Landratsamt weist schwere Vorwürfe gegen Lechbrucker Flüchtlingsheim zurück

"Komplett widersprüchlich"

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In der Flüchtlingsunterkunft in Lechbruck (Symbolbild) ist die Stimmung derzeit angespannt. Einige Bewohner liegen offenbar mit der Betreiberin im Streit. Das Landratsamt hält viele der jetzt erhobenen Vorwürfe allerdings für übertrieben.

Lechbruck/München – Ärger im Ferienparadies: In der Lechbrucker Flüchtlingsunterkunft ist die Atomsphäre seit einiger Zeit geladen. Einige Nigerianer wollen den ehemaligen Pferdehof anscheinend unbedingt verlassen. Bei der Wahl ihrer Mittel sind die Asylbewerber aber offenbar nicht immer zimperlich.

Mittlerweile ermittelt die Polizei wegen Körperverletzungsdelikten, die Aktivistengruppe „Karawane (Für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen)“ fordert die Schließung der Unterkunft. Im zuständigen Landratsamt bleibt man aber gelassen. In gewisser Weise publik gemacht hat die angespannte Situation in der privat betriebenen Flüchtlingsunterkunft etwa 1,5 Kilometer außerhalb von Lechbruck am Montag die Münchner Aktivistengruppe „Karawane“. Auf ihrer Homepage erhebt sie in dem Text mit der Überschrift „Willkür und Gewalt statt Landidylle“ schwere Vorwürfe gegen die Betreiberin der Flüchtlingsunterkunft. 

Unter ihrer Leitung sollen dort angeblich Willkür, Gewalt und Rassismus herrschen. Dabei beruft sich die „Karawane“ auf die Aussagen von vier Bewohnern der Unterkunft, die unlängst auch an dem Hungerstreik am Sendlinger Tor in München teilgenommen haben sollen. „Die Bewohner klagen über willkürliche Verbote und Beleidigungen von Seiten der Betreiberin. Am schwersten jedoch wiegt der Vorwurf der Gewalt gegen Flüchtlinge durch die Betreiberin“, heißt es. 

Diese soll sowohl in einer heftigen Diskussion um die Nutzung der Waschmaschine als auch bei einer Zimmerkontrolle handgreiflich gegenüber Bewohnerinnen geworden sein. Und erst vor kurzem habe sie angeblich eine Schwangere attackiert. Außerdem habe sie die Bewohner mehrfach rassistisch beleidigt, so ein weiterer Vorwurf. „Die Unterkunft muss umgehend geschlossen werden!“, wird daher ein Dominik Haselwarter von der „Karawane“ zitiert. 

Christian Owsinski, Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, bestätigte auf Anfrage des Kreisbote zwar, dass es im August und November zu zwei Vorfällen gekommen sei, die bei der Polizei angezeigt wurden. Dabei handle es sich allerdings um wechselseitige Anzeigen. Sprich: Sowohl Bewohnerinnen als auch die Betreiberin haben sich gegenseitig wegen leichter Körperverletzung angezeigt. „Dabei sind die Aussagen komplett widersprüchlich“, erklärt Owsinski. Um Rassismus oder rassistische Beleidigungen gehe es in beiden Fällen aber nicht. „Es gibt definitiv keine Vorwürfe des Rassismus“, betonte er am Dienstag. 

Ein Fall liege bereits bei der Staatsanwaltschaft, in dem zweiten werde vonseiten der Polizei noch ermittelt. 

Darüber hinaus, kritisiert der anonymisierte Verfasser des „Karawane“-Artikels, blockiere die Betreiberin der Unterkunft Spenden, Hilfsangebote und Besuche der Bevölkerung, Kinder dürften draußen nicht spielen. Außerdem sollen die Zimmer teilweise mit Schimmel befallen sein. 

Übertriebene Vorwürfe? 

Als übertrieben wertet man diese Vorwürfe im Landratsamt in Marktoberdorf, das sich noch am Montagabend zu „einer objektiven Klarstellung“ gezwungen sah. So könnten laut Ralf Kinkel, zuständig für die Unterbringung von Asylbewerbern im Landkreis, die Vorwürfe der „Karawane“ entkräftet werden. Seinen Angaben zufolge forderten drei bis vier nigerianische Familien – insgesamt leben in der Unterkunft 58 Menschen – schon länger die Verlegung in ein anderes Heim. „Diese Forderungen wurden auch immer wieder lautstark und unter anderem gegenüber Mitarbeitern des Landratsamtes handgreiflich vorgetragen“, berichtet er. So hätten beispielsweise im Sommer mehrere Frauen einen Behörden-mitarbeiter bedrängt, den Weg versperrt und dabei sein Hemd zerrissen. 

Fehlende Belüftung 

„Es ist nicht immer einfach“, so Kinkel auf Nachfrage des Kreisboten. Anscheinend ist den Familienangehörigen bei ihrem Ziel, aus Lechbruck wegzukommen, einiges recht. Denn laut Kinkel stimme es nicht, was von der „Karawane“ behauptet werde. Zwar sei in einem der Apartments tatsächlich ein kleinerer Schimmelbefall am Türstock festgestellt worden. Allerdings werde die Wohnung von ihrer Bewohnerin auch nie gelüftet. Im Gegenteil: „Die Fenster waren teilweise mit Decken verhängt. 

Im Wohnzimmer waren zwei Ventilatoren, die auf Heizen gestellt waren und permanent liefen“, so Kinkel. „Auch der Arzt sieht das Problem in der Wohnung durch die fehlende Belüftung“, so Kinkel weiter. Von Isolation oder willkürlichen Verboten könne ebenfalls nicht die Rede sein, wie die wöchentlichen Kontrollen durch das Landratsamtes ergeben hätten. Allerdings habe die Heimbetreiberin vorübergehend tatsächlich die Abgabe von Sachspenden verboten, „da viele der abgelieferten Geschenke auf dem Müll landeten und von der Hausverwaltung entsorgt werden mussten“, erläutert Kinkel. Mittlerweile könnten Sachspenden aber wieder abgegeben werden. 

Kinkels Fazit: „Keinesfalls sind die Wohnverhältnisse derart, dass eine sofortige Schließung der Einrichtung angebracht wäre“, betont er. Obwohl die „Karawane“ „offenbar oberflächlich und ohne Kontakt mit dem Landratsamt aufzunehmen die Einrichtung besichtigt“ und sich lediglich auf die Aussagen von wenigen Bewohnern stütze, wolle die Behörde auf juristische Schritte gegen die Organisation aber verzichten.

Matthias Matz

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