Untersuchung: Experten raten zu mehr Professionalität bei Einzelhandel und Stadtentwicklung

Bekommt Füssen einen "City-Manager"?

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Die Entwicklung der Füssener Innenstadt soll künftig in einem breit aufgestellten Forum diskutiert und ausgearbeitet werden. Vieles deutet aber schon jetzt darauf hin, dass Füssen einen „City-Manager“ bekommen wird.

Füssen – Eine Untersuchung von IHK, Hochschule Kempten und Uni Augsburg zur Situation der Innenstadt sorgte Anfang des Jahres für Aufsehen. 

Vor allem das relativ schlechte Abschneiden des innerstädtischen Einzelhandels sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen führte zu Diskussionen. Am Dienstagabend stellten Prof. Alfred Bauer (Kempten) und Dr. Markus Hilpert (Augsburg) neben den Ergebnissen der Untersuchung dem Stadtrat auch mögliche Lösungsansätze für die Probleme vor. Fazit der beiden: Füssen wird um die Einstellung eines professionellen „City-Managers“ wohl nicht herum kommen. 

Rund 30 Prozent der Einheimischen sind mit dem Einzelhandel in der Innenstadt unzufrieden, bei den Gästen sieht es nicht viel besser aus. Mit diesem Befund schreckte zu Beginn des Jahres eine gemeinsame Untersuchung der genannten Einrichtungen auf (der Kreisbote berichtete mehrfach). Mit welchen Maßnahmen gegen gesteuert werden kann, sollte anschließend mit den Beteiligten und Studenten in Workshops diskutiert werden. 

Die Ergebnisse dieser Sitzungen stellten Prof. Bauer und Dr. Hilpert nun den Stadträten vor. Dabei wurde schnell deutlich: Das Problem muss professionell und unter Einbeziehung möglichst aller Beteiligter angegangen werden. Auch die Stadtverwaltung sehen die Experten dabei in der Pflicht. 

So wunderte sich beispielsweise Dr. Hilpert, dass es auf der Homepage der Stadt keinen eigenen Reiter zum Thema „Einkaufen in Füssen“ als „digitales Schaufenster“ gebe. Hier müsse dringend etwas getan werden. Als weitere Maßnahmen nannte er insbesondere professionelle Weiterbildungen für die Händler, einen Unternehmenscheck und ein „City-Forum“ als Runden Tisch für alle Beteiligten. 

Dazu könnten laut Hilpert die Werbegemeinschaft, der Gewerbeverband, die Anwohner, der Einzelhandel, die Gastronomie, die Dienstleister, die Stadtverwaltung, Immobilienbesitzer, Kulturschaffende sowie Institutionen wie die VHS oder die Kirchen gehören. 

Geleitet werden könnte das Forum von einem „City-Coach“ als Koordinator und Netzwerker. „Hier sind jede Menge Ansätze in der Innenstadt, die endlich jemand angehen muss“, sagte Hilpert. Vorstellbar sei auch, dass das „City-Forum“ den Stadtrat bei Innenstadt relevanten Fragen berät. 

Neue Kampagnen

Darüber hinaus empfahl er, künftig stärker und vor allem mit einem einheitlichen Marketing die Werbetrommel zu rühren und Kampagnen wie das „Füssener Stadtgeld“ auszubauen und neue zu kreieren. Denkbar sei dabei beispielsweise eine Kampagne zum Valentinstag. Eine „Valentinswoche“ im Februar habe gleich mehrere Vorteile, argumentierte er: Zum einen könnten die Besucherströme saisonal etwas entzerrt werden und zum anderen könnte Füssen damit eine in der Region einzigartige Kampagne mit Alleinstellungsmerkmal fahren. 

Auch Prof. Bauer, der dem Füssener Einzelhandel nicht unerhebliche Service-Defizite bescheinigte, machte den Stadträten deutlich, dass Füssen um professionelle Unterstützung in Form eines „City-Managers“ nicht herum kommen werde. Bisher werde in Füssen nur der Tourismus durch Füssen Tourismus und Marketing (FTM) professionell gemanagt, lobte er. 

