Sanierung soll Schritt für Schritt erfolgen

Rettung für das Füssener Oberseebad

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Der Schwimmbereich des Obersees soll als Naturfreibad erhalten bleiben. Das bedeutet auch, dass der Sprungturm stehen bleibt.

Füssen – Ein starkes Zeichen für den Erhalt des beliebten Naturfreibades Obersee in Bad Faulenbach hat der Stadtrat am Dienstagabend gesetzt: Einstimmig sprach sich das Gremium dafür aus, an dem Bad fest zu halten und es Schritt für Schritt in den kommenden Jahren zu sanieren, um so einen langfristig wirtschaftlichen Betrieb zu ermöglichen.

„Es muss einiges getan werden“, betonte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU). Voraussetzung dafür ist jedoch, dass es gelingt, die derzeit wegen eines Hangrutsches gesperrte Alatseestraße als Rettungs- und Zufahrtsweg zu verlegen. 500 bis 600 Besucher kommen in der Regel an heißen Sommertagen ins Oberseebad in Bad Faulenbach, um zu baden und zu entspannen. Vor allem bei Einheimischen ist das historische Naturfreibad überaus beliebt und stellt ein Stück Heimat dar. 

Umso größer war das Entsetzen, als sich im Frühjahr abzeichnete, dass das Bad heuer nicht öffnen wird. Gründe dafür sind, wie bereits mehrfach ausführlich im Kreisbote berichtet, das Fehlen einer Badeaufsicht, der marode Zustand der Gebäude sowie das Fehlen eines Rettungsweges, nachdem wegen eines Hangrutsches die Alatseestraße gesperrt werden musste. Gelingt deren Verlegung, soll das Bad im Wesentlichen als Naturfreibad erhalten bleiben, so der einstimmige Beschluss des Stadtrates vom Dienstag. 

Vom Tisch ist damit die Idee, aus dem Freibad eine Badestelle zu machen. Denn das hätte bedeutet, dass sämtliche Anlagen wie Stege, Wasserrutschen oder Sprungbretter abgebaut werden müssen. „Das würde das Bad unattraktiv werden lassen!“, sagte Gutachter Erwin Wiedermann. Außerdem wäre der Abbau mit sehr hohen Kosten verbunden. 

Stattdessen soll nun der Freibadbereich mit Schildern vom Rest des Geländes – der zur Badestelle werden soll – klar abgegrenzt werden, um juristisch auf der sicheren Seite zu sein. Außerdem soll ein zusätzlicher Steg aufgestellt werden. Die Becken werden außerdem in ein Kinder-, Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken umgewandelt. Der Bereich für Schwimmer könnte auch als künftiges Lehrschwimmbecken für die Schulen und andere Institutionen genutzt werden, erklärte Eichstetter. 

Gebäude wird saniert

Neben dem Schwimmbereich sollen das übrige Areal sowie die Gebäude ebenfalls Schritt für Schritt saniert werden, um langfristig einen wirtschaftlichen Betrieb sicher zu stellen. Denn bleibt der Freibadbereich als solcher erhalten, muss künftig eine Badeaufsicht – ein Bademeister mit bis zu zwei Gehilfen – den Schwimmbetrieb beaufsichtigen. Um sich die Badeaufsicht aber auch leisten zu können, muss dem Pächter die Gelegenheit gegeben werden, höhere Einnahmen zu erzielen, erklärte der Rathauschef. Gutachter Wiedermann ergänzte: „Dass der Pächter nur kostendeckend arbeitet, sollten wir vermeiden!“ 

So müsse über höhere Eintrittspreise genauso nachgedacht werden wie über einen längeren Betrieb des Kiosks mit Biergarten über die Badesaison hinaus sowie den Bau eines Biergartens. Zwar warnte CSU-Stadtrat Dr. Christoph Böhm davor, dass die Stadt damit den anderen Gastronomen im Faulenbacher Tal Konkurrenz mache. Eichstetter wies aber darauf hin, dass man sich jetzt in der Planungsphase die Option auf eine ganzjährig geöffnete Gastronomie nicht verbauen dürfe. „Das wäre die falsche Antwort!“ 

Wie die Finanzierung des Bademeister künftig konkret funktionieren soll, muss noch im Detail geklärt werden. Klar ist derzeit nur: „Wir müssen auf alle Fälle eine Pacht erheben!“ Vorstellbar ist laut Eichstetter, dass die Verwaltung das Personal unter den städtischen Mitarbeitern rekrutiert. Interessenten gebe es bereits, berichtete er. Andererseits könnte die Stadt dem Pächter einen Zuschuss für den Bademeister zahlen. Möglich sei auch, DLRG oder Wasserwacht mit ins Boot zu holen. 

Neuer Spielplatz

Neben dem Kiosk mit Küche soll Zug um Zug auch der übrige Gebäudekomplex gründlich saniert werden, vor allem die Elektroinstallationen, die Heizung-, Lüftungs- und Sanitäranlagen und die Kanalisation. Dazu sollen ein zeitgemäßer Spielplatz und zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise ein „Spaß-Bereich“ für Kinder und Jugendliche kommen. Denkbar sind hier laut Wiedermann aufblasbare Spiel,- Sprung- und Klettergeräte. Diese seien billig, pflegeleicht und Vandalismus sicher. 

Füssen-Land-Stadtrat Niko Schulte erinnerte daran, dass all diese Vorschläge nicht wirklich neu seien. „Was wir heute gehört haben, stand alles schon 2010 in den Unterlagen“, sagte er mit einer Mappe wedelnd. „Zehn Jahre lang ist nichts passiert!“, ärgerte er sich. Für ihn sei klar: „Wir müssen den Obersee definitiv behalten, so wie er ist!“ 

Dem schloss sich das Gremium bei der Abstimmung einstimmig an: Demnach beauftragte es die Verwaltung, unter Voraussetzung der Straßenerschließung die vorgestellten Planungen umzusetzen. 

Dazu gehören die Erneuerung und Ergänzung der Steganlagen, eine Tiefenregulierung der Becken und ein Lehrschwimmbecken mit einer Größe von 15 mal zehn Metern. Die Kostenobergrenze liegt bei 300.000 Euro. Weitere Entscheidungen sollen schließlich Schritt für Schritt zu späteren Zeitpunkt getroffen werden. Ziel ist die Wiedereröffnung des Bades im Sommer 2021.

mm

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