"Der Alltag ist vom Stress befreit"

Bei einer Umfrage äußern sich Füssener Bürger zur aktuellen Lage und der Corona-Krise

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Familie Depner war bereits zehn Tage in häuslicher Quarantäne. 

Füssen – Die Welt erstarrt unter dem Coronavirus. Das tägliche Leben ist nicht mehr das, was es bisher war. Veranstaltungen und Versammlungen sind landesweit untersagt. Die Schulen und Kitas haben seit Montag in ganz Bayern geschlossen. Genauso wie nun auch sämtliche Einrichtungen, die der Freizeitgestaltung dienen - gefühlt alles was Spaß macht.

DerKreisbote war in Füssen unterwegs, um die Bürger nach ihrer Meinung, ihren Gefühlen und Erfahrungen zu fragen.

Juana Depner und ihre Kinder sind einfach nur froh, wieder draußen sein zu dürfen, berichtete die alleinerziehende Mutter. Denn sie waren zehn Tage in häuslicher Quarantäne. „Das war sehr schwierig“, berichtete sie. Nicht nur, da sie drei Kinder im Alter von elf, sieben und drei Jahren so lange Zeit beschäftigen musste. Insbesondere um ihre jüngsten Tochter sorgte sie sich. „Sie war ein Frühchen, hatte von Beginn an Probleme mit dem Atmen. Wir haben auch jetzt noch ein Sauerstoffgerät und einen Monitor zu Hause. Letztes Jahr erst hatte sie eine Lungenentzündung.“ 

Alternativen finden

Dennoch könne sie nicht sagen, in Panik zu sein. „Wir sind eigentlich sehr aktiv. Das fehlt so sehr, Sport zu machen“, erklärte die junge Mutter. Der Elfjährige kann nicht mehr ins Eishockey. Das Alternativprogramm „haben alle mitgemacht. Jeden Morgen erst einmal ein kleines Workout. Sogar Yoga.“ Nein, unterkriegen lasse sie sich nicht. „Ich muss auch sagen, ich bin so dankbar. Freunde, Familie, die haben alle Sachen vorbei gebracht. Sowas habe ich vorher noch nie erlebt“, erzählte sie. Die Lehrer und die Kindergartenleiterin hätten auch angerufen, sich erkundigt. „Und jetzt ist es auch irgendwie schön, weil, der Alltag ist vom Stress befreit. Wir haben einfach mal keine Termine. Wir können in den Tag leben.“ Und das sei, trotz der Entbehrungen und Einschränkungen, etwas, was sie aus der Situation mitnehmen würden.

„Weiter kommunizieren ist das Wichtigste“

Sylvia Hauber und Klaus Pieper lassen sich nicht beirren. Auf die Frage des Kreisboten hin, wie sie mit all dem umgehen würden sagte Hauber: „Wir trotzen!“ Was Pieper bestätigte. Beide seien achtsam, empfinden den Notfallplan, vor allem eine mögliche Ausgangssperre, jedoch als übertrieben. Hauber erzählte: „Es ist erschreckend. Leute laufen an einem vorbei als würde man sich nicht kennen.“ Es sei nicht nur ein Abstandwahren, es sei eine regelrechte Ablehnung, der sie zum Teil begegnen würden. Grüßen könne jeder, auch mit der vorgeschriebenen Distanz. „Weiter kommunizieren ist das Wichtigste“, ihrer Meinung nach. „Mein Vater sagte in Krisenzeiten immer: ,Wenn wir jetzt das Atmen aussetzen, legt sich der Tod gleich mit dazu!‘“, erzählte Pieper. „Wer nur zu Hause bleibt bekommt doch bald einen Lagerkoller.“ „Deshalb gehen wir auch raus“, warf Hauber zustimmend ein. Und wer ihnen beiden begegne, bekäme gerne etwas von ihrer Fröhlichkeit ab, lachte sie. Man müsse es nehmen, wie es komme, so Pieper. „Gelassenheit ist eine Facette der Weisheit.“

Sorgen um Freund und Bekannte

Anne Berkmüller war gerade auf dem Weg, um für die Physiotherapie-Praxis einzukaufen, in der sie arbeitet. Sie wisse nicht einmal, ob die Praxis nächste Woche noch öffnen darf. Ihre Meinung ist: „Es wurde einfach zu spät reagiert.“ Sie mache sich Sorgen um viele Freunde und Bekannte. „Es gibt schon Kündigungen und Insolvenzen.“ Unter anderem, weil manche bei den Kindern bleiben müssen. „Ich finde, dass die Berufstätigen, die jetzt gezwungen sind wegen der Kinder zu Hause zu bleiben, entlastet werden müssen. Und zwar effektiv. Da hängen Existenzen dran. Das ist Existenzbedrohend.“

Selma Höfer

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