"Er ist unser Frontmann"

Erich Nieberle stellt sich als Bürgermeisterkandidat für die Sozialdemokraten vor

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Erich Nieberle will im kommenden Jahr für die SPD Bürgermeister von Füssen werden.

Füssen – Neben den Freien Wählern und der CSU will auch die SPD mit einem eigenen Bürgermeisterkandidaten in die Kommunalwahl 2020 gehen: Der Marktoberdorfer Erich Nieberle soll Nachfolger des amtierenden Bürgermeisters Paul Iacob (SPD) werden.

Am Mittwochabend stellte der Vorstand des Füssener Ortsvereins den Kandidaten offiziell vor. Mit Nieberle, so sagte Ortsvorsitzende Ilona Deckwerth, „soll die Tradition der sozialdemokratischen Bürgermeister hier in Füssen fortgeführt werden“. „Wir sind so stolz auf unsere SPD-Tradition hier in Füssen“ meinte sie und fügte hinzu: „Die SPD hat sich einstimmig für ihn entschieden. Ein Wahlkampf ist keine One-Man-Show. Er ist unser Frontmann und die Partei stärkt ihm den Rücken.“ 

Amtsinhaber Paul Iacob äußerte sich ebenfalls überzeugt von dem Kandidaten. „Der zukünftige Bürgermeister muss die Rituale und Regeln dieser Politik kennen. Und Nieberle bringt beide Faktoren mit. Er springt nicht ins kalte Wasser.“ SPD-Fraktionsvorsitzender Lothar Schaffrath sagte, er sei froh das Nieberle kandidiere. „Er ist Wahlkampf- und Stadtraterfahren.“ Füssens Ex-Bürgermeister Dr. Paul Wengert lobte dagegen die Bodenständigkeit Nieberles und seinen Innovationsgeist. Aus seiner eigenen Amtszeit wisse er, dass das zukünftige Stadtoberhaupt um etwas zu verändern „in den kommunalen Jahren ähnlich mutige Entscheidungen treffen“ müsse wie er seinerzeit. „Es kommen viele Aufgaben auf den Bürgermeister zu. Mobilität, Umwelt, Natur und Lebensqualität.“ 

Der in Marktoberdorf wohnende „Urallgäuer“, wie sich der 57 Jahre alte Kandidat selbst bezeichnet, ist mit einer gebürtigen Füssenerin verheiratet. Gebürtig aus Görisried, wuchs Nieberle in Biessenhofen auf. Er besuchte das Gymnasium in Marktoberdorf und absolvierte ein Studium der Sozialpädagogik. Nach einer Weiterbildung zum staatlich geprüften Jugendpfleger begann seine berufliche Laufbahn. Seit 1990 ist der Sozialdemokrat kommunaler Jugendpfleger im Jugendamt Ostallgäu und Geschäftsführer des Kreisjugendrings (KJR). Seit 2009 ist er auch für die Partei aktiv und engagiert sich in den Vorständen im Ortsverein Marktoberdorf und dem Unterbezirk Ostallgäu. 

2014 kandidierte Nieberle für das Bürgermeisteramt in Marktoberdorf. Er erhielt damals zwar keine Mehrheit, wurde jedoch als Stadtrat gewählt und Fraktionsvorsitzender der SPD. Der Kandidat ist nicht nur durch seine Familie mit Füssen verbunden, er empfindet die Stadt auch als „bunt“ und das gelte es zu fördern, sagte er am Mittwochabend. Füssen sei speziell, „aber jede Stadt ist speziell.“ Die Herausforderungen in Füssen fordern seiner Meinung nach sozialdemokratische Antworten. Er wisse, dass Füssen eine andere Struktur habe als die anderen Gemeinden der Region. Als Beispiel nannte er den Tourismus, der die Lebenssituation vieler Menschen prägt. 

Wohnen und Verkehr 

„Füssens wichtigstes Thema ist die Schaffung von Wohnraum, und zwar bezahlbarem Wohnraum“, so Nieberle weiter. Damit stimmt er mit Amtsinhaber Iacob überein, der überzeugt ist, dass sein möglicher Nachfolger eine Wohnungsbaugesellschaft gründen müsse und den Bau im Füssener Norden voranbringen. Das Instrument der „sozialgerechte Bodennutzung“ wäre dafür ein wichtiges Instrument. Wie auch Iacob sieht er hohe Anforderungen an das Sozialsystem der Stadt, vor allem Kitas und Ganztagsschulen seien ein Thema. „Die soziale Infrastruktur muss mitwachsen“, sagte der 58-Jährige. Das bedeute auch Betreuung von unter Dreijährigen Kindern. Ein bereits begonnenes Mammut-Projekt wie die Sanierung der Grund- und Mittelschule (der Kreisbote berichtete mehrfach) werde nicht in zwei bis drei Jahren abgearbeitet sein. Die vorhandenen Pläne dazu müssten stetig weiterentwickelt, den aktuellen und künftigen Standards angepasst werden.

 Ein Verkehrskonzept für Füssen, so Nieberle, müsse auf breiter Basis umgesetzt werden. „Ein Verkehrskonzept für alle. Da gehört alles mit rein“, ergänzte Deckwerth. Einen Individualtourismus, der mehr auf den öffentlichen Nahverkehr setze, zum Beispiel. Das alles müsse unter dem Aspekt des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit geschehen, betonte Nieberle. 

Der Bürgermeisterkandidat habe durch seine Arbeit eine hohe Affinität zur Jugendarbeit. Wengert bemerkte: „Er weiß wie die Jugend tickt. Er kann Jung und Alt verbinden.“ Das Jugendhaus solle weiter gefördert werden. Ob jung oder alt, Nieberle möchte für die Bürger eine höhere Beteiligung bei Entscheidungen. Ein weiteres Thema Nieberles: Aufgrund der Alterstruktur der Stadt mit einem hohen Anteil an Senioren müsse weiterhin an der Barrierefreiheit. Alle sollen inkludiert werden. Deshalb werde er noch keine konkreten Konzepte vorlegen, sozusagen „überstülpen“, sondern die Beteiligung fördern. Die Konzepte sollen dann „die unterschiedlichen Belange ganzheitlich im Blick haben“. 

Das Festspielhaus, so sagte Nieberle auf Nachfrage des Kreisbote, „muss erhalten bleiben. Das steht für mich außer Frage.“ Doch das Wie stehe noch in den Sternen. Es müsse ein weitläufiges Programm von Maßnahmen und Förderungen aufgestellt werden. Denn, so Nieberle, die Kultur in Füssen sei so vielschichtig und bunt. Nicht nur die Hochkultur, die die Stadt ganz klar habe, solle weiter gefördert werden, sondern auch alternative Formen. „Kultur macht eine Stadt lebens- und liebenswert“, ist der Sozialdemokrat überzeugt. 

Auf die Frage, ob seine Kandidatur im Vergleich zu den anderen beiden Bewerbern nicht zu spät erfolge, sagte Nieberle: „Das Beste kommt zum Schluss!“ Von den Mitgliedern des SPD-Ortsvereins soll Nieberle nun am 24. Oktober offiziell nominiert werden.

sh

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