Einfach, unbürokratisch, einträglich

Was jeweils reibungslos den Marketing-Ausschuss von Füssen Tourismus und den Haupt- und Finanzausschuss passiert hatte, genehmigte der Stadtrat erst nach kontroverser Diskussion – die Erhöhung des Kurbeitrags. Vor allem Stadtrat Gabriel Guggemoos (Füssen-Land) kritisierte das Vorhaben heftig. Er sah Randgebiete wie Weißensee oder Eschach benachteiligt.

Leichter verständlich, unbürokratischer und vor allem lukrativer soll die neue Kurtaxenregelung sein (der KREISBOTE berichtete). Wie Tourismus-Chef Stefan Fredlmaier vor den Stadträten, die ausnahmesweise im Haus Hopfensee tagten, zusammenfasste, soll die Nebensaison der Hauptsaison angeglichen werden, die billigere Kurzone zwei mit der teureren Kurzone zwei verschmelzen. Der reguläre Kurbeitrag von 1,60 Euro, den jeder Gast pro Übernachtung bezahlen muss bleibt zwar gleich, durch den Wegfall der billigeren Zone beziehungsweise Saison kommt jedoch mehr Geld rein, das, so betonte Fredlmaier, allein in den Tourismus investiert werde. Hauptgrund für die teureren Tarife sei die Inflation, der die Stadt seit 15 Jahren nicht mit einer Erhöhung entgegengewirkt habe. Gleichwohl habe sie das Angebot in dieser Zeit erweitert. Regelung vereinfacht Kinder sollen fortan ab dem 12. Lebensjahr bezahlen, bisher galt hier eine komplexe, schwer verständliche Regelung. Ermäßigt sind Behinderte und gänzlich befreit Eis-Sportler, die für Training und Lehrgänge nach Füssen kommen. Dass die Erhöhung zu Lasten von Ortsteilen wie Weißensee geht, befürchtete Gabriel Guggemoos. Die dortigen Kleinvermieter der bisherigen Kurzone zwei leben vor allem von Familien und „werden voll abgezockt“. Die höhere Kurtaxe verleite die Touristen dazu, sich etwa in Eisenberg ein Quartier zu suchen, das überhaupt keinen Kurbeitrag verlange. Zudem investiere die Stadt nicht in die Infrastruktur. So sei die Weißenseer Loipenspurmaschine 30 Jahre alt, ebenso der Spielplatz. Die Ansicht, dass auch den entlegeneren Ortsteilen Leistungen aus der Anhebung des Beitrags zustehen, teilte der Großteil des Stadtrats, jedoch solle auch Weißensee bei der neuen Regelung mitmarschieren, wie etwa Dr. Anna Derday (FW) erklärte. Qualität sichern Bürgermeister Paul Iacob (SPD) verteidigte hingegen die städtische Investitionspolitik. Gleich nach seinem Amtsantritt habe er etwa den Bach gegen Überschwemmungen befestigen lassen und dabei gleich für eine optische Aufwertung gesorgt. „Füssen Tourismus hat die Zukunft aller Ortsteile im Auge“, versicherte er. Dass mit einer Investition in das elektronische Kurkartensystem die eng begrenzten Öffnungszeiten des Tourismusbüros aus Geldern der Erhöhung entschärft werden, hielt 3. Bürgermeister Andreas Ullrich (FW) der Kritik von Guggemoos entgegen. Vor allem die Qualität des touristischen Angebots wollten die Stadträte durch die Mehreinnahmen gesichert wissen. So stimmten mit Ausnahme von Guggemoos alle Mitglieder des Gremiums für die neue Kurtaxenregelung. Die, so Fredlmaier, weicht in einem Punkt vom bisherigen Plan ab. Die Zusammenlegung der Kurzonen soll nämlich auf zwei Mal erfolgen. Zum 1. Januar soll die Taxe in Zone zwei auf 1,10 Euro angehoben werden, erst ab Mai sollen Gäste dort den vollen Betrag von 1,60 Euro bezahlen. „Das nimmt dem ganzen die Schärfe“, meinte Fredlmaier.

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