie ernsthaft eine Alternative erwogen?“ Rietzler entgegnet, dass er und sein Team um die Architekten Tom Krause und Astrid Bohne mehrere Alternativen geprüft hätten. Alle hätten aber eine eigene Versorgung für das Hotel gebraucht, sodass keine Entlastung für das FSH zu erreichen gewesen wäre. Und ein Hotel auf der anderen Seite der B16 mache ebenfalls keinen Sinn. „Das Hotel kann nicht auf der anderen Seite der Straße stehen, denn dann sind die Synergien nicht da“, sagt Rietzler. 

Der Füssener Michael Kiefer gibt anschließend zu bedenken, das der gesamte Gebäudekomplex künftig 360 bis 390 Meter lang sein werde. „Das ist die Dimension, die dann da unten steht.“ Zweifel äußert er auch an Rietzlers Plan, den Bau des Hotel mit Hilfe eines geschlossenen Immobilienfonds zu finanzieren. „Verbraucherverbände warnen vor solchen Konstrukten“, sagt er. Diese seien hochriskant. Daher interessiere ihn, ob die Finanzdienstleistungsaufsicht Rietzlers Fonds bereits genehmigt habe und ob dieser dem Füssener Stadtrat vorgelegt worden sei.

Es gebe zwei Finanzierungsoptionen, erklärt ihm Rietzler: Die eine sei eine Finanzierung gemeinsam mit zwei bis drei anderen Investoren, die andere der Immobilienfonds. „Der existiert und die Genehmigung liegt bereits vor“, so der FSH-Eigentümer. 

Noch mehr Touristen?

Auf Nachfrage von Sabine Tiedemann berichtet der Eigentümer außerdem, dass die Businesspläne bestätigen würden, dass Hotel und Veranstaltungshaus gemeinsam funktionieren werden. „Der kombinierte Businessplan funktioniert“, betont er mehrmals. So soll das Hotel zum einen Pacht an das FSH zahlen. Zum anderen sollen sich die anfallenden Fixkosten für das gesamte Areal Luxus-Ressort und Musiktheater teilen. „Die Kosten verteilen sich auf zwei Betriebe“, erklärt er auf eine ähnliche Frage von Hans Hack. „Wir sind uns sehr sicher, dass das kombinierte Business Case funktioniert.“ 

Andere Sorgen plagen an diesem Abend die Angelina Flierl. Sie befürchtet erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität in Füssen durch noch mehr Touristen und Verkehr durch das Fünf-Sterne-Ressort und seine Gäste. „Sollen die normalen Füssener jetzt wegziehen, weil sie sich Füssen nicht mehr leisten können?“, fragt sie. 

Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier erklärt, der hohe Druck in der Hauptsaison werde vor allem durch die zahllosen Tagesgäste erzeugt. Füssen habe eine klare Qualitätsstrategie. Zwar habe im Wirtschafts- und Marketingausschuss niemand „Hurra“ geschrien, als Rietzler seine Pläne dort vorgestellt habe. Letztlich habe sich das Gremium aber bei zwei Gegenstimmen für das Vorhaben ausgesprochen. „Es geht um das Festspielhaus, und das bringt Gäste nach Füssen, die wir haben wollen!“ „Bei diesem Hotel ein Exempel zu statuieren, ist das falsche Exempel“, betont er und bekommt dafür viel Beifall aus den Reihen der Befürworter. Das FSH sei darübr hinaus „systemrelevant“ für Füssen. Werde das Hotel nicht gebaut, sei die Konsequenz, dass es kein FSH mehr geben werde.

 Erhebliche Verkehrs- und Lärmbelastungen für die Anwohner im Weidach befürchtet hingegen Kasimir Schmutz, der sich sicher ist, dass der schwere Baustellenverkehr nicht allein über die kleine Ach-Brücke beim FSH abgewickelt werden kann. „Wir unten im Weidach dürfen die ganzen Krach hinnehmen“, so Schmutz. Füssen habe tatsächlich ein Verkehrsproblem, sagt Rietzler. Er glaube allerdings nicht, dass die Situation durch den Baustellenverkehr verschärft werde. Wenn die großen Reisebusse über die Ach-Brücke fahren könnten, dann auch die Baufahrzeuge. 

Tom Rösgen, Restaurant-Manager im FSH, macht sich ebenfalls für den Hotel-Bau stark. „Wir brauchen das Hotel!“, sagte er. „Wir haben so viele Interessenten, die hier gerne eine Tagung halten würden, aber keine Hotel-Zimmer finden“, schilderte er die Situation. „Wir kriegen das Hotel von alleine voll.“

mm

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