Aber auch die Bereiche Innenstadtentwicklung und Wirtschaftsförderung müssten analog zu FTM professionalisiert werden. Außerdem schlug er die Gründung eines „Forum Innenstadt Füssen“ (FIF), bestehend aus möglichst vielen Beteiligten wie beispielsweise Werbegemeinschaft, Gewerbeverband, Anwohner, Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleister, Stadtverwaltung, Haus-und Grundbesitzer, Kulturschaffende oder Citycoach vor. Dieses sollte dann wiederum durch den „City-Manager“ professionell beraten werden. 

„Das City-Management muss sich in enger Abstimmung mit der Stadtentwicklung und der Wirtschaftsförderung vollziehen“, so Bauers. Insofern sei eine Ansiedlung im Rathaus – möglicherweise als Stabsstelle des Bürgermeisters, aber mindestens als eigenes Sachgebiet – sinnvoll.

Zunächst solle aber in einem ersten Schritt das FIF gegründet werden, in dem auf Basis der vorgestellten Ergebnisse die nächsten Schritte entwickelt werden sollen. Über die dort ausgearbeiteten Maßnahmen muss dann wiederum der Stadtrat entscheiden. „Auf der Basis dieser Erkenntnisse müssen wir jetzt weiter arbeiten“, ergänzte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). „Ich wünsche mir eine weitere Definition der Maßnahmen.“

Keine Personaldebatte

Da Füssen keinerlei Erfahrung auf dem Gebiet „City-Management“ habe, so Stadtrat Herbert Dopfer (Füssen-Land), frage er sich, wie die Verwaltung den Richtigen für den Job finden wolle und wie die Stelle finanziert werde. Denkbar wäre, sich einen „Manager“ mit einer anderen Stadt zu teilen, entgegnete Bürgermeister Iacob. Eine weitere Möglichkeit sei, dass sich Werbegemeinschaft und Handel am Gehalt des „City-Managers“ beteiligen. „Die Stadt wird die Kosten nicht alleine tragen“, sagte Iacob.

„Hier geht es um den Handel.“ Dr. Anni Derday und Christine Fröhlich (beide FWF) plädierten hingegen dafür, zunächst über einen Stadtentwickler in Vollzeit nachzudenken. „Die Stadtentwicklung ist der Überbau“, sagte Fröhlich. „Ein City-Management einzurichten, wäre das Pferd von hinten aufgezäumt.“ Derday erinnerte daran, dass das Thema „Innenstadt relevante Sortimente“ bei der Ansiedlung von Märkten im Außenbereich den Stadtrat regelmäßig beschäftige. 

Ilona Deckwerth (SPD) beklagte dagegen die fehlende soziale Komponente. „Unsere Altstadt macht so romantisch, dass da Menschen leben und wohnen“, sagte sie. Aspekte wie Mieten und Sanierungen der Quartiere kämen in der Untersuchung gar nicht vor. Daher sei ein Quartiersmanagement der bessere Ansatz. Auch CSU-Fraktionsvorsitzender Heinz Hipp sprach sich dafür aus, mehr die soziale Situation der Einheimische zu beachten. „Die Einkommenssituation in Füssen sollte verbessert werden“, so Hipp. „Nur noch Dienstleister zu sein, ist zu einseitig.“ 

Prof. Bauer wies aber auf die Entstehung der Untersuchung durch die IHK hin. Der Schwerpunkt sei daher der Einzelhandel gewesen. Der soziale Aspekt sei zwar enorm wichtig, aber nicht Gegenstand der Studie gewesen. Zweitem Bürgermeister Niko Schulte (CSU) ging das zu sehr ins Detail. Um das Schaffen oder Besetzen von Stellen gehe es derzeit noch gar nicht. 

„Personaldebatten sind heute nicht das Thema!,“ betonte er. „Hier geht es um die Defizite, die wir haben.“ Das sah auch die Mehrheit der Ratsmitglieder ähnlich: Bis auf Christine Fröhlich stimmten sie dafür, zunächst das „Forum Innenstadt Füssen“ ins Leben zu rufen. Dort sollen dann die weiteren Schritte und Maßnahmen ausgearbeitet werden.

mm

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