Hotel "New Schwanstein": Trotz Kritik genehmigen Räte Außengestaltung

"Das wird nicht funktionieren"

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Über das neue Hotel in der Augsburger Straße streiten die Stadträte seit Jahren. Erst am Dienstag genehmigten sie die letzten Details.

Füssen – Mit Riesenschritten geht es Richtung Sommer, Richtung Hauptsaison für die Füssener Hoteliers. Und damit drängt auch die Zeit für das Hotel „New Schwanstein”, das derzeit an der Augsburger Straße entsteht.

Darauf haben am Dienstag Bürgermeister Paul Iacob (SPD) und Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier hingewiesen, als die Räte im Bauausschuss erneut über die Freiflächengestaltung entscheiden sollten. Vor rund einem Monat hatten die Räte den Antrag bereits abgelehnt. 

Als nicht machbar sahen sie damals die Anlieferung an und kritisierten die Lage und Anfahrt der Parkplätze. Und auch am Dienstag hagelte es Kritik. Lkws sollen zwischen 10.30 Uhr und 12.30 Uhr das Hotel über die Busanfahrt und die Rezeption beliefern, danach den Geh- und Radweg queren und auf die Augsburgerstraße abfahren. 

So sehen es die Hotelpläne vor. Doch das hatten die Räte bereits in der Aprilsitzung heftig kritisiert. Sie befürchteten, dass sich Touristen- und Lieferbusse gegenseitig in die Quere kommen, die Fußgänger gefährdet und die Lieferwagen beim Abbiegen auf die Augsburgerstraße noch die Gegenfahrbahn benötigen werden. 

Über diese Punkte habe die Stadtverwaltung nun mit dem Hoteleigentümer, Planern und Vertretern des Tiefbau- und Straßenbauamts gesprochen, erklärte Bürgermeister Iacob in der Sitzung am Dienstag. 

Verlegung nicht möglich

Dabei hätten die Planer erklärt, dass die Lkw über eine Schleppkurve auf die Straße gelangen, „ohne stark ausschwenken zu müssen“, sagte Bauamtsleiter Armin Angeringer. 

Außerdem werde es zu „keinen Überschneidungen“ zwischen dem Touristen- und Anlieferverkehr kommen, was allerdings für Lacher im Sitzungssaal sorgte. Das Hotel konzentriere sich primär auf Individualgäste, so dass nicht allzu viele den Geh- und Radweg queren werden, so Angeringer. 

Kleinere Lkw könnten zudem die Tiefgarage benutzen. Und falls einmal doch Bus und Lkw zur gleichen Zeit am Hotel ankommen, sei die Busanfahrt lang genug, „dass zwei Fahrzeuge hintereinander grundsätzlich Platz haben“, so der Bauamtsleiter. 

Die Anlieferung auf die Südseite zu verlegen, wie Dr. Christoph Böhm (CSU) das in der Aprilsitzung gefordert hatte, sei dagegen nicht möglich, weil die Fläche im öffentlichen Straßenraum liege. Und den brauche die Stadt für den Kreisverkehr, der dort ursprünglich geplant war. Auch wenn das Straßenbauamt dort lieber eine Ampel sehe, erklärte Iacob nach einem kritischen Einwurf von Jürgen Doser (FWF): „Die Fläche wollen wir nicht verkaufen. Eine Ampel macht dort keinen Sinn. Den Kreisel geben wir nicht auf.“ 

Keine optimale Lösung

Doch die Anlieferung war nicht der einzige Knackpunkt: Im April hatten die Räte auch die Anfahrt und Lage einiger Stellplätze kritisiert. Damit diese nicht über den öffentlichen Geh- und Radweg angefahren werden, sollen an der Grundstücksgrenze Blumenkübel und Poller aufgestellt werden, erklärte Iacob. Dadurch seien Autofahrer gezwungen die Buszufahrt oder die Zufahrt im Norden zu benutzen. 

Trotzdem kritisierten einige Räte nach wie vor diese Lösung. Denn die Autofahrer müssten trotzdem auf dem Geh- und Radweg wenden, um anschließend auf die Augsburgerstraße fahren zu können. „Dort anständig rauszukommen, ohne jemanden zu gefährden, wird nicht möglich sein“, erklärte Magnus Peresson (UBL). Iacob gab zwar zu, dass diese Lösung „nicht optimal“ sei, aber immerhin werde die Ausfahrt auf einen Bereich konzentriert. 

