Die Energiewende wird sichtbar

Marion Lautenbacher vom Bayerischen Umweltministerium erläutert die Möglichkeiten der Windenergie im Allgäu. Foto: Schuster

Bayern braucht einen Mix aus verschiedenen erneuerbaren Energien, wie Wasserkraft, Biogas, Sonnenenergie und nicht zuletzt Windkraft. Das erklärte Marion Lautenbacher, Referatsleiterin im Bayerischen Umweltministerium am Donnerstag in Nesselwang. Auf Einladung der CSU hielt sie einen Vortrag zum Thema Energiewende. Doch für viele der rund 40 Zuhörer im Pfarrheim St. Andreas ist der Gedanke an Windkraftanlagen in südlichen Ostallgäu weiter kein angenehmer. Aus der Energiewende ist die Windkraft aber wohl nicht wegzudenken.

Den Anteil der erneuerbaren Energien, die in Bayern erzeugt werden, soll nach dem Willen des Bayerischen Umweltministeriums bis 2021 auf 50 Prozent anwachsen. Das ist nicht neu, bereits der gebürtige Oberstdorfer Prof. Dr. Albert Göttle, Abteilungsleiter im Umweltministerium, hatte kürzlich auf der Sitzung des Regionalen Planungsverband darauf hingewiesen. Der Verband beschloss gleichzeitig, Windkraftanlagen auch im südlichen Allgäu zu ermöglichen (der KREISBOTE berichtete). Nun lud die CSU Göttle nach Nesselwang ein, in Vertretung für den verhinderten Energieexperten kam Marion Lautenbacher ins Allgäu und warb für erneuerbare Energien. Bayern habe einen technologischen Vorsprung, den es nicht aufgeben solle. „Der Vorteil der Energiewende ist, dass wir autarker werden können, aber die Anlagen werden sichtbarer“. Soll heißen: Bayern soll und muss nach der Abschaltung seiner eigenen Kernkraftwerke keinen tschechischen oder französischen Atomstrom importieren, sondern ihn selbst erzeugen. Aber die Solar-, Wasserkraft-, und Windkraftanlagen, die diese Energie künftig aufbringen sollen, werden in der Landschaft stehen. Wasserkraft ausbauen Lautenbacher warb für Photovoltaik, aber auch für einen weiteren Ausbau der Wasserkraft. Auf 3400 schätze sie die Zahl der Wehre in bayerischen Flüssen, von denen das Wasser mindestens zwei Meter tief fällt. Diese Energie könne man bereits nutzen. Der größte Nachholbedarf bestehe aber bei der Windenergie. Hier hat, wie erwähnt, nicht nur der Regionale Planungsverband den Weg für eine großflächige Standortsuche frei gemacht, sondern auch das Ministerium die bürokratischen Hürden gesenkt. Dennoch: Zieht man Siedlungen, Naturschutzgebiete sowie Staats- und Bundesstraßen von der Landkarte ab und rechnet die gesetzlichen Abstandsflächen von teils mehreren Hundert Metern dazu, bleibt nur noch wenig Fläche für Windkraftanlagen übrig. Und bei denen stellt sich die Frage, ob dort der Wind auch im Durchschnitt mit fünf Metern pro Sekunde auf Windrad-Höhe bläst. Denn nur dann ist ein Standort wirtschaftlich zu betreiben. Zweifel daran, ob Windenergie im Allgäu sich überhaupt lohnt, wurden anschließend aus der Zuhörerschaft laut. Hier habe doch Norddeutschland seine Stärken, im Allgäu gebe es eher die Wasserkraft zu nutzen, so der Tenor. Doch eben hier habe man die behördlichen Hindernisse nicht gesenkt, beklagte eine Zuhörer, der selbst ein Wasserkraftwerk plane. „Die Wasserkraft ist bei der Bevölkerung akzeptiert, aber bei den Behörden findet sie scheinbar nur Gegner“, klagte er. Gas wird importiert Autark würde Bayern übrigens nur bei den 50 Prozent erneuerbaren Energien, wie die Anwesenden auf Nachfrage eines Zuhörers erfuhren. Denn die übrige Hälfte soll aus Erdgaskraftwerken stammen, die derzeit gebaut oder geplant werden. Das benötigte Erdgas müsste der Freistaat importieren, die Technologie zur eigenen Gewinnung von Methan sei noch lange nicht marktreif. Ob die Strompreise nach der Energiewende noch annähernd die selben bleiben werden wie heute, konnte Lautenbacher nicht sagen. Bemühe sich Bayern jedoch, autark zu werden, steigen die Chancen dafür.

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