Muss es diese Stelle sein?

Entwurf liegt vor – Fahrradboxen am Bahnhof geplant

Straße in Füssen
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Vor dem ehemaligen Landratsamt „Am Ziegelstadel“ könnten Fahrradabstellplätze entstehen. Die Mauer und die Grünfläche müssten dafür jedoch weichen.
  • vonSelma Höfer
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Füssen – Den ersten Vorschlag für einen Fahrradabstellplatz vor dem Finanzamtsgebäude in der Nähe des Bahnhofs stellte Füssens Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) kürzlich den Mitgliedern des Bauausschusses vor. Wenig begeistert entschied sich das Gremium mehrheitlich, dieser Planung eine Chance zu geben.

„Das ist ein erster Entwurf“, sagte der Bürgermeister. „Der Freistaat sagte: ‚Unbedingt machen‘. Die einzige Bedingung war, dass wir sechs Meter vom Gebäude weg bleiben.“ Mit dem Gebäude ist das Finanzamtsgebäude „Am Ziegelstadel“ gemeint, welches sich durch seine unmittelbare Nähe zum Bahnhof gut eigne. „Der Baum bleibt übrigens stehen“, ergänzte Eichstetter. Es habe wegen einer möglichen Fällung Bedenken gegeben. Insgesamt würden dem Entwurf zufolge 20 abschließbare Fahrradboxen und 16 Anlehnbügel (für 32 weitere Fahrräder) untergebracht. An der Stirnseite der Fahrradboxen könnten darüber hinaus Schließfächer mit Ladefunktion für E-Bike-Akkus und Helme positioniert werden. Auch könne die Anzahl der Fahrradboxen zu Gunsten von weiteren Fahrradanlehnbügeln reduziert werden.

Vorgeschlagen sei außerdem, sowohl die Fahrradboxen als auch die Anlehnbügel zu überdachen, Sitzgelegenheiten zu schaffen und das Ganze mit einer Belichtung zu versehen. Die Boxen seien geeignet, erklärte Eichstetter, um ganze Räder hineinzustellen. Insbesondere für hochwertige, teure Stahlrösser sei immer wieder Bedarf gemeldet worden.

Kritik an der Planung

„Wir brauchen Fahrradständer, das ist klar. Aber es muss nicht an dieser Stelle sein“, war Dr. Christoph Böhm (CSU) gleich aus mehreren Gründen gegen diesen Entwurf. Das geplante Projekt verschandele ein Baudenkmal und dessen Garten, weshalb er auch aus Gründen des Naturschutzes dagegen sei. „Grünflächen in der Stadt sollten unbedingt erhalten bleiben.“ Abgesehen davon entspreche der Entwurf nicht den städtebaulichen Voraussetzungen. „Der Sockel mitsamt dem gusseisernen Zaun wird so zerstört.“ Eine Aussage, die Magnus Peresson (UBL) bestätigte: „Wer nach Füssen kommt, sieht das ehemalige Landratsamt. Ein schöner Anblick. Wenn wir das verbauen, machen wir das Einzige kaputt, was an dieser Stelle noch ansehnlich ist.“ Davor möchte er warnen, da so etwas in den vergangenen Jahren häufig passiert sei. „Ganz einfach, weil am städtischen Bauamt niemand angestellt ist, der das studiert hat“, sagte Peresson.

„Kein Platz für Schrotträder“

Er habe aufgrund der Notwendigkeit für den Bau der Fahrradabstellmöglichkeiten gestimmt, sagte Jürgen Doser (FWF), „jetzt aber gilt es darauf zu achten, dass es architektonisch schön wird“. Damit meinte er den Bezug zum Gebäudeensemble dahinter. „Und dass es kein Platz für Schrotträder wird, wie jener vor der Sparkasse.“ Keine unbegründete Sorge, wie Thomas Meiler (CSU) fand. „An der Stelle werden die Stellplätze zu falschen Dingen genutzt“, sagte der ehemalige Polizeihauptkommissar. Seiner Meinung nach müsste die ganze Anlage zentraler sein, da sie dort nicht überwacht werden könne. Auch Böhm äußerte dementsprechend seine Bedenken. „Lichtscheues Gesindel“ würde sich dann dort herumtreiben und den Platz zumüllen.

Es gelte nun zu entscheiden, ob weiter geplant wird oder nicht. „Noch ist nichts entschlossen“, sagte Eichstetter. Sollten die Stadträte nun entscheiden, die Planung zu verwerfen, „trotz aller Arbeit, die da bereits drin steckt“, dann sei das „eine klare Aussage“. Sein Vorschlag: Eine Entwurfsplanung in 3D gestalten zu lassen. Übrigens seien die Planer dieselben, wie jene, die den ZOB planen. „Wir haben einen Grundsatzbeschluss. Die Stellplätze zu schaffen muss nach wie vor unser Ziel sein“, sagte Erich Nieberle (SPD) dazu.

Nähe zum Bahnhof nicht erwähnt

Das, erklärte Böhm im Nachgang gegenüber dem Kreisbote, war zwar Inhalt jener Sitzung. „Es war jedoch nicht so, wie der Bürgermeister nun sagte, dass der Stadtrat einstimmig beschlossen hätte, den Fahrradständer an dieser Stelle zu bauen.“ Er zitierte ein Protokoll dieser Sitzung: „Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am 15. Dezember 2020 beschlossen, dass die Schaffung von weiteren Fahrradabstellplätzen im Bereich der Innenstadt ausdrücklich begrüßt wird.“ Es sei nicht die Rede von der Nähe zum Bahnhof oder exakt dieser Stelle gewesen, so Böhm. Insofern sei bei dieser Abstimmung keiner an einen Beschluss gebunden gewesen. „Der Bürgermeister ist nunmal ein Mann der Tat“, stellte der Stadtrat dessen Fleiß nicht in Frage. Doch manches müsse besser durchdacht werden.

Mit einer knappen Mehrheit stimmte das Gremium für eine weiterführende Planung „Am Ziegelstadel“. Denn, so Böhm, einige hätten am Thema vorbei diskutiert, als sie nur die Notwenigkeit der Radständer berücksichtigten.

Selma Höfer

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