Experten-Vortrag in Hopfen am See

Kopfschmerzen müssen nicht sein

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„Jeder Patient wird individuell behandelt“, so der neue Leitende Oberarzt Thomas Helmer, Spezialist an der Fachklinik Enzensberg für chronischen Kopfschmerz.

Hopfen am See – Starke Kopfschmerzen monatelang in Eigentherapie behandeln, kann in einem Teufelskreis führen. Aber es gibt Chancen auf Abhilfe und Steigerung der Lebensqualität, wie der Kopfschmerzexperte Thomas Helmer von der Fachklinik Enzensberg in einer Informationsveranstaltung erklärte.

Allgemein verständlich informierten die drei Hauptreferenten der Veranstaltung vor rund 80 dankbaren Beifall spendenden Zuhörern im Rahmen der „Enzensberger Schmerztage“ über das Thema „Kopfschmerzen“.

Experte Thomas Helmer kam im Sommer ans Interdisziplinäre Schmerzzentrum, um seine Erfahrungen aus früheren Berufsstationen und vor allem seiner auf „chronische Kopfschmerzen“ gerichteten Zusammenarbeit mit Professor Dr. Holger Kaube künftig dem Hopfener Kollegenteam und den Patienten zugute kommen zu lassen. In Helmers Vortrag ging es insbesondere um Kopfschmerzen, die chronisch geworden sind, und Therapiemöglichkeiten, „die nicht immer medikamentös sein müssen“.

An dieses kurze Referat des „Neuen“ schlossen sich Dr. Astrid Werners Infos zum „chronischen Kopfschmerz aus psychosomatischer Sicht“ an. Nach der Chefärztin für Psychosomatik sprach – vor seinem eigenen und den Workshops von Facharzt Lars Schuh und dem Psychologen Dr. Oliver Kuhnt – noch Physiotherapeut Thomas Waibel. „Halswirbelsäule und Kopfschmerz“ lautete sein Thema.

Was die Zuhörer als Botschaft mit nach Hause nehmen konnten, war der wiederholte Hinweis der Experten, dass mit Entspannungsübungen – die man leicht erlernen könne – wieder mehr Lebensqualität zu erreichen sei oder auch den drohenden starken Beschwerden ganz gezielt vorgebeugt werden könnte.

Das Team des Schmerzzentrums, das sich aus unterschiedlichen Berufen zusammensetzt, so Chefärztin Werner, gehe individuell auf jeden Patienten ein. Helmer sprach Klartext mit Blick auf chronisch gewordene Kopfschmerzen, die – im Monat bis zu 15 Mal – als starke Migräne auftreten: Nach heutigem neurobiologischen Verständnis handle es sich hierbei meist um „genetisch beeinflusste und aus diesem Grund nicht primär heilbare Erkrankungen.“

 Statt einer „Reparatur“ erkrankter Organe sei hier eine ganzheitliche Medizin gefordert, die Schmerzen lindern könne. Die Therapie setzt „auch eigenverantwortliches Handeln voraus“. Besonders wertvoll für viele Zuhörer, die sich mit ihren Fragen an die Referenten wandten, war Helmers Info zu den Kopfschmerzen, die durch den Übergebrauch von Medikamenten ausgelöst werden.

Bei häufiger Migräne oder Spannungskopfschmerzen bestehe oftmals ein übermäßiger Gebrauch von Medikamenten, die rezeptfrei erhältlich sind. Durchs übermäßige Pillenschlucken könne, so der Experte, zum eigentlichen Kopfschmerz ein zusätzlicher Schmerz auftreten, der dann von Dauer sei. Der psychosoziale Druck auf die betroffenen Personen verursache zusätzlichen Stress, der die Kopfschmerzen verstärke. Es könne so zu einer Depression oder Angststörung kommen.

Doch es gebe Erfolg versprechende Therapien, diesem Teufelskreis zu entkommen. „Wir bieten ein spezielles Therapieprogramm an, zum Beispiel den Medikamentenentzug, eventuell unter kurzzeitiger Cortisongabe.“ Unverzichtbarer Bestandteil der Beratung sei die Beantwortung eines Fragebogens durch den Schmerzpatienten. „Das ist sehr hilfreich, wie unsere Erfahrungen zeigen“, betonte Helmer. Der Patient müsse nicht – was ihn ängstige – „zur Untersuchung in die Röhre“.

cf

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