Zudem habe an der gesamten Augusburgerstraße nur ein Bewohner die Möglichkeit auf seinem Grundstück zu wenden. Das sei in der Vergangenheit so genehmigt worden. Und auch die Räte hätten bereits grünes Licht für die Lage der Hotelparkplätze gegeben. „Wir genehmigen hier nichts Neues“, sagte Iacob. „Ich weiß, das ist genehmigt“, sagte Herbert Dopfer (Füssen Land). Aber: „das Rangieren auf dem Fahrradweg stört mich.“ 

Um die Versäumnisse aus der Vergangenheit so gut es geht zu korrigieren, schlug er vor, statt den drei Längsparkplätzen zwei Querparkplätze anzulegen und für den dritten Stellplatz die Terrasse ein Stück zu reduzieren. Die Stadt komme dem Bauwerber schließlich ein Stück entgegen, dann könne man das Gleiche auch umgekehrt erwarten – trotz Genehmigung. 

Daneben sollte die Stadt bei den Blumenkübeln lieber sparsam sein, sagte Jürgen Doser (FWF). Denn je mehr an der Grundstücksgrenze stehen, desto schlechter sei die Sicht auf den Geh- und Radweg. Zwar sprach sich der Freie-Wähler-Stadtrat dafür aus, dem Bauwerber zu helfen. Ihn störte aber die Argumentation des Bauherren bezüglich der Anlieferung. „Das ist ein Blödsinn. Das hat mit der Realität nichts zu tun. Die brauchen ein paar Busse zur Anlieferung“, so Doser. Und damit werden auch die Probleme kommen. 

Der gleichen Meinung war Peresson, der Angeringers Erklärungen als „Schönrednerei“ abtat. „Hier wird ein Ideal entworfen, das durch die Realität gestraft wird. Das wird nicht funktionieren.“ Und auch Michael Schmück (CSU) sah die Lage kritisch. Anwohner würden sich bereits jetzt über die vielen parkenden Busse an der benachbarten AOK beschweren. Durch das neue Hotel werde das „nicht besser“, erklärte Schmück. „Ich habe da große Bedenken. Ich kann dem so nicht zustimmen.“ 

Ganz so dramatisch sah Lothar Schaffrath (SPD) die Sache jedoch nicht. Schließlich sei bei so gut wie jedem Hotel in der Innenstadt die Anlieferung „nicht optimal“. „Wir müssen schauen, dass wir unseren Saustall da wegkriegen. Das muss möglichst schnell gemacht werden.“ Und dafür appellierte auch die Stadtverwaltung. „Wir wollen, dass das möglichst schnell umgesetzt wird. Wir können das nicht noch ein Jahr so lassen“, sagte Iacob. „Heute ist zeitlich die letzte Möglichkeit die Planung zu begrüßen, damit der öffentliche Bereich fertig wird vor dem Sommereintritt“, bekräftigte Angeringer.

Gleicher Meinung war auch Tourismusdirektor Fredlmeier, obwohl sich Füssen Tourismus und Marketing (FTM) sonst, „relativ zurückhaltend“ verhalte, wenn es um Bettenmehrung gehe, wie der Tourismuschef erklärte. Der neue Eigentümer, der diese „nicht ganz einfache Situation“ übernommen habe, habe aber„ein paar positive Entscheidungen für uns getroffen“, so Fredlmeier. 

Mehr Qualität

So solle das Hotel jetzt im Vier-Sterne-Bereich angesiedelt und unter dem Dach der Kette Best Western geführt werden. Daneben habe sich der Eigentümer nicht nur Leute an die Seite geholt, die viel Erfahrung haben, sondern stehe seit Dezember auch im engen Kontakt mit FTM. Deshalb sei er zuversichtlich, dass das Hotel im Sinne der Stadt und FTM gemanagt werde.

Am Ende genehmigten die Räte mit zwei Gegenstimmen (Schmück und Peresson) die Gestaltung. Allerdings mit der Auflage, die Stellplätze so wie von Dopfer vorgeschlagen zu verändern.

Katharina Knoll